{"id":84,"date":"2026-07-02T10:45:31","date_gmt":"2026-07-02T08:45:31","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gedankengaenge\/?page_id=84"},"modified":"2026-07-08T13:14:45","modified_gmt":"2026-07-08T11:14:45","slug":"gedankengaenge-im-schreiben","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gedankengaenge\/gedankengaenge-im-schreiben\/","title":{"rendered":"Ausstellung: GedankenG\u00c4NGE im Schreiben"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Konstruktionen des Schreibens in Kindertexten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcberlegungen zur Methodologie und Methodik<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWeil sprachlich-literarische Verarbeitung von Erfahrungen diese aus ihrem konkreten Kontext herausl\u00f6st, st\u00fctzt sie die F\u00e4higkeit und das Bed\u00fcrfnis des Menschen, im Raum der Erinnerung und Imagination Erfahrenes aufzubewahren und auch dem Ersehnten eine Gestalt zu geben. Darin darf man die grundlegende anthropologische Funktion literarischer Produktivit\u00e4t sehen.\u201c (Kaspar H. Spinner 2004, 194)<\/p>\n\n\n\n<p>Wir gehen davon aus, dass Kinder in ihren eigenen Texten \u2013 egal ob in fantastischen oder realistischen Erz\u00e4hlungen, Gedichten, Berichten, Nachdenkereien o. \u00c4. \u2013 eigene Erfahrungen, Vorstellungen und kulturelle Muster miteinander verbinden. Ihre Texte sind dabei immer zweierlei: <br>(I) Einschreibungen in eine kulturelle Tradition (und damit auch Fortschreibungen eben dieser Tradition) und (II) Subjektivierungsprozesse. Schreiben ist in diesem Sinne eine Form der Auseinandersetzung mit Selbst und Welt im Medium der Sprache.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser (methodischer) Zugang versteht infolgedessen Kindertexte als Ergebnisse literarischer Produktivit\u00e4t. Wir betrachten Texte hier also nicht prim\u00e4r aus der Perspektive einer (schulischen) Aneignungsperspektive und in diesem Sinne als zunehmende Ann\u00e4herungen an einen konventionellen (Schrift-)Sprachgebrauch. Wir m\u00f6chten \u201eKindertexte unter \u00e4sthetischem Aspekt\u201c betrachten und folgen dabei einem Vorschlag von Kaspar H. Spinner, diese Texte \u201ewie einen literarischen Text\u201c zu untersuchen (Spinner 2004, 187). Dabei verzichtet Spinner auf ein striktes methodisches Instrumentarium. Er richtet seinen Blick eher auf die \u201epositiven Qualit\u00e4ten\u201c (ebd.; im Sinne von bemerkenswerten Besonderheiten) der Texte.<\/p>\n\n\n\n<p>Norbert Kruse konkretisiert dieses Vorgehen mit Blick auf das Verh\u00e4ltnis der (erwachsenen) Lesenden zum Text. Zuerst geht es darum, \u201esich den Text des Kindes fremd [zu] machen\u201c (Kruse 2011, 77) und diesen fremden Blick f\u00fcr die Entdeckung der Besonderheiten der Texte der Kinder zu nutzen (vgl. ebd.; auch Herrmann 2023, 2024). Seine dezidiert unterrichtsbezogenen \u00dcberlegungen wollen wir von der Notwendigkeit des didaktisch-methodischen Handelns abkoppeln und diese Betrachtungen als Wissenschaftler:innen vollziehen. Damit geht es uns auch weniger um ein normatives Sprachk\u00f6nnen, das zu identifizieren ist. Uns interessiert eher deskriptiv, wie Kinder das Schreiben nutzen, um spezifische (vorgestellte) Erfahrungen (vgl. Sch\u00fcler 2019) darin zu thematisieren und zu verarbeiten \u2013 also ihre konkrete literar-\u00e4sthetische Produktivit\u00e4t. Der Aspekt der \u201eBefremdung\u201c bei Kruse erscheint uns dabei wichtig, denn er verweist darauf, dass die Betrachtung des Textes als literarischen Text immer auch in einem Verh\u00e4ltnis zu uns Lesenden zu denken ist (vgl. Iser 1994), also unsere eigene Lesart (vgl. Ritter <span class=\"amp\">&amp;<\/span> Wunderlich 2013, 25) betrifft. Es geht also immer auch darum, das eigene Verh\u00e4ltnis und den eigenen Zugang zum Text zu reflektieren \u2013 und die Interpretation des Textes als eine subjektive anzuerkennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Motivisch interessiert uns, wie Kinder das Schreiben als Erfahrung in ihren Texten verhandeln. In der literarischen \u00dcberformung vermuten wir Zug\u00e4nge zur Bedeutung, die das Schreiben f\u00fcr die schreibenden Kinder entfaltet.<\/p>\n\n\n\n<p>Forschungsfragen: GedankenG\u00c4NGE im Schreiben<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Wie zeigt sich das Schreiben als vorgestellte Erfahrung in den Texten von Kindern? Wie wird das Schreiben narratologisch bearbeitet?<\/li><li>Welche Bedeutung wird dem Schreiben im Text zugedacht?<\/li><li>Welche Wirkungen werden dadurch entfaltet<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Vorgehen: (im Wechsel individuelle Interpretation und intersubjektive Validierung)<\/p>\n\n\n\n<ol><li> Induktive (sequenzanalytisch\/narratologische) Rekonstruktion des Kindertextes<\/li><li>Verdichtung der Ergebnisse anhand der Forschungsfrage(n)<\/li><li>Zusammenfassung der Interpretationergebnisse<\/li><li>Erarbeitung eines Textkommentars<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Konstruktionen des Schreibens in Kindertexten \u00dcberlegungen zur Methodologie und Methodik \u201eWeil sprachlich-literarische Verarbeitung von Erfahrungen diese aus ihrem konkreten Kontext herausl\u00f6st, st\u00fctzt sie die F\u00e4higkeit und das Bed\u00fcrfnis des Menschen, im Raum der Erinnerung und Imagination Erfahrenes aufzubewahren und auch dem Ersehnten eine Gestalt zu geben. 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