{"id":119,"date":"2016-06-25T16:02:40","date_gmt":"2016-06-25T14:02:40","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/geld\/?p=119"},"modified":"2016-07-04T17:33:47","modified_gmt":"2016-07-04T15:33:47","slug":"119","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/geld\/2016\/06\/119\/","title":{"rendered":"Beziehung und Abh\u00e4ngigkeit"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Simmel unterscheidet in seiner Vorarbeit zur &#8222;Cultur des Geldes&#8220; (als Vortrag gehalten 1896 vor der &#8222;Gesellschaft \u00f6sterreichischer Volkswirthe [sic!]) die L\u00f6sung von pers\u00f6nlichen Beziehungen und Abh\u00e4ngigkeiten bei gleichzeitiger Bindung an finanzielle Abh\u00e4ngigkeiten. Dies macht er am Beispiel eines Bauern fest. Im Mittelalter (und auch bis in die Fr\u00fche Neuzeit hinein) war die Feudalbindung zwischen Guts-\/Grundherren und den Bauern eine haupts\u00e4ch-liche auf pers\u00f6nliche Abh\u00e4ngigkeit basierende Beziehung. Diese Beziehung hat sich nach Simmel zu seiner Zeit bereits v\u00f6llig Aufgel\u00f6st. Der Siegeszug der Geldwirtschaft brachte den Bauern pers\u00f6nliche Freiheit und Selbstst\u00e4ndigkeit. Jedoch kam infolge dessen die Abh\u00e4ngigkeit von der Geldwirtschaft.<br \/>\nKonkret hei\u00dft das, dass der Bauer nun nicht mehr direkt die produzierten Agrarprodukte abgab oder Arbeitsleitungen f\u00fcr den Guts-\/Grundherren leistet, sondern diese Leistungen in Geld \u00fcbersetzt dem\u00a0Guts-\/Grundherren (modern: Verp\u00e4chter) leistet. Durch die \u00dcbersetzung aller vormaliger Personengebun-dener Beziehungen in Geldleistungen, von denen sich wiederum alle anderen Dienste gekauft werden k\u00f6nnen, werden traditionelle soziale Beziehungen aufgel\u00f6st. Die Folgen dieser Aufl\u00f6sung sind einerseits die Individualisierung der einzelnen Produzenten (als Personen), die andererseits aus der gewon-nen Freiheit die M\u00f6glichkeit haben, sich zu Vereinen, Interessenverb\u00e4nden, Gewerkschaften, etc. zusammenzuschlie\u00dfen.<br \/>\nDamit sind auch die zwei wichtigen Kennzeichen der Moderne genannt: &#8222;Individualisierung&#8220; und &#8222;Nivellierung&#8220; (=Gleichmacherrei zu einem als negativ konnotierten Gleichen). Die Leistungsabgabe via Geld macht den Bauer dahingehend frei, dass es egal ist, wie die die zu leistende Geldsumme zusammen kommt. Das macht die Beziehung, nach Simmel, auch gleichzeitig inhaltsleer, denn statt den einzelnen (und verschiedenartigen) Produkten, die der Bauer erzeugt, wird nur der (in seiner materiellen Form) immer gleiche monet\u00e4re Gegenwert der Waren abgegeben. Geld wird so der einzige Inhalt der Beziehung und in der Konsequenz wird das Geld auch der Endzweck der Beziehung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Diesen nachgezeichneten Beziehungen liegen zwei Ver\u00e4nderungen in der Beziehung von Mensch und Geld zu Grunde: Erstens wird Geld in der Moderne indifferenzierter. Geld und Geldbesitz ist in Simmels etwas allt\u00e4g-liches. Selbst am unteren Ende der Gesellschaftshierarchie besitzen die Menschen (wenn auch wenig) Geld. Zudem wird Geld als Zahlungsmittel f\u00fcr alles, selbst die allt\u00e4glichsten Kleinigkeiten, benutzt. Dar\u00fcber hinaus werden alle Produktionsvorg\u00e4nge, deren Ergebnisse f\u00fcr Geld frei auf dem Markt angeboten werden, differenzierter. Zunehmend wird &#8222;der Bauer&#8220; zum &#8222;Kartof-felbauer&#8220;, &#8222;R\u00fcbenbauer&#8220;, &#8222;Rinderz\u00fccher&#8220;, etc.<br \/>\nIndifferenzierung des Geldes und Differenzierung des Produktionsvorgangs steigern so im Endeffekt die Bedeutung des Gelds. Der Grund ist, dass Geld in der Moderne der Gegenwert f\u00fcr Produkte und Dienste ist. Die Produktions- und Dienstleistungen werden dabei immer spezialisierter und\u00a0eine Form des einheitlichen Wertausdrucks unterschiedlichster Produkte bietet Geld.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die hier aufgezeigten Aspekte des Geldes werden Von Simmel in seinem Hauptwerk, der\u00a0<em>Philosophie des Geldes<\/em> wieder im Kapitel <em>Die individuelle Freiheit<\/em>\u00a0aufgenommen und vertieft behandelt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Simmel unterscheidet in seiner Vorarbeit zur &#8222;Cultur des Geldes&#8220; (als Vortrag gehalten 1896 vor der &#8222;Gesellschaft \u00f6sterreichischer Volkswirthe [sic!]) die L\u00f6sung von pers\u00f6nlichen Beziehungen und Abh\u00e4ngigkeiten bei gleichzeitiger Bindung an finanzielle Abh\u00e4ngigkeiten. Dies macht er am Beispiel eines Bauern fest. 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