{"id":34,"date":"2021-02-28T15:34:10","date_gmt":"2021-02-28T14:34:10","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/heiraten\/?p=34"},"modified":"2021-02-28T15:34:11","modified_gmt":"2021-02-28T14:34:11","slug":"ehepartnerwahl-eine-frage-der-familie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/heiraten\/2021\/02\/ehepartnerwahl-eine-frage-der-familie\/","title":{"rendered":"Ehepartnerwahl &#8211; Eine Frage der Familie?"},"content":{"rendered":"\n<p>Heutzutage ist die Wahl des Ehepartners f\u00fcr den \u00fcberwiegenden Teil der Gesellschaft eine private Angelegenheit und individuelle Entscheidung. Anders wenn die Abk\u00f6mmlinge von Adelsgeschlechtern vor den Altar treten. Hier besteht ein \u00f6ffentliches Interesse, das in Boulevardbl\u00e4ttern bedient wird und manchmal sogar in Form dicht gedr\u00e4ngter Menschentrauben bei der offiziellen Hochzeitsfeier nicht zu \u00fcbersehen ist. Ein Blick auf die adlige Heiratspraxis in der Vergangenheit f\u00fchrt noch einen weiteren Aspekt vor Augen: Heirat war auch ein Instrument, um B\u00fcndnisse zu schlie\u00dfen und verwandtschaftlich zu besiegeln. In diesem Sinne war Partnerwahl keine rein individuelle Angelegenheit. In der Regel folgte sie einer famili\u00e4ren Strategie, die auf Machterhalt und Machtwachstum abzielte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichtswissenschaft interessiert sich freilich nicht allein f\u00fcr die gro\u00dfen Herrscherh\u00e4user und die adligen Familien. Sie richtet ihren Blick auch auf die \u201agew\u00f6hnliche\u2018 Bev\u00f6lkerung und versucht die Muster und Strategien ihres Heiratsverhaltens zu ergr\u00fcnden. Die Forschung zur l\u00e4ndlichen Gesellschaft konnte hierzu bereits aussagekr\u00e4ftige Erkenntnisse liefern. So zeigte sich, dass die vermeintlich \u201aeinfache\u2018 Landbev\u00f6lkerung dem Adel in Sachen strategischer Partnerwahl kaum nachstand. Selbstverst\u00e4ndlich ging es den &#8218;einfachen&#8216; Leuten nicht um das Schmieden kriegsentscheidender B\u00fcndnisse oder den Aufstieg des eigenen Geschlechts in der Erbreihenfolge auf die europ\u00e4ischen Throne. Ihr Heiratsverhalten zielte vorrangig darauf ab, den eigenen Besitz oder Betrieb zu erhalten, ihn vielleicht sogar durch eine geschickte Heirat zu vergr\u00f6\u00dfern. Diese kalkulierte Partnerwahl grenzte die Auswahl an potenziellen Partnern entsprechend ein. Infrage kamen vor allem Personen, die der sozialen Stellung der eigenen Familie \u00e4hnlich oder \u00fcberlegen waren. Eine g\u00e4nzlich freie und rein individuelle Entscheidung war die Partnerwahl somit auch f\u00fcr die \u201aeinfache\u2018 Bev\u00f6lkerung nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Projekt \u201eHallische Heiratsgeschichten\u201c fragt daher in Anlehnung an die Forschung zur l\u00e4ndlichen Gesellschaft nach den Heiratsmustern und -strategien der hallischen Stadtbev\u00f6lkerung im 19. Jahrhundert: <em>Wen heirateten die Kinder der altangesessenen hallischen Handwerkerfamilien? Grenzten sich die wohlhabenden Kaufleute verwandtschaftlich von den \u00e4rmeren Bev\u00f6lkerungsschichten ab? Konnten sich die zahlreichen Neub\u00fcrger durch Einheirat in die \u00e4lteren B\u00fcrgerfamilien in der Einwohnerschaft etablieren? <\/em>Damit sei nur eine Auswahl von Fragen vorausgeschickt, die das an die Erfassung der Kirchenb\u00fccher anschlie\u00dfende Forschungsvorhaben bearbeiten wird. Die spannendsten Fragen ergeben sich aber meist durch Anschauung der Quellen selbst. Wir sind schon gespannt auf neue Beobachtungen und werden die neuen Erkenntnisse, Kuriosit\u00e4ten und \u00dcberraschendes hier regelm\u00e4\u00dfig teilen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heutzutage ist die Wahl des Ehepartners f\u00fcr den \u00fcberwiegenden Teil der Gesellschaft eine private Angelegenheit und individuelle Entscheidung. 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