{"id":126,"date":"2014-06-24T14:32:08","date_gmt":"2014-06-24T12:32:08","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/inco\/?p=126"},"modified":"2014-07-23T11:04:19","modified_gmt":"2014-07-23T09:04:19","slug":"pol","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/inco\/2014\/06\/pol\/","title":{"rendered":"[POL]"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Existenzweise der Politik [POL]<\/strong><\/p>\n<p>[pol] beschreibt nicht politische Institutionen, sondern meint Politik als Modus der Existenz. Die zentrale Eigenschaft dieses Modus ist, dass seine Existenz immer wieder von Neuem geschaffen werden muss:<\/p>\n<p><strong>\u201eHowever numerous and diverse the various examples of political life may be, the question posed by political discourse is always how to connect beings to others so that the collective holds together while respecting a strange condition that for the time being appears contradictory: the political has to allow beings to pass through and come back while tracing an <em>envelope<\/em> that defines, for a time, a \u201cwe\u201d, the group in the process of self-production, before it is taken up again by another movement thanks to which the others, called \u201cthey\u201d, find themselves fewer in number \u2013 unless the movement goes in the other direction and they become more and more numerous.\u201c (Latour 2013: 338)<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>Wie die anderen Modi zeichnet sich [pol] durch verschiedene Charakteristika aus: Erstens durch einen spezifischen Typus der Kontinuit\u00e4t, der Diskontinuit\u00e4ten transzendiert: Der Pfad von [pol] kann als Zirkel (<em>the Circle<\/em>) beschrieben werden, dessen Verlauf \u2018die gebogene Sprache\u2019 (<em>the curved speech<\/em>) darstellt. Diese bedeutet die kontinuierliche Wiederaufnahme durch welche eine definierte, autonome, abgegrenzte Gruppe m\u00f6glich wird und ist somit von <em>straight talk<\/em> zu unterscheiden. Die popul\u00e4re Auffassung, dass \u201aPoltiker l\u00fcgen\u2019 entsteht durch die f\u00e4lschliche Identifizierung von <em>straight talk<\/em> in [pol]. Die politische Rede kann nicht \u00fcber <em>straight talk<\/em> und <em>crooked talk<\/em> erkl\u00e4rt werden, da [pol] in seiner Reinform sich nicht auf \u00dcbersetzungsketten von Informationen bezieht, sondern auf das Handeln im Kollektiv.<\/p>\n<p>Die konstante Diskontinuit\u00e4t von [pol] findet sich in der Repr\u00e4sentation und dem Gehorsam, wobei diese nicht als Dichotomien aufgefasst werden d\u00fcrfen, da sie sich in den selben Entit\u00e4ten bzw. Personen manifestieren. Zweitens schafft auch [pol] eine, diesem Modus eigene, Definition von Wahrheit. Die zielf\u00fchrenden bzw. -verfehlenden Umst\u00e4nde bewegen sich nicht zwischen \u201arichtig\u2019 und \u201afalsch\u2019, sondern zwischen den Polen der Aufrechterhaltung von politischer Arbeit und deren Unterbrechung.<\/p>\n<p>Drittens wird der Zirkel geschaffen und aufrechterhalten durch die Produktion von Quasi-Subjekten, welche dann \u201apolitisch agieren\u2019, das hei\u00dft Gruppen formen oder Interessen artikulieren. [pol] beschreibt Prozesse der Gruppierung, Aufl\u00f6sung und Neugruppierung definierter Zusammenschl\u00fcsse (<em>Ver\u00e4nderung<\/em>). Somit haben diese Gruppen, wie beispielsweise \u201edie \u00d6ffentlichkeit\u201c etwas phantomhaftes (<em>phantom public<\/em>) : Auch wenn sie den Anschein erwecken \u201agegeben\u2019 zu sein, m\u00fcssen sie durch die Bildung eines \u201aWirs\u2019 kontinuierlich geschaffen werden (<em>Performation<\/em>), welches \u00fcber ihre Heterogenit\u00e4t hinwegt\u00e4uscht.<\/p>\n<p>Die \u00dcberschneidung [ref.pol] beschreibt die allgegenw\u00e4rtige Verquickung von Politik und Wissen bzw. von Kollektiven und \u00dcbersetzungsketten. Der Begriff der Repr\u00e4sentation ist zentral in Prozessen von [pol], w\u00e4hrend er sich gleichzeitig auf [ref] bezieht, das hei\u00dft das Wissen und die Bezugnahme auf Entit\u00e4ten. Im Rahmen einer Depolitisierung von Wissen bzw. der Bewusstwerdung \u00fcber die eigentlichen Charakteristika des politischen Modus ist es zentral, sich dem Unterschied zwischen diesen Modi bewusst zu werden, gerade weil diese zunehmend nur als miteinander verwoben auftreten (\u00d6kologische Debatte).<\/p>\n<p>Ein anschauliches Beispiel f\u00fcr [dc.pol] w\u00e4re die Idee bzw. Utopie transparenter Politik, d.h. die Annahme, dass bereitgestellte Informationen \u00fcber Prozesse der Repr\u00e4sentation rein und nicht \u00fcbersetzt w\u00e4ren, so dass die Diskontinuit\u00e4t (Heterogenit\u00e4t der Gruppe macht Repr\u00e4sentation unm\u00f6glich werden) \u00fcberwunden wird.<\/p>\n<p>[pol] und die darauf entstehenden Gruppierungen d\u00fcrfen nicht in einer hierarchischen Anordnung, wie politische Institutionen meist dargestellt werden verstanden werden, sondern als immer w\u00e4hrender Prozess des Zusammenschlusses, Aufbrechens und der Neuverkn\u00fcpfung von Entit\u00e4ten zu definierten Gruppen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Institutsgruppe Ethnologie als Beispiel:<\/p>\n<p>Eine Gruppe von Ethnologie-Studierenden schlie\u00dft sich als Interessenvertretung der Studierenden gegen\u00fcber dem Institut zusammen (<em>Zirkel<\/em>). Somit wird eine gemeinsame Identit\u00e4t geschaffen, die es erm\u00f6glicht sich von anderen Personen abzugrenzen, beispielweise von Studierenden anderer F\u00e4cher oder Dozenten, und somit die Heterogenit\u00e4t der Gruppe \u00fcberwindet (<em>Ver\u00e4nderung<\/em>). Durch die Bildung des Zirkels entstehen diverse Identit\u00e4ten (<em>Quasi-Subjekte<\/em>), die mit diversen Rollenzuschreibungen einhergehen (die Institutsgruppe als solche, der Vorstand, der Kassenwart usw.). Aus dieser Identit\u00e4t heraus erwachsen gemeinsame Interessen (z.B. die Forderung weniger Hausarbeiten im Semester zu schreiben), welche die Diskontinuit\u00e4t von Repr\u00e4sentation und Gehorsam \u00fcberwindet. Es geht hierbei nicht darum, ob die Forderung weniger Hausarbeiten im Semester zu schreiben \u201arichtig\u2019 oder \u201afalsch\u2019 ist, sondern darum, dass es kontinuierlich diese definierte Gruppe gibt, die sich mit diesem gemeinsamen Interesse identifiziert, sich als Gruppe gegen\u00fcber Anderen wahrnimmt und auch so von Au\u00dfen wahrgenommen wird.<\/p>\n<p>Gl\u00fcckliche Umst\u00e4nde sind hier, wenn es gelingt die L\u00fccken von Repr\u00e4sentation und Gehorsam in eine Kontinuit\u00e4t einzubinden. Beispielweise wenn es gelingt, dass auch wenn einige Mitglieder eher die Studieninhalte als die Anzahl der Hausarbeiten \u00e4ndern m\u00f6chten, sich trotzdem mit der Gruppe identifizieren [ref.pol] oder wenn, obwohl Pr\u00fcfungszeit ist und eigentlich keiner Zeit f\u00fcr ein Treffen hat, ein Termin gefunden wird, bei dem die Meisten anwesend sind. Ein Treffen der Institutsgruppe w\u00e4re [pol.org], d.h. die Verbindung von einer Handlung als Kollektiv und der Ausf\u00fchrung eines \u201ageplanten\u2019 Skripts. Der Zweifel eines Mitglieds, ob seine Interessen durch die Institutsgruppe ad\u00e4quat vertreten werden, w\u00e4re [pol.dc].<\/p>\n<p>Verfasserin: Sophie Knabner (sophie.knabner[at]student.uni-halle.de)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Existenzweise der Politik [POL] [pol] beschreibt nicht politische Institutionen, sondern meint Politik als Modus der Existenz. 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