{"id":707,"date":"2023-06-10T13:04:01","date_gmt":"2023-06-10T11:04:01","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/halliteratur\/?p=707"},"modified":"2023-06-24T12:23:28","modified_gmt":"2023-06-24T10:23:28","slug":"ernst-ottwalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/halliteratur\/ernst-ottwalt\/","title":{"rendered":"Die 1920er: Ernst Ottwalt in Halle"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center has-white-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#acbaa1\">Politische Spannungen waren in der Zeit der Weimarer Republik in ganz Deutschland sp\u00fcrbar. So auch in Halle. Der Schriftsteller Ernst Ottwalt erfuhr diese Spannungen selbst mit: in den 1920er Jahren, als Sch\u00fcler in Halle, schloss er sich dem Freikorps Halle an, das gegen Kommunisten und Arbeiter k\u00e4mpfte. W\u00e4hrend seines Studiums in Halle und Jena wurde er selbst zum Kommunisten. Diese Wandlung und die politischen Umst\u00e4nde der Zeit beschreibt er in seinem Roman \u201eRuhe und Ordnung\u201c (1922). Lesen Sie hier einen Ausschnitt:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery aligncenter columns-1 is-cropped\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/halliteratur\/files\/2023\/06\/ottwalt.jpg\"><img loading=\"lazy\" width=\"200\" height=\"283\" src=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/halliteratur\/files\/2023\/06\/ottwalt.jpg\" alt=\"\" data-id=\"729\" data-link=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/halliteratur\/die-1920er-ernst-ottwalt-in-halle\/ottwalt\/\" class=\"wp-image-729\" \/><\/a><\/figure><\/li><\/ul><figcaption class=\"blocks-gallery-caption\"><sup><a href=\"https:\/\/www.projekt-gutenberg.org\/autoren\/namen\/ottwalt.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ernst Ottwalt<\/a><\/sup><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"has-text-color\" style=\"color:#8a9681\">Ruhe und Ordnung (1922)<\/h2>\n\n\n\n<p>&#8222;In der Stadt Halle an der Saale haben sich schon von jeher alle sozialen und politischen Bewegungen besonders scharf ausgepr\u00e4gt. Kaum in einer zweiten deutschen Stadt sto\u00dfen die gesellschaftlichen Extreme so unmittelbar auf einem engen Raum gegeneinander. Schon \u00e4u\u00dferlich: es gibt keine abgeschlossenen vor- nehmen Viertel. Der Weg zu den Villenstra\u00dfen f\u00fchrt durch ein Arbeiterviertel;&nbsp;der \u201eVolkspark\u201c, das Zentrum der meisten proletarischen Organisationen, liegt nur wenige Schritte von einem Diakonissenhaus und den H\u00e4usern einiger vornehmer studentischer Korps entfernt. Ein ungeheures Industrieproletariat ist rings um die Stadt angesiedelt: im S\u00fcden nebelt das Leuna-Werk mit seinen gelben Rauchschwaden. Die Schacht- und Fabrikanlagen des Geiseltals ziehen sich endlos und ohne Unterbrechung durch eine verw\u00fcstete Landschaft. Zahlreiche Kalisch\u00e4chte, die Kupfer- gruben der Mansfeld A.-G., Zuckerfabriken, Maschinenindustrie, Papierfabriken geben einigen Hunderttausend Arbeitern Brot. Und Halle ist gleichzeitig der Sitz vieler \u201agro\u00dfer Konzernverwaltungen. Generaldirektoren und Bankiers haben hier ihre luxuri\u00f6sen Villen, von deren Fenstern aus man wieder auf \u00f6de, graue Proletarierstra\u00dfen sieht. Beh\u00f6rden und Gerichte, Schulen und die Universit\u00e4t sorgen f\u00fcr ein ganzes Heer von Beamten. Die Universit\u00e4t wird im Fr\u00fchjahr des Jahres &#8211; 1919 von tausenden ehemaligen Offizieren besucht, die nun einen b\u00fcrgerlichen Beruf ergreifen wollen. | Dies alles dr\u00e4ngt sich auf einem schmalen &#8211; Raum zusammen, der von der Saale und dem riesigen Bahnhofsgel\u00e4nde begrenzt wird, und der in seiner gr\u00f6\u00dften Ausdehnung nur etwa drei Kilometer breit ist. In dies Gewirr von Ha\u00df, Unruhe, Verbitterung und wahnsinniger Hoffnung wird an einem M\u00e4rztage des Jahres 1919 die Nachricht geschleudert, da\u00df das Freiwillige Landesj\u00e4gerkorps unter F\u00fchrung des Generals Maerker in einigen Stunden von Braunschweig aus her- anr\u00fccken wird, um die Stadt zu besetzen. Ich h\u00f6re dieses Ger\u00fccht an einem Nachmittag in der Stadt und f\u00fchle ein angenehm aufregendes Gruseln, denn ich wei\u00df, das bedeutet Kampf und Blut.&nbsp;Und ich bin siebzehn Jahre alt und f\u00fchle nichts au\u00dfer dieser nicht unangenehmen Erregung. [\u2026] e Stadt ist nicht wiederzukennen. Es regnet, aber die Stra\u00dfen sind gedr\u00e4ngt voll.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons aligncenter\">\n<div class=\"wp-block-button is-style-outline\"><a class=\"wp-block-button__link has-dark-gray-color has-text-color has-background\" href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/halliteratur\/hansering\/\" style=\"border-radius:20px;background-color:#acbaa1\">zur\u00fcck zur Lesebank<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Politische Spannungen waren in der Zeit der Weimarer Republik in ganz Deutschland sp\u00fcrbar. So auch in Halle. Der Schriftsteller Ernst Ottwalt erfuhr diese Spannungen selbst mit: in den 1920er Jahren, als Sch\u00fcler in Halle, schloss er sich dem Freikorps Halle an, das gegen Kommunisten und Arbeiter k\u00e4mpfte. 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