{"id":190,"date":"2014-07-23T10:37:16","date_gmt":"2014-07-23T08:37:16","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/inco\/?p=190"},"modified":"2014-07-23T13:14:33","modified_gmt":"2014-07-23T11:14:33","slug":"att","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/inco\/2014\/07\/att\/","title":{"rendered":"[ATT]"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Existenzweise der Zuordnung\/ Bindung [ATT]<\/strong><\/p>\n<p>Die Bindung [ATT] besteht zwischen Quasi-Subjekten und Quasi-Objekten und ist eine der drei Existensweisen, in der\u00a0Latour die Wirtschaft aufschl\u00fcsselt. Dieser Modus entsteht aus einer L\u00fccke der \u201ahei\u00dfen\u2018 Erfahrung der Mobilisierung von Menschen und Dingen durch den Transfer von Leidenschaften im Sinne passionierten Interesses.<\/p>\n<p>Die Hitze des wirtschaftlichen Ph\u00e4nomens steht im Kontrast zu der Beschreibung dieser Erfahrung durch \u201ak\u00fchle\u2018, rationale Kalkulationen von Interessen. An diesem \u201aTemperaturwechsel\u2018 vom \u201ahei\u00dfen\u2018 des Materialismus zum \u201ak\u00fchlen\u2018 des Idealismus setzt [ATT] an. Die Bindung [ATT] gibt Auskunft \u00fcber die Gr\u00fcnde der [ORG], in welcher das Interesse der Akteure sie durch gemeinsame W\u00fcnsche und Begehren verbindet. Es geht also um eine Art des \u201ain Bewegung bringens\u2018 (\u201esetting into motion\u201c).<\/p>\n<p>In der Frage nach dem Haben geht Latour davon aus, dass Dinge uns binden, ob wir sie haben oder nicht. Also schon das Verlangen nach ihnen ist ausschlaggebend und liefert einen Impuls f\u00fcr Organisation [ORG]. Die Begierde (avidity) spielt eine ma\u00dfgebliche Rolle im [ATT]. Sie ist die Motivation und mobilisierende Kraft, die [ATT] schafft. Latour f\u00fchrt auf der Seite der Repr\u00e4sentation des Wertes dieser Bindung durch Begierde die Kalkulation an. Hier verweist er auch auf den Begriff der \u201aQualculation\u2018 von Franck Cochoy. Qualkulation bezeichnet dabei die Aufbereitung von Beurteilungen bez\u00fcglich der Schnittstelle von Skripts [ORG]. Diese Form der Kalkulation ist letztlich nicht in der Lage die Passionen zu entwirren, die notwendig sind um jene Skripts zu lancieren.<\/p>\n<p>Die Quasi-Subjekte und Quasi-Objekte binden einander und geben sich gegenseitig Eigenschaften, die wiederum Bewegungen erzeugen. Diese Bindungen entstehen durch \u201ebeings of passionate interest\u201c oder \u201einterested passions\u201c, die uns mobilisieren. Sie tragen die Eigenschaften der Exteriorit\u00e4t, der Verbl\u00fcffung \u00fcber abrupte Ver\u00e4nderung, der Unsicherheit \u00fcber die Zielpersonen und einer Form der Alteration, die sowohl in der Euphorie des \u201esich tragen lassen von energiegeladenen Kr\u00e4ften\u201c, als auch in der \u201eDepression des unterworfen Seins unter Kr\u00e4fte die uns [\u2026] \u00fcbersteigen\u201c besteht (Latour 2013: 425). Diese Wesenheiten durchdringen uns durch ihre Wertigkeit, ihre Erregung und ihren Aufwand. Dieses Genre der Wesenheit, wie Latour es nennt, zusammengesetzt aus der Mobilisierung, dem Interesse und der Wertermittlung, beschreibt eine Transzendenz, die dem\u00a0Regime der Veridiktion folgt.<\/p>\n<p>Die Bedingungen einer gegl\u00fcckten, einer positiven Veridiktion liegen in dem Unternehmen, also im weitesten Sinne einer wirtschaftlichen Mobilit\u00e4t. Die nicht gegl\u00fcckte oder negative Veridiktion liegt in dem Anhalten und Abbrechen von Transaktionen. Der Verlauf des [ATT] besteht in dem Vermehren von G\u00fctern (goods) und Ung\u00fctern (bads). Diese Vermehrung beschreibt gleichzeitig die Ver\u00e4nderung innerhalb des Ausbalancierens von W\u00fcnschen und M\u00e4ngeln.<\/p>\n<p>Die Veridiktion ist also von dem Genuss beziehungsweise der Gleichg\u00fcltigkeit gegen\u00fcber anderen Quasi-Subjekten und Quasi-Objekten\u00a0gezeichnet,\u00a0zu denen Bindungen hergestellt werden. Das Urteilsverm\u00f6gen \u00fcber G\u00fcter und Ung\u00fcter und das Abw\u00e4gen von Interessen f\u00fchrt zu einer Bewertung von allem was unsere Subsistenz sichert. Die Bedingungen der Veridiktion liegen auch in der Richtigkeit, beziehungsweise dem Fehlschlagen von kalkulierten Evaluationen, die wirtschaftliche Erfahrungen einsch\u00e4tzen und wiederherstellen sollen.<\/p>\n<p>Die Unterbrechung, der Hiatus, besteht in der Nicht-Vergleichbarkeit; dem nicht-gemeinsam-messbaren zwischen G\u00fctern und Mitteln diese zu erwerben. Aus dieser Unterbrechung ergibt sich eine L\u00fccke zwischen Werten, beispielsweise der Einsch\u00e4tzung\/der Bewertung einer Bindung von Quasi-Subjekten und Quasi-Objekten zu Skripts und Organisationen, die vom\u00a0Interesse an der Bindung motiviert werden. Der Hiatus ist die L\u00fccke zwischen der Erfahrung von Leidenschaften und Bindungen, die bestimmten Interessen folgen, und der k\u00fchlen, \u201arationalen\u2018 Kalkulation von Interessen.<\/p>\n<p>Verfasserin: Juliane Breitfeld (juliane.breitfeld[at]student.uni-halle.de)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Existenzweise der Zuordnung\/ Bindung [ATT] Die Bindung [ATT] besteht zwischen Quasi-Subjekten und Quasi-Objekten und ist eine der drei Existensweisen, in der\u00a0Latour die Wirtschaft aufschl\u00fcsselt. 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