{"id":10,"date":"2026-03-10T09:48:39","date_gmt":"2026-03-10T08:48:39","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gewaesserlabor\/?p=10"},"modified":"2026-03-10T16:23:48","modified_gmt":"2026-03-10T15:23:48","slug":"exkurs-chemische-physikalische-parameter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gewaesserlabor\/2026\/03\/exkurs-chemische-physikalische-parameter\/","title":{"rendered":"Exkurs physikalische &amp; chemische Parameter"},"content":{"rendered":"\n<p>Physikalische Parameter <\/p>\n\n\n\n<ol><li><strong>Geruch<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Der Geruch eines Gew\u00e4ssers kann wichtige Hinweise auf seine Qualit\u00e4t geben, da nat\u00fcrliches Wasser meist geruchlos ist. Treten dagegen auff\u00e4llige oder unangenehme Ger\u00fcche auf, k\u00f6nnen sie auf bestimmte Stoffe oder biologische Prozesse hinweisen. Da Ger\u00fcche jedoch nur ein erster Hinweis sind, sollten sie immer zusammen mit anderen Messwerten wie pH-Wert, Tr\u00fcbung, Leitf\u00e4higkeit oder N\u00e4hrstoffgehalt beurteilt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Typische Geruchseindr\u00fccke und ihre m\u00f6glichen Ursachen:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td>g<em>eruchlos<\/em><\/td><td>Leicht frische oder neutrale Ger\u00fcche sind unter nat\u00fcrlichen Bedingungen normal.<\/td><\/tr><tr><td><em>Geruch nach faulen Eiern<\/em><\/td><td>Ein schwefelartiger Geruch weist auf Sulfide hin, die entstehen, wenn organische Stoffe unter sauerstoffarmen (anaeroben) Bedingungen abgebaut werden. Er kann auf Abwasser, abgestorbene Tiere oder eine starke Sauerstoffarmut im Gew\u00e4sser hindeuten.<br><\/td><\/tr><tr><td><em>fischiger, erdiger, grasiger oder aromatischer Geruch<\/em><\/td><td>Diese Ger\u00fcche entstehen h\u00e4ufig durch das starke Wachstum von Algen (z. B. Blau-, Gr\u00fcn- oder Kieselalgen). Sie deuten auf hohe N\u00e4hrstoffkonzentrationen, starke Sonneneinstrahlung und damit auf m\u00f6gliche Eutrophierung hin.<\/td><\/tr><tr><td><em>modriger, fauliger oder jauchiger Geruch<\/em><\/td><td>Diese Ger\u00fcche zeigen eine starke oder sehr starke Verunreinigung des Wassers an. H\u00e4ufig stehen sie im Zusammenhang mit Abw\u00e4ssern, Faulprozessen im Sediment oder mit hoher organischer Belastung<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<ol start=\"2\"><li><strong>Tr\u00fcbung<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Die Tr\u00fcbung eines Gew\u00e4ssers zeigt an, wie viele fein verteilte, ungel\u00f6ste Teilchen im Wasser schweben. Diese Stoffe k\u00f6nnen von au\u00dfen in das Gew\u00e4sser gelangen, zum Beispiel durch abgeschwemmte Erde oder eingeleitete Feststoffe. Sie k\u00f6nnen aber auch im Wasser selbst entstehen, etwa wenn sich unter bestimmten Bedingungen vermehrt Plankton bildet. Daher ist die Messung der Tr\u00fcbung eine einfache M\u00f6glichkeit, Hinweise auf kurzfristige oder langfristige Ver\u00e4nderungen der Gew\u00e4sserqualit\u00e4t zu erhalten, sofern diese mit ungel\u00f6sten Stoffen zusammenh\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<p>Tr\u00fcbstoffe beeinflussen die Lichtverh\u00e4ltnisse im Wasser. Folglich k\u00f6nnen Photosynthese und Wachstum von Wasserpflanzen und Plankton gest\u00f6rt werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders anf\u00e4llig sind langsam flie\u00dfende oder stehende Gew\u00e4sser. Zudem kann eine starke Tr\u00fcbung den Sauerstoffhaushalt ver\u00e4ndern. Sinkende Tr\u00fcbstoffe lagern sich am Gew\u00e4sserboden ab und k\u00f6nnen dortige Lebensr\u00e4ume limitieren.<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4ufige Ursachen f\u00fcr eine erh\u00f6hte Tr\u00fcbung k\u00f6nnen sein:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Erosion<\/li><li>Aufwirbelungen durch Str\u00f6mungen oder tierische Aktivit\u00e4ten<\/li><li>Einleitungen aus Kl\u00e4ranlagen<\/li><li>chemische und biologische Prozesse im Gew\u00e4sser selbst<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>3.    <strong>Farbe<\/strong>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Farbe eines Gew\u00e4ssers gibt erste Hinweise darauf, welche Stoffe sich im Wasser befinden und ob das Wasser belastet sein k\u00f6nnte. Wasser in stehenden und flie\u00dfenden Gew\u00e4ssern ist selten v\u00f6llig farblos. Je nach Zusammensetzung kann es klar, gelblich, br\u00e4unlich, gr\u00fcnlich oder sogar r\u00f6tlich erscheinen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Farbe wird h\u00e4ufig durch gel\u00f6ste organische Stoffe verursacht, die aus Laub, dem Boden oder Zufl\u00fcssen stammen und das Wasser gelb bis braun f\u00e4rben. Gr\u00fcnliche F\u00e4rbungen entstehen meist durch eine starke Entwicklung von Algen oder Bakterien, die Photosynthese betreiben und den gr\u00fcnen Farbstoff Chlorophyll enthalten. Tr\u00fcbe oder graue Farben k\u00f6nnen auf Schwebstoffe hindeuten, die durch Regen, Aufwirbelungen oder Einleitungen ins Wasser gelangen. R\u00f6tliche T\u00f6ne treten zum Beispiel bei eisenhaltigen Sedimenten oder speziellen Mikroorganismen auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Hohe Farbintensit\u00e4ten oder ungew\u00f6hnliche Farbt\u00f6ne k\u00f6nnen auf Verunreinigungen, hohe N\u00e4hrstoffbelastungen, Erosion oder organische Eintr\u00e4ge hinweisen und beeinflussen oft die Qualit\u00e4t des Wassers. Sie k\u00f6nnen auch ein Warnsignal sein, dass die Nutzung des Wassers eingeschr\u00e4nkt ist, etwa f\u00fcr Tiere, Pflanzen oder bestimmte menschliche Zwecke.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<ol start=\"4\"><li><strong>Wassertemperatur<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Die Wassertemperatur geh\u00f6rt zu den wichtigsten Umweltfaktoren in einem Gew\u00e4sser, da sie nahezu alle physikalischen, chemischen und biologischen Prozesse beeinflusst. Ihre Messung ist deshalb ein zentraler Bestandteil jeder Gew\u00e4sseruntersuchung und hilft dabei, weitere Parameter zur Gew\u00e4sserg\u00fcte richtig einzuordnen. Alle im Wasser lebenden Organismen sind an bestimmte Temperaturbereiche angepasst und verf\u00fcgen \u00fcber eine Vorzugstemperatur, bei der sie sich optimal entwickeln. Ver\u00e4nderungen der Temperatur, beispielsweise Erw\u00e4rmungen, k\u00f6nnen je nach Lebewesen nur begrenzt toleriert werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Innerhalb des in mitteldeutschen Gew\u00e4ssern typischen Temperaturbereichs von 0 \u00b0C bis 25 \u00b0C f\u00fchrt eine Erh\u00f6hung der Wassertemperatur im Allgemeinen zu folgenden Auswirkungen:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>Bei mehr als 4 \u00b0C kommt es zu einer Abnahme der Dichte des Wassers, wodurch sich kleinste Partikel schneller absetzen k\u00f6nnen.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul><li>Die L\u00f6slichkeit von Gasen im Wasser verringert sich. Besonders deutlich wirkt sich dies auf den Sauerstoffgehalt aus, betrifft aber ebenso Kohlenstoffdioxid, Ammoniak, Stickstoff und andere Gase.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<ul><li>Chemische Reaktionen und biochemische Prozesse laufen schneller ab. Eine Folge ist beispielsweise, dass die Aktivit\u00e4t und der Stoffumsatz der Wasserorganismen etwa bei Pflanzen ansteigen, und Organismen, die im Wasser leben, zeigen h\u00e4ufig eine erh\u00f6hte Wachstumsgeschwindigkeit.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<ol start=\"5\"><li><strong>Str\u00f6mungsgeschwindigkeit<\/strong>&nbsp;<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Die Str\u00f6mung beschreibt die Vorw\u00e4rtsbewegung des Wassers in einem Fluss oder Bach. Die Str\u00f6mungsgeschwindigkeit, also wie schnell sich das Wasser bewegt, h\u00e4ngt von mehreren Faktoren ab. Unter anderem vom Flussquerschnitt, dem Gef\u00e4lle, der Wassermenge (Pegel) und dem Flussverlauf.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzlich gilt: Je mehr Wasser durch einen bestimmten Flussabschnitt flie\u00dfen muss oder je enger dieser Abschnitt ist, desto schneller flie\u00dft das Wasser. Umgekehrt bedeutet ein breiter oder flacher Abschnitt, dass das Wasser langsamer str\u00f6mt.<\/p>\n\n\n\n<p>Hohe Str\u00f6mungsgeschwindigkeiten f\u00fchren oft dazu, dass der Flussboden st\u00e4rker ausgewaschen wird. Dadurch k\u00f6nnen tiefere Flussbetten entstehen. Neben nat\u00fcrlichen Einfl\u00fcssen wie Regen oder Schneeschmelze k\u00f6nnen auch menschliche Eingriffe, etwa durch Wasserbauwerke oder Uferbefestigungen, die Str\u00f6mungsgeschwindigkeit ver\u00e4ndern.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen den Wasserschichten mit unterschiedlicher Geschwindigkeit kommt es zu Verwirbelungen. Dabei wird langsameres Wasser nach oben und schnelleres Wasser nach unten bewegt. An der Oberfl\u00e4che kann man solche Bewegungen als kleine Wellen oder Aufquellungen erkennen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<ol start=\"6\"><li><strong>Leitf\u00e4higkeit<\/strong>&nbsp;<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Die elektrische Leitf\u00e4higkeit gibt an, wie gut der Versuchsgegenstand elektrischen Strom leiten kann. Da reines Wasser fast keine Ladungstr\u00e4ger besitzt, leitet es Strom sehr schlecht. In nat\u00fcrlichen Gew\u00e4ssern sind Ionen gel\u00f6st, zum Beispiel Natrium-, Kalium-, Calcium- oder Chloridionen. Diese Ionen k\u00f6nnen sich frei bewegen und bedingen die Leitf\u00e4higkeit des Wassers. Je mehr gel\u00f6ste Salze und Mineralstoffe enthalten sind, desto h\u00f6her ist die Leitf\u00e4higkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Leitf\u00e4higkeit ist daher ein wichtiges Ma\u00df f\u00fcr den Salz- bzw. Mineralstoffgehalt eines Gew\u00e4ssers. Regenwasser zeigt meist niedrige Werte, w\u00e4hrend Grundwasser oder Leitungswasser deutlich h\u00f6here Werte haben k\u00f6nnen. In stark mineralisierten Gew\u00e4ssern wie Meerwasser ist die Leitf\u00e4higkeit extrem hoch.<\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"text-decoration: underline\">Typische Leitf\u00e4higkeitsbereiche sind:<\/span><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td>Regenwasser<\/td><td>&nbsp; &nbsp; 5\u2013100 \u00b5S\/cm<\/td><\/tr><tr><td>Grundwasser<\/td><td>&nbsp;&nbsp; 100\u20131900 \u00b5S\/cm<\/td><\/tr><tr><td>Leitungswasser<\/td><td>&nbsp;&nbsp; 150\u2013800 \u00b5S\/cm<\/td><\/tr><tr><td>Meerwasser<\/td><td>&nbsp;&nbsp; etwa 50.000 \u00b5S\/cm<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>Da die Leitf\u00e4higkeit stark von der Temperatur abh\u00e4ngt, wird sie f\u00fcr Vergleichszwecke immer auf eine festgelegte Referenztemperatur umgerechnet (f\u00fcr Oberfl\u00e4chengew\u00e4sser meist 25 \u00b0C).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Messung der elektrischen Leitf\u00e4higkeit ist ein Schritt zur Bewertung der Wasserqualit\u00e4t und erm\u00f6glicht eine Einsch\u00e4tzung, wie viele gel\u00f6ste Stoffe im Wasser vorhanden sind.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<!--nextpage-->\n\n\n\n<p>Chemische Parameter zur Beurteilung der Gew\u00e4sserg\u00fcte <\/p>\n\n\n\n<ol><li><strong>ph-Wert<\/strong><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Der pH-Wert ist ein wichtiger Messwert, um zu beschreiben, ob eine w\u00e4ssrige L\u00f6sung neutral, sauer oder basisch reagiert. Reines Wasser besitzt einen pH-Wert von 7 und gilt damit als neutral. Werte unter 7 zeigen eine saure, Werte \u00fcber 7 eine basische Reaktion an. Die pH-Skala reicht insgesamt von 0 bis 14.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrliche Gew\u00e4sser weichen vom Neutralwert ab, weil sie von verschiedenen Einfl\u00fcssen gepr\u00e4gt sind. Dazu geh\u00f6ren Stoffe wie Kohlens\u00e4ure oder organische Bestandteile, die beim Abbau von abgestorbenen Tier- und Pflanzenresten entstehen. Gel\u00f6ste mineralische Stoffe aus dem Untergrund k\u00f6nnen den pH-Wert genauso ver\u00e4ndern wie die Temperatur und der Salzgehalt. Menschliche Einfl\u00fcsse wie Abwassereinleitungen, biologische Abbauprozesse oder der Eintrag von saurem Regen f\u00fchren ebenfalls zu Schwankungen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Meist liegt der pH-Wert nat\u00fcrlicher Gew\u00e4sser zwischen 6,5 und 8,5.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Lebewesen im Wasser hat der pH-Wert eine gro\u00dfe Bedeutung. Wird er dauerhaft zu niedrig oder zu hoch, k\u00f6nnen viele Organismen gesch\u00e4digt werden. Unter einem pH-Wert von 5,5 sterben viele Kleintiere im Wasser ab. Auch Fische reagieren empfindlich: Zu saure oder zu basische Bedingungen f\u00fchren zu Erkrankungen und k\u00f6nnen bei extremen Werten unter pH 4 oder \u00fcber pH 10,8 t\u00f6dlich sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Sowohl starke kurzfristige Schwankungen als auch l\u00e4nger anhaltende Abweichungen vom Normalbereich k\u00f6nnen den Stoffwechsel von Pflanzen und Tieren beeintr\u00e4chtigen und bis zum Sterben dieser f\u00fchren. Sie bedingen somit die Verringerung der Artenzahl und schw\u00e4chen die Selbstreinigungskraft eines Gew\u00e4ssers.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td>&nbsp; pH &lt; 7&nbsp;<\/td><td>sauer<\/td><\/tr><tr><td>&nbsp; pH 7&nbsp;<\/td><td>neutral<\/td><\/tr><tr><td>&nbsp; pH &gt; 7<\/td><td>basisch (alkalisch)<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<ol start=\"2\"><li><strong>Phosphat<\/strong>(-Ion)<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Phosphor ist ein lebenswichtiger N\u00e4hrstoff f\u00fcr alle Organismen. Er wird in Zellen ben\u00f6tigt und spielt eine zentrale Rolle im Energiehaushalt der Lebewesen. In der Natur kommt Phosphor wegen seiner hohen Reaktionsf\u00e4higkeit nicht in elementarer Form vor, sondern nur gebunden \u2013 entweder in anorganischen oder organischen Verbindungen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders wichtig sind dabei die Phosphate, die in Gew\u00e4ssern eine zentrale Rolle spielen. Zwischen den verschiedenen Phosphorformen findet ein st\u00e4ndiger Austausch statt, gesteuert durch chemische, physikalische und biologische Prozesse.<\/p>\n\n\n\n<p>Phosphor gelangt aus vielen Quellen in Oberfl\u00e4chengew\u00e4sser. Nat\u00fcrliche Eintr\u00e4ge spielen eine Rolle, doch vor allem menschliche Aktivit\u00e4ten sind bedeutend. Phosphor ist ein Bestandteil von Exkrementen und wird in D\u00fcngemitteln sowie in phosphorhaltigen Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfungsmitteln verwendet. Dadurch tragen landwirtschaftliche, h\u00e4usliche und industrielle Abw\u00e4sser wesentlich zur Phosphorbelastung bei. Zus\u00e4tzlich gelangen durch Erosion, also das Abschwemmen von Boden, gro\u00dfe Mengen an Phosphorverbindungen in B\u00e4che und Fl\u00fcsse. Auch Niederschl\u00e4ge k\u00f6nnen Phosphor eintragen.<\/p>\n\n\n\n<p>In nat\u00fcrlichen, wenig belasteten Gew\u00e4ssern kommt Phosphor nur in sehr geringen Mengen vor. Er ist dort oft der begrenzende Faktor f\u00fcr das Wachstum von Pflanzen und Algen. Wird jedoch durch menschliche Einfl\u00fcsse zu viel Phosphor eingetragen, f\u00fchrt dies zu Eutrophierung und beschreibt die starke Verkrautung und ein \u00fcberm\u00e4\u00dfiges Wachstum von Wasserpflanzen. Als Folge schwanken der Sauerstoffgehalt und pH-Wert des Wassers h\u00e4ufig. Absterbende Pflanzenmassen verursachen zus\u00e4tzliche Belastungen, weil ihr Abbau viel Sauerstoff verbraucht und zu Schlammbildung f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrliche Phosphorverbindungen sind im Allgemeinen nicht giftig. Einige k\u00fcnstlich hergestellte phosphorhaltige Stoffe, wie bestimmte Pflanzenschutzmittel, k\u00f6nnen jedoch stark toxisch wirken.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gewaesserlabor\/files\/2026\/03\/image.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-150\" width=\"464\" height=\"236\" srcset=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gewaesserlabor\/files\/2026\/03\/image.jpeg 850w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gewaesserlabor\/files\/2026\/03\/image-300x154.jpeg 300w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gewaesserlabor\/files\/2026\/03\/image-768x393.jpeg 768w\" sizes=\"(max-width: 464px) 100vw, 464px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<ol start=\"3\"><li><strong>Nitrat<\/strong>(-Ion)&nbsp;<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Nitrat ist ein gut wasserl\u00f6sliches Ion, das in nat\u00fcrlichen Gew\u00e4ssern h\u00e4ufig vorkommt. Es entsteht unter anderem als Endprodukt der Nitrifikation, eines Umwandlungsprozesses, bei dem Mikroorganismen Ammonium und Nitrit zu Nitrat oxidieren. In Flie\u00dfgew\u00e4ssern ist Nitrat daher meist in m\u00e4\u00dfigen Konzentrationen vorhanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nitrat geh\u00f6rt zusammen mit Phosphor zu den wichtigen N\u00e4hrstoffen f\u00fcr Wasserpflanzen und Algen. Da es in vielen Gew\u00e4ssern reichlich vorhanden ist, f\u00fchrt es h\u00e4ufig zu einer starken Vermehrung der Pflanzen und Algen, was man Eutrophierung nennt. Die von den Pflanzen aufgenommene Nitratmenge ist im Verh\u00e4ltnis zur gesamten Wassermenge eher gering, sodass der Nitratgehalt normalerweise nur w\u00e4hrend der Vegetationszeit etwas abnimmt. Dabei spielen Prozesse wie die Denitrifikation im Sediment eine Rolle, bei denen Nitrat durch Bakterien wieder abgebaut wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die wichtigsten Quellen f\u00fcr erh\u00f6hte Nitratwerte sind Auswaschungen von D\u00fcngemitteln aus der Landwirtschaft sowie Einleitungen aus Kl\u00e4ranlagen. Auch Regen kann Nitrat aus der Luft in B\u00e4che und Fl\u00fcsse eintragen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Wasserorganismen ist Nitrat selbst bei h\u00f6heren Konzentrationen, wie etwa bis 10 mg\/L, in der Regel nicht sch\u00e4dlich.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gewaesserlabor\/files\/2026\/03\/image-1.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-151\" width=\"401\" height=\"235\" srcset=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gewaesserlabor\/files\/2026\/03\/image-1.jpeg 878w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gewaesserlabor\/files\/2026\/03\/image-1-300x176.jpeg 300w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gewaesserlabor\/files\/2026\/03\/image-1-768x450.jpeg 768w\" sizes=\"(max-width: 401px) 100vw, 401px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<ol start=\"4\"><li><strong>Nitrit<\/strong>(-Ion)\u00a0<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Nitrit (NO\u2082\u207b) ist ein Zwischenprodukt im Stickstoffkreislauf und entsteht bei der Umwandlung von Ammonium zu Nitrat. Diese Umwandlung wird von speziellen Bakterien durchgef\u00fchrt und l\u00e4uft in mehreren Schritten ab. Nitrit entsteht dabei zun\u00e4chst aus Ammonium und wird anschlie\u00dfend weiter zu Nitrat oxidiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Nitrit kann au\u00dferdem gebildet werden, wenn Nitrat in sauerstoffarmen Bereichen eines Gew\u00e4ssers von anderen Bakterien wieder zur\u00fcckgewandelt wird. Dadurch kann es besonders in Schichten mit wenig Sauerstoff oder in verschmutzten Bereichen auftreten.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch Abschwemmungen von Ackerfl\u00e4chen nach starkem Regen, Einleitungen ammoniumhaltiger Abw\u00e4sser, Abbauprozesse in Kl\u00e4ranlagen oder stark belasteten Sedimenten kann Nitrat aus externen Quellen in Gew\u00e4sser gelangen.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Nitrit ist ein problematischer Stoff, weil er bereits in kleinen Mengen giftig wirken kann. Besonders gef\u00e4hrdet sind S\u00e4uglinge, da ihr H\u00e4moglobin, der Bestandteil der roten Blutk\u00f6rperchen der Sauerstoff transportiert, Nitrit leicht bindet. Dadurch werden die Pl\u00e4tze blockiert, an denen eigentlich Sauerstoffmolek\u00fcle binden w\u00fcrden. Die K\u00f6rperzellen bekommen folglich zu wenig Sauerstoff, was zu einer sogenannten Blausucht f\u00fchren kann und im schlimmsten Fall droht Erstickungsgefahr.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Fische reagieren sehr empfindlich auf Nitrit, da es ihren Sauerstofftransport st\u00f6rt. Deshalb ist ein erh\u00f6hter Nitritwert ein wichtiger Hinweis auf eine schlechte Wasserqualit\u00e4t und ein gest\u00f6rtes \u00f6kologisches Gleichgewicht.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<ol start=\"5\"><li><strong>Ammonium<\/strong>(-Ion)&nbsp;<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Ammonium ist ein im Wasser gut l\u00f6sliches Ion, das in nat\u00fcrlichen Gew\u00e4ssern meist in geringen Mengen vorkommt. Es entsteht, wenn stickstoffhaltige Stoffe, zum Beispiel Proteine, Aminos\u00e4uren oder Harnstoff von Mikroorganismen abgebaut werden. Auch nat\u00fcrlich abgestorbene Biomasse (Tiere, Pflanzen) tr\u00e4gt zur Bildung von Ammonium bei.<\/p>\n\n\n\n<p>Erh\u00f6hte Ammoniumkonzentrationen weisen h\u00e4ufig auf menschliche Einfl\u00fcsse hin. Landwirtschaftliche D\u00fcngemittel, Abw\u00e4sser aus Haushalten, Kommunen und Industrie sowie Niederschl\u00e4ge, die Ammonium aus der Atmosph\u00e4re eintragen, k\u00f6nnen die Werte deutlich ansteigen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gew\u00e4sser wird Ammonium normalerweise durch spezielle Bakterien zu Nitrit und weiter zu Nitrat umgewandelt. Dieser Prozess verbraucht Sauerstoff und kann daher den Sauerstoffhaushalt sp\u00fcrbar belasten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wichtig ist au\u00dferdem das Verh\u00e4ltnis zwischen Ammonium und Ammoniak. Bei h\u00f6herem pH-Wert und steigender Temperatur bildet sich mehr Ammoniak, eine Form, die f\u00fcr Fische bereits in sehr niedrigen Konzentrationen giftig sein kann. Schon 0,01 mg\/L Ammoniak k\u00f6nnen empfindliche Fischarten und deren Brut sch\u00e4digen und etwas h\u00f6here Konzentrationen wirken schnell t\u00f6dlich.<\/p>\n\n\n\n<p>In Flie\u00dfgew\u00e4ssern kann der Ammoniumgehalt h\u00e4ufig stark schwanken, etwa wenn Kl\u00e4ranlagen oder Mischwasser bei Regen pl\u00f6tzlich gr\u00f6\u00dfere Mengen einleiten. Die Werte k\u00f6nnen dabei von sehr geringen Konzentrationen (ca. 0,1 mg\/L) bis zu hohen Belastungen von 20 mg\/L reichen.(siehe Wasserkoffer)&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<ol start=\"6\"><li><strong>Wasserh\u00e4rte<\/strong>&nbsp;<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Die Wasserh\u00e4rte beschreibt, wie viele Calcium- und Magnesiumionen im Wasser gel\u00f6st sind. Diese Ionen nennt man auch H\u00e4rtebildner. Je mehr davon enthalten sind, desto \u201eh\u00e4rter\u201c ist das Wasser. Die Gesamth\u00e4rte setzt sich aus zwei Anteilen zusammen: der permanenten H\u00e4rte (gel\u00f6ste Calcium- und Magnesiumsalze) und der tempor\u00e4ren oder Karbonath\u00e4rte, die durch Calciumhydrogencarbonat bestimmt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die H\u00e4rte eines Wassers wird meist in \u00b0dH (Grad deutscher H\u00e4rte) angegeben. Nat\u00fcrliche S\u00fc\u00dfgew\u00e4sser liegen typischerweise zwischen 5 und 20 \u00b0dH, die Karbonath\u00e4rte h\u00e4ufig zwischen 5 und 12 \u00b0dH. Man unterscheidet folgende H\u00e4rtebereiche:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td>&lt; 7 \u00b0dH<\/td><td>weiches Wasser<\/td><\/tr><tr><td>7\u201314 \u00b0dH<\/td><td>mittelhartes Wasser<\/td><\/tr><tr><td>14\u201321 \u00b0dH<\/td><td>hartes Wasser<\/td><\/tr><tr><td>&gt; 21 \u00b0dH<\/td><td>sehr hartes Wasser<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>Die Wasserh\u00e4rte hat einen Einfluss darauf, wie stabil ein Gew\u00e4sser auf \u00e4u\u00dfere Einfl\u00fcsse reagiert und welche Lebensbedingungen f\u00fcr Pflanzen und Tiere herrschen. Weiches Wasser kann st\u00e4rker auf \u00c4nderungen des pH-Wertes reagieren, w\u00e4hrend hartes Wasser besser gepuffert ist.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Untersuchung der Wasserqualit\u00e4t im Rahmen des Versuchs ist die Bestimmung der Wasserh\u00e4rte deshalb wichtig: Sie liefert Hinweise auf die mineralische Zusammensetzung, die Pufferkapazit\u00e4t und die \u00f6kologische Stabilit\u00e4t des Gew\u00e4ssers<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\">\nPhysikalische Parameter Geruch Der Geruch eines Gew\u00e4ssers kann wichtige Hinweise auf seine Qualit\u00e4t geben, da nat\u00fcrliches Wasser meist geruchlos ist.&hellip;\n<\/div>\n<div class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gewaesserlabor\/2026\/03\/exkurs-chemische-physikalische-parameter\/\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;Exkurs physikalische &amp; chemische Parameter&rdquo;<\/span>&hellip;<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":6499,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gewaesserlabor\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gewaesserlabor\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gewaesserlabor\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gewaesserlabor\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6499"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gewaesserlabor\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gewaesserlabor\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":159,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gewaesserlabor\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10\/revisions\/159"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gewaesserlabor\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gewaesserlabor\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gewaesserlabor\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}