Anton Friedrich Büsching

Anton Friedrich Büsching (1724-1793) studierte Theologie in Halle und finanzierte sich sein Studium durch Lehrtätigkeiten am Franckeschen Waisenhaus. 1749 ging er als Hauslehrer mit der Familie von Lynar einige Monate nach St. Petersburg, kehrte 1750 nach Deutschland zurück und arbeitete zwischen 1752 und 1754 bei seinem Freund, dem Theologen Eberhard David Hauber (1695-1765), in Kopenhagen an einer Erdbeschreibung. In dieser Zeit kam er besonders mit dem Grafen Berkenthin und dem russischen Gesandten Baron von Korff in intensiven Kontakt.1 1754 wurde er in Göttingen zum Professor der Philosophie und kurze Zeit später auch der Theologie berufen, er hielt jedoch nicht nur Vorlesungen zu diesen zwei Disziplinen, sondern ebenso zur Geographie,2 zunächst der deutschen Länder, später weitete sich dieses Themenfeld deutlich aus.

Anton Friedrich Büsching, ca. 1760.

Im Jahr 1761 nahm Büsching den Ruf als Prediger und Leiter der Schule der Peters-Gemeinde in St. Petersburg an. Nach Deutschland zurückgekehrt, arbeitete er 1765-1766 als Privatgelehrter in Altona, 1766 folgte seine Berufung an das Berliner Gymnasium Zum Grauen Kloster, dessen Leitung er bis kurz vor seinem Tod, im Jahr 1793, innehaben sollte.

Bedingt durch vielfältige Reisen und die Beobachtung  geographischer Expeditionen wandte sich Büsching intensiv der Beschreibung unterschiedlicher geographischer Räume und Länder zu, wobei für ihn die bürgerliche / politische Geographie im Vordergrund stand, insbesondere sein Aufenthalt in Russland wirkte prägend. So machte er es sich zur Aufgabe, Informationen über dieses im deutschen Kontext noch weitgehend unbekannte Land zu sammeln und zu erschließen. Büsching selbst hatte in St. Petersburg vier Jahre verbracht, die in eine wechselhafte Zeit fielen. Er hatte drei Regierungen (Elisabeth, Peter III. und Katharina) erlebt und war mit den wichtigsten Männern der Zeit in nähere Verbindung getreten, so bspw. mit dem deutschstämmigen Ingenieur, Generalfeldmarschall und Politiker Burkhard Christoph Graf von Münnich (1683-1767), dem russischen Außenminister unter Zarin Katharina II. Graf Nikita Iwanowitsch Panin (1718-1783), dem Feldmarschall Graf Pjotr Alexandrowitsch Rumjanzew-Sadunajski (1725-1796) und ebenso dem Schriftsteller, Etatsrat, Historiker und Geographen Gerhard Friedrich Müller.3

Gerhard Friedrich Müller.

In Folge dieser Bekanntschaften erhielt Büsching auch nach seiner Rückkehr teilweise umfangreiche Nachrichten aus Russland, die er häufig in seinem Magazin für die neue Historie und Geographie (Halle 1767-1793) publizierte, zeitgleich bezog er von unterschiedlichen russischen Gönnern auch eine umfangreiche finanzielle Unterstützung.4 Neben diesem geographischen Schwerpunkt widmete sich Büsching vor allem der Historie, so publizierte er bspw. sechs Bände der Beyträge zu der Lebensgeschichte denkwürdiger Personen, insonderheit gelehrter Männer, Halle 1783-1789.

Beyträge zu der Lebensgeschichte denkwürdiger Personen, Erster Theil, Halle 1783.

Seine Hauptaufgabe verstand er neben einer intensiven pädagogischen Arbeit im Grauen Kloster jedoch in der Sammlung und Systematisierung von Wissen und Informationen im Sinne einer additiven Zusammenstellung. Dieser Intention kam er vor allem mit seinen unterschiedlichen periodischen Schriften nach. Seine schriftstellerischen Arbeiten umfassten dabei zahlreiche Wissensgebiete, so die Theologie, die Geschichte, die Pädagogik und die Geographie. In diesem Bestreben kann er als eng der Aufklärung verhafteter Publizist beurteilt werden, wie sich auch sein literarisches Gesamtwerk durch den Wunsch des Darstellens und des Erschließens von Wissen für seine Leser erklären lässt. Unter seinen Publikationen sticht vor allem seine Neue Erdbeschreibung (1754-1768) hervor. In dieser Zeitschrift wurde erstmals versucht, Angaben zur territorialen Gliederung, Beschreibungen von Städten, politischen Systemen, Klima, Wirtschaft und Kultur unterschiedlicher Länder systematisch zusammenzustellen.

Büschings Neue Erdbeschreibung. Zweyter Theil, Schaffhausen 1768.

Denn auf seinen Reisen hatte Büsching die Mängel der bisherigen Erdbeschreibungen, z.B. Johann Hübners, Vollständige Geographie, Hamburg 1736 und deren antiquierter Beschreibungen erkannt. Mit seiner Fähigkeit politische Geographie und statistische Methoden zu kombinieren und sich zugleich durch einen umfangreichen und kostspieligen Briefwechsel neue Quellen zu erschließen, wurde nun Büsching zum Vorbild neuer Erdbeschreiben, so bspw. für August Wilhelm Hupel5. Büsching konnte das von ihm begonnene Werk jedoch nicht vollenden, so umfasst seine Erdbeschreibung nur Europa und einen Teil Asiens, dennoch wurde sein Name durch diese Schrift in Europa bekannt, da die Erdbeschreibung noch zu seinen Lebzeiten in unterschiedliche Sprachen übersetzt wurde und eine Vielzahl von Neuauflagen erlebte.

Magazin für die neue Historie und Geographie. Achter Theil, Halle 1774.

Seine Bekanntheit trug Büsching wiederum neue Gönner und Korrespondenten zu. Diese Kontakte konnte er auch für sein Magazin für die neue Historie und Geographie nutzen. Gleichzeitig weist das Magazin Büschings zahlreiche Parallelen zu seiner Erdbeschreibung auf, teilweise überarbeitete er Beiträge aus der Erdbeschreibung und nahm sie erneut auf, wie er auch die Methode der politischen Geographie und der detaillierten Beschreibung der Länder im Magazin fortsetzte.

 

Werke in Auswahl:

Büsching, Anton Friedrich (1748): Gründliche und erbauliche Abhandlung von der Freude im Herrn, der Gläubigen Stärke. Halle: Schneider.

Büsching, Anton Friedrich (1749): Nützliches und angenehmes Lehrbuch für die Jugend. Zürich: Füeßli.

Büsching, Anton Friedrich (1752): Anton Friderich Büschings, der Weltweisheit Doctors u. der freyen Künste Magisters, … Kurzgefassete Staats-Beschreibung der Herzogthümer Holstein und Schleswig. Mit einer Nachricht von seiner neuen allgemeinen zuverläßigern Erdbeschreibung. Hamburg: Bohn.

Büsching, Christian Friedrich (1754): Dissertatio historico geographica vindicias septentrionis continens. Halae: Hilliger.

Büsching, Anton Friedrich (1754-1768): D. Anton Friderich Büschings neue Erdbeschreibung. Hamburg: Bohn.

Büsching, Anton Friedrich (1758): Vorbereitung zur gründlichen Kenntniß der geographischen Beschaffenheit und Staatsverfassung der Europäischen Reiche … Hamburg: Bohn.

Büsching, Anton Friedrich (1760): Grundris eines Unterrichts wie besondere Lehrer und Hofmeister der Kinder und Jünglinge sich pflichmäßig, wohlanständig und klüglich verhalten müssen. Nebst einer Abhandlung von dem Vorzug der öffentlichen Schulen vor den besondern Lehrern. Altona und Lübeck: Iversen.

Büsching, Anton Friedrich (1766): D. Anton Friedrich Büschings Geschichte der evangelisch-lutherischen Gemeinen im Rußischen Reich. Altona: Iversen.

Büsching, Anton Friedrich (1767-1793): Magazin für die neue Historie und Geographie. Halle: Curt.

Büsching, Anton Friedrich (1771): Chronologischer Grundriß der allgemeinen Weltgeschichte. Zum Gebrauch der Gymnasien. Berlin [u.a.]: Selbstverl. A. Büsching.

Büsching, Anton Friedrich (1772): D. Anton Friederich Büschings … Geschichte und Grundsätze der schönen Künste und Wissenschaften, im Grundriß. Berlin: Winter.

Büsching, D. Anton Friedrich (1772): Versuch die Kenntniß der Natur den Kindern leicht und faßlich zu machen. Berlin: Bosse.

Büsching, Anton Friedrich (1774): Aesthetische Lehrsätze und Regeln. Hamburg: Buchenröder & Ritter.

Büsching, Anton Friedrich (1775): Anton Friderich Büschings, Königl. Preußl. Oberconsistorialraths [et]c. Beschreibung seiner Reise von Berlin über Potsdam nach Rekahn unweit Brandenburg, welche er vom dritten bis achten Junius 1775 gethan hat. Mit Landcharten und andern Kupferstichen. Leipzig: Haude und Spener.

Büsching, Anton Friedrich (1775): Unterricht in der Naturgeschichte, für diejenigen, welche noch wenig oder gar nichts von derselben wissen. Berlin: Boßische Buchdruckerey.

Büsching, Anton Friderich (1775): Vollständige Topographie der Mark Brandenburg. Berlin: Verl. der Buchhandlung der Realschule.

Büsching, Anton Friderich (1776): Gesammlete Nachrichten von dem Character und den merkwürdigsten Lebensumständen des berühmten morgenländischen Fürsten Schiek Daher Omar, zu Acca in Palästina. Berlin: Haude und Spener.

Büsching, Anton Friedrich (1776): Grundriss der allgemeinen Hausshaltungswissenschaft. Hamburg.

Büsching, Anton Friedrich (1779): Geschichte der jüdischen Religion, oder des Gesetzes. ein Grundriß. Berlin: Eisfeld.

Büsching, Anton Friedrich (1783-1789): Beyträge zu der Lebensgeschichte denkwürdiger Personen, insonderheit gelehrter Männer. Halle: Curt.

Büsching, Anton Friedrich (1785): Neueste Geschichte der Evangelischen beyder Confeßionen im Königreich Polen und Großherzogthum Litauen, nebst der besonderen Geschichte der evangelisch-lutherischen Gemeine zu Warschau. Halle: Curt.

Büsching, Anton Friedrich (1785): Vergleichung der griechischen Philosophie mit der neuern. ein Versuch und eine Probe. Berlin: Haude und Spener.

Büsching, Anton Friederich (1788): Character Friederichs des zweyten, Königs von Preussen. Halle: Curt.

Büsching, Anton Friedrich (1789): D. Anton Friderich Büsching, königl. preußisch. Oberconsistorialraths, Directors des vereinigten berlinischen und cölnischen Gymnasiums, und der beyden Schulen desselben, eigene Lebensgeschichte. In vier Stücken. Halle: Curt.

 

 

 

 

 

  1. Rese, Art. Büsching, Anton Friedrich, in: J. S. Ersch / J. G. Gruber (Hrsg.), Allgemeine-Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, 13. Theil, Leipzig 1824, S. 385-389, hier: S. 385. []
  2. Rese 1824, S. 385. []
  3. Rese 1824, S. 386. []
  4. Rese 1824, S. 389. []
  5. Jürjo, Indrek, Aufklärung im Baltikum. Leben und Werk des livländischen Gelehrten August Wilhelm Hupel (1737-1819), Köln 2006, S. 125f. []

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