Johann Stephan Capieux

Der Maler, Radierer, Illustrator und Kupferstecher Johann Stephan Capieux (auch Jean Etienne Capieux) wurde am 8.1.1748 in Schwedt geboren und starb am 8.7.1813 in Leipzig.1 Er erhielt seine künstlerische Ausbildung an der Leipziger Kunstakademie als Schüler von Adam Friedrich Oeser und arbeitete seit 1769 im Atelier von Johann Adam Fassauer.2

Illustration Capieux’s in Der Naturforscher, 8. Stück 1776.

1771 begann er Medizin zu studieren und anatomische und naturhistorische Gegenstände zu zeichnen3 und gab seit 1773 Zeichenunterricht an der Kunstakademie. 1775 fand er eine Anstellung bei dem Hamburger Maler J. G. Wagner und verließ Leipzig, wandte sich jedoch relativ bald nach Halle, wo er als anatomischer und naturwissenschaftlicher Zeichner und Kupferstecher tätig war. 1782 ging er endgültig nach Leipzig zurück, arbeitete für zahlreiche Verlage und lehrte Zeichnen an der Universität.

Illustration Capieux’s in Der Naturforscher, 11. Stück 1777.

Für die halleschen Journale war Capieux von enormer Bedeutung, da er zu den herausragenden Illustratoren anatomischer, botanischer und mineralogischer Werke zählte und der Zeitschriftenmarkt in Halle gerade in diesem Bereich einen Schwerpunkt entwickelte. Capieux kann als Illustrator zahlreicher Werke ausgemacht werden. Besonders seine intensive Involvierung in die graphische Ausgestaltung des Journals Der Naturforscher (1774-1802) und seine Zusammenarbeit mit dem Verlagshaus Gebauer machten ihn weit über die Grenzen Halles bekannt.

Illustration Capieux’s in Der Naturforscher, 11. Stück 1777.

Im Verlagsarchiv Gebauer-Schwetschke findet sich ein umfangreicher Briefwechsel zwischen dem Verleger Johann Jakob Gebauer und Capieux (ca. 120 Briefe Capieuxs an Gebauer). Der erste nachweisbare Kontakt zwischen beiden kann auf den 24.8.1775 datiert werden. Zu diesem Zeitpunkt waren die ersten 6 Stücke des Naturforschers, die ebenfalls Kupferstiche aufwiesen, bereits erschienen. Die Abbildung im 5. und 6. Stück im Jahr 1775 können nicht namentlich zugeordnet werden und seit dem 7. Stück sind die Illustrationen u.a. mit dem Namen Capieux gezeichnet. In den Stücken 11-13, 17-18, 20, 22-23 und 26-27 war Capieux alleiniger Kupferstecher.

Am Naturforscher beteiligte Kupferstecher. Nussbiegel, Volckart, Müller und Bock werden in der DSI (Database of Scientific Illustrators 1450-1950) als Mitarbeiter Capieux’s geführt.

Die Korrespondenz zwischen Gebauer und Capieux drehte sich in den Jahren 1775 bis 1797 um Illuminationen, Preise, Rechnungen, die Größe von Kupferstichen, Probeilluminationen, Papierbeschaffung und Drucklegungen.

Illustration Capieux’s in Der Naturforscher, 18. Stück 1782.

Aber auch private Belange fanden Eingang in diesen Briefwechsel, so ersuchte Capieux Gebauer Ende 17754 und nochmals im September 17785 um ein Darlehen. Ähnlich privat erscheinen die Mitteilungen Capieux’s  in denen er die Geburt seiner Söhne am 21.6.17826 und am 8.2.17897 mitteilte.

Illustration Capieux’s in Der Naturforscher, 21. Stück 1785.

Capieux’s künstlerischer Anspruch war es, in seinen Illuminationen der Natur so nah wie möglich zu kommen8. Der Herausgeber des Naturforschers Johann Ernst Immanuel Walch beurteilte Capieux’s Arbeiten in einem Brief an Gebauer vom 17.7.1775: „der aufgemahlte Kupferstich des Herrn Capieux gefällt mir ausnehmend u. er hat viel Vorzüge vor den Nürnbergischen.“9 Auch von anderer Seite erhielt der Verleger Gebauer Lob für die von Capieux ausgeführten Kupferstiche im Naturforscher, so bspw. von Johann Hieronymus Chemnitz aus Kopenhagen.10

Illustration Capieux’s in Der Naturforscher, 28. Stück 1799.

Im Verlag Gebauer Illustrierte Capieux unter anderem auch die Werke von Johann Samuel Schröter: Abhandlungen über verschiedene Gegenstände der Naturgeschichte und Die Geschichte der Flußconchylien mit vorzüglicher Rücksicht auf diejenigen welche in den thüringischen Wassern leben, August J. G. K. Batschs Elenchvs Fvngorvm und Johann Ernst Fabris Geographisches Lesebuch zum Nutzen und Vergnügen, wofür Capieux Karten verfertigte, ebenso beteiligt war er an der Compendiösen Bibliothek und zahlreichen weiteren Titeln. Die naturforschende Gesellschaft in Halle ernannte den Künstler zu ihrem Mitglied.

  1. Hamburgisches Künstlerlexikon – Erster Band, die bildenden Künste, Hamburg 1854, S. 32. []
  2. Nagler, Georg Kaspar, Neues allgemeines Künstler-Lexikon – Oder Nachrichten von dem Leben und den Werken der Maler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Formschneider, Lithographen, Zeichner, Medailleure, Elfenbeinarbeiter, etc., München 1835 Bd. 2, S. 348. []
  3. Nagler, S. 348. []
  4. Brief Capieux’s an Gebauer, 23.11.1775, Verlagsarchiv Gebauer-Schwetschke, Sign.: A 6.2.6 Nr. 14082. []
  5. Brief Capieux’s an Gebauer, 7.9.1778, Verlagsarchiv Gebauer-Schwetschke, Sign.: A 6.2.6 Nr. 16002. []
  6. Brief Capieuxs an Gebauer, 27.6.1782, Verlagsarchiv Gebauer-Schwetschke, Sign.: A 6.2.6 Nr. 20466. []
  7. Brief Capieux’s an Gebauer, 10.2.1789, Verlagsarchiv Gebauer-Schwetschke, Sign.: A 6.2.6 Nr. 24117. []
  8. Brief Capieux’s an Gebauer, 23.11.1775, Verlagsarchiv Gebauer-Schwetschke, Sign.: A 6.2.6 Nr. 14610. []
  9. Brief Walchs an Gebauer, 17.7.1775, Verlagsarchiv Gebauer-Schwetschke, Sign.:  A 6.2.6 Nr. 14600. []
  10. Brief Chemnitz an Gebauer, vom 27.1.1776, Verlagsarchiv Gebauer-Schwetschke, Sign.: A 6.2.6 Nr. 14724. []

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.