{"id":25,"date":"2024-11-19T06:32:23","date_gmt":"2024-11-19T05:32:23","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gamelabs\/?p=25"},"modified":"2024-11-19T06:32:43","modified_gmt":"2024-11-19T05:32:43","slug":"25-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gamelabs\/2024\/11\/25-2\/","title":{"rendered":"Epistemologien des Labors (2)"},"content":{"rendered":"\n<p>Protokoll: Louise G\u00fcnther<\/p>\n\n\n\n<p>Der heutige Gegenstand des Seminars ist der Text \u201eExperiment und Pr\u00e4zision\u201c des Wissenschaftshistorikers Hans-J\u00f6rg Rheinberger. Sein Text behandelt das Zusammenspiel von Experiment und Instrument in der Wissenschaft und ist besonders auf die molekularbiologische Forschung fokussiert. Im Kern geht es um die Spannung zwischen Pr\u00e4zision und Improvisation (\u201eBastelei\u201d) in wissenschaftlichen Prozessen. Der Autor argumentiert, dass wissenschaftlicher Fortschritt nicht nur durch pr\u00e4zise, standardisierte Messinstrumente vorangetrieben wird, sondern auch durch flexible, improvisierte Methoden.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Nach einer kurzen Wiederholung der vergangenen Seminarstunde und einer Einf\u00fchrung in die Erkenntnistheorie nach Michel Foucault musste sich die Seminargruppe zun\u00e4chst an die wichtigsten Begrifflichkeiten und ihre Definitionen nach Rheinberger heranwagen. Rheinberger kn\u00fcpft mit seinem Text an Foucault an und beschreibt, dass Experimentalsysteme aus zwei eng verbundenen Komponenten bestehen:<\/p>\n\n\n\n<ol><li>\u201eForschungsgegenstand, Wissenschaftsobjekt oder auch epistemisches Ding \u2013 epistemische Dinge verk\u00f6rpern, paradox gesagt, gerade das, was man noch nicht wei\u00df\u201c (S.53)<\/li><li>Die technischen Gegebenheiten des Experiments.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Durch die von Rheinberger beschriebene Wechselwirkung dieser beiden Komponenten diskutierte die Seminargruppe daraufhin \u00fcber den \u201edual use\u201c und ob bei Experimenten auch moralische Dilemmata entstehen k\u00f6nnten. Beispielhaft wird zu diesem Punkt \u00fcber Atomwaffen gesprochen \u2013 das Erkenntnisinteresse dieser Waffen ist recht hoch und interessant, ihre Nutzung jedoch verwerflich.<\/p>\n\n\n\n<p>Laut Rheinbergers Hauptargument, sei die Wechselwirkung nicht apodiktisch (S. 54). \u201eDie technischen Bedingungen bestimmen Raum und Reichweite m\u00f6glicher Repr\u00e4sentationen eines epistemischen Dings; ausreichend stabilisierte Wissenschaftsobjekte wiederum k\u00f6nnen als technische Bausteine in die Experimentalanordnung eingef\u00fcgt werden, die selbst dadurch wieder zu neuen epistemischen Konstellationen f\u00fchrt\u201c (S. 54).<\/p>\n\n\n\n<p>Wie technische Dinge auch zu neuen epistemischen Dingen werden k\u00f6nnen, zeigt die Erfindung des Fernsehers. Obwohl das Ger\u00e4t im 19. Jahrhundert bereits entwickelt wurde, konnte erst in den 1930er Jahren durch die Quantentheorie herausgefunden werden, wieso und wie die Braun&#8217;sche R\u00f6hre funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite zentrale Begriff, der anhand des Textes w\u00e4hrend des Seminars diskutiert wurde, ist der des Bastelns. Ein Forschender wird hier eher als \u201eBastler\u201c , weniger als Ingenieur beschrieben, der Werkzeuge und Techniken je nach den Anforderungen seiner Forschung improvisiert und modifiziert. Rheinberger hebt auch hervor, dass wissenschaftliche Instrumente, obwohl sie oft pr\u00e4zise und technisch aufwendig sind, im Forschungsprozess h\u00e4ufig auf ihre Grenzen sto\u00dfen. Somit war sich die Seminargruppe im Diskurs dar\u00fcber einig, dass diese \u201eBastelei\u201c notwendig ist, um neue Entdeckungen zu erm\u00f6glichen und nicht in starrer Standardisierung zu verharren.<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammenfassend kommt die Seminargruppe mit der Meinung Rheinbergers \u00fcberein, dass sowohl technische Pr\u00e4zision als auch flexible, kreative Ans\u00e4tze wesentliche Bestandteile des wissenschaftlichen Fortschritts sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Literatur; Rheinberger, Hans-J\u00f6rg (2000). Experiment: Pr\u00e4zision und Bastelei. In: Christoph Meinel (Hrsg.). Instrument \u2013 Experiment: Historische Studien. S. 52-59.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Protokoll: Louise G\u00fcnther Der heutige Gegenstand des Seminars ist der Text \u201eExperiment und Pr\u00e4zision\u201c des Wissenschaftshistorikers Hans-J\u00f6rg Rheinberger. Sein Text behandelt das Zusammenspiel von Experiment und Instrument in der Wissenschaft und ist besonders auf die molekularbiologische Forschung fokussiert. Im Kern geht es um die Spannung zwischen Pr\u00e4zision und Improvisation (\u201eBastelei\u201d) in wissenschaftlichen Prozessen. Der Autor [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":6187,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gamelabs\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gamelabs\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gamelabs\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gamelabs\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6187"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gamelabs\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=25"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gamelabs\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gamelabs\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/25\/revisions\/27"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gamelabs\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=25"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gamelabs\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=25"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gamelabs\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=25"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}