{"id":28,"date":"2024-12-05T17:12:43","date_gmt":"2024-12-05T16:12:43","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gamelabs\/?p=28"},"modified":"2024-12-05T17:12:44","modified_gmt":"2024-12-05T16:12:44","slug":"hands-on-plaedoyer-fuer-eine-experimentelle-medienarchaeologie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gamelabs\/2024\/12\/hands-on-plaedoyer-fuer-eine-experimentelle-medienarchaeologie\/","title":{"rendered":"\u00bbHands-on! Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine experimentelle Medienarch\u00e4ologie\u00ab"},"content":{"rendered":"\n<p>Eine kritische Reflexion zum Text von Andreas Fickers<\/p>\n\n\n\n<p>von Ulrike K\u00fchnold<\/p>\n\n\n\n<p>Andreas Fickers spricht in seinem Text \u201e<a href=\"https:\/\/www.nomos-elibrary.de\/10.5771\/0040-117X-2015-1-67.pdf?download_full_pdf=1\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.nomos-elibrary.de\/10.5771\/0040-117X-2015-1-67.pdf?download_full_pdf=1\">Hands-on! Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine experimentelle Medienarch\u00e4ologie<\/a>\u201c von der experimentellen Medienarch\u00e4ologie. Er schl\u00e4gt eine Methode vor, die durch spielerischen und sinnlichen Umgang mit technischen Objekten neue Einblicke in die Medien- und Technikgeschichte er\u00f6ffnet. Kern dieser Methodik ist das \u201eRe-enactment\u201c, bei dem historische Medienpraktiken durch das Nachstellen realer Nutzungssituationen rekonstruiert werden. Ziel ist es, die Materialit\u00e4t und performative Dimension technischer Objekte nicht nur zu analysieren, sondern durch direkten Umgang zu erfahren. Dies soll die Reflexion \u00fcber Funktionalit\u00e4t, Semantik und symbolische Bedeutungen historischer Objekte f\u00f6rdern und neue Erkenntnisse \u00fcber vergangene Medienpraktiken generieren. Obwohl dieser Ansatz innovative Perspektiven er\u00f6ffnet, wirft er auch Fragen hinsichtlich seiner praktischen Umsetzbarkeit, erkenntnistheoretischer Rahmen und methodischen Abgrenzung auf.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Andreas Fickers weist auf Forschung von Wanda Strauwen hin. Sie pl\u00e4diert f\u00fcr eine \u201eEntauratisierung\u201c technischer Objekte, um diese nicht nur als historische Objekte zu behandeln, sondern als interaktive Forschungsgegenst\u00e4nde. Durch den experimentellen Umgang sollen Erkenntnisse \u00fcber die r\u00e4umlich-zeitlichen Bedingungen und das Handlungswissen gewonnen werden, die aus der Nutzung solcher Objekte resultieren. Der Ansatz will nicht nur die historische Interpretation vertiefen, sondern auch neue Methoden und Werkzeuge f\u00fcr das Lehren und Verstehen der Mediengeschichte bereitstellen. Trotz der Innovation des Ansatzes wirft er jedoch kritische Fragen auf. <\/p>\n\n\n\n<p>So ist die Methode des \u201eRe-enactments\u201c nicht frei von methodischen und theoriebezogenen Herausforderungen. Einerseits liegt die St\u00e4rke des Ansatzes in seiner spielerischen und experimentellen Dimension, andererseits bleibt die Subjektivit\u00e4t der Erkenntnis ein Problem. Die pers\u00f6nliche Interpretation der Forschenden kann die Ergebnisse beeinflussen, sodass eine vermeintlich \u201eobjektive\u201c Rekonstruktion schwer realisierbar ist. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnte der praktische Nutzen der experimentellen Medienarch\u00e4ologie begrenzt sein. W\u00e4hrend die Methode bei technisch leicht zug\u00e4nglichen oder massenproduzierten Objekten gut funktioniert, sto\u00dfen Forschende bei seltenen oder schlecht dokumentierten Objekten an ihre Grenzen. Hier stellt sich auch die Frage, inwieweit die vorgeschlagene \u201eEntauratisierung\u201c mit konservatorischen und ethischen Grunds\u00e4tzen vereinbar ist. Ein weiteres kritisches Moment ist die fehlende klare Abgrenzung zu bestehenden methodischen Ans\u00e4tzen. Andreas Fickers sieht die experimentelle Medienarch\u00e4ologie als Erg\u00e4nzung zur Diskursanalyse, doch ihr Unterschied zu \u00e4hnlichen Ans\u00e4tzen wie der Ph\u00e4nomenologie bleibt unklar. Hinzu kommt, dass der Fokus auf Materialit\u00e4t und Sinnlichkeit die sozialen, politischen und kulturellen Kontexte der Mediennutzung m\u00f6glicherweise vernachl\u00e4ssigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Beispiel f\u00fcr den Ansatz de Re-enactmet in der experimentellen Arch\u00e4ologie w\u00e4re die Nachstellung der Entstehung von H\u00f6hlenmalerei. Dabei zeigte sich, wie viel kultureller Aufwand erforderlich ist, um solche Kunstwerke an die W\u00e4nde zu bringen. F\u00fcr Andreas Fickers steht dabei das praktische Wissen im Vordergrund. Autoren wie Michel Foucault, die \u00fcberwiegend theoretisch arbeiten, kritisiert er deshalb und betont, dass der beste Lernprozess durch aktive Beteiligung \u201eHands-on\u201c erfolgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfend sei darauf hingewiesen, dass Andreas Fickers den Begriff \u201eMedienarch\u00e4ologie\u201c nicht eindeutig definiert. Vielmehr wird er als experimentelle Arch\u00e4ologie mit Fokus auf Medien verstanden, die die Bedeutung von Sinneserfahrungen und praktischen Experimenten betont. Der Ansatz fordert dazu auf, die performative Dimension von Medienobjekten neu zu denken und kritisch zu hinterfragen. Trotzdem bleibt seine praktische Umsetzung begrenzt, und die Subjektivit\u00e4t der Erkenntnisse sowie die Abgrenzung zu bestehenden Ans\u00e4tzen erfordern eine genauere Pr\u00fcfung. Trotz dieser Schw\u00e4chen tr\u00e4gt der Ansatz jedoch wesentlich zur Erweiterung historischer Forschungsperspektiven bei und schafft Raum f\u00fcr weitere methodische Experimente.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine kritische Reflexion zum Text von Andreas Fickers von Ulrike K\u00fchnold Andreas Fickers spricht in seinem Text \u201eHands-on! Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine experimentelle Medienarch\u00e4ologie\u201c von der experimentellen Medienarch\u00e4ologie. Er schl\u00e4gt eine Methode vor, die durch spielerischen und sinnlichen Umgang mit technischen Objekten neue Einblicke in die Medien- und Technikgeschichte er\u00f6ffnet. 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