{"id":79,"date":"2014-06-11T14:35:10","date_gmt":"2014-06-11T12:35:10","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/inco\/?p=79"},"modified":"2014-07-23T13:33:16","modified_gmt":"2014-07-23T11:33:16","slug":"met","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/inco\/2014\/06\/met\/","title":{"rendered":"[MET]"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Modus \u201ametamorphosis\u2018 [MET]<\/strong><\/p>\n<p><em>Those who reject invisibles give birth to monsters.<\/em><br \/>\n(Latour 2013: 355)<\/p>\n<p>[MET] als Daseinsweise ist in der Psychogenese angesiedelt, die seelische Ver\u00e4nderungen bei Menschen beschreibt. Allgemein meint sie die Art, in der Wesen sich verwandeln oder umgewandelt werden, um fortbestehen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nLatour geht es dabei insbesondere um die inneren Prozesse bzw. \u201eunsichtbare Wesen\u201c, die jeden Menschen betreffen, aber bei \u201eden Modernen\u201c \u00fcber die Psychologie in Form von Therapien, also institutionell, anstelle einer eigenen Kosmologie oder Kultur abgehandelt werden. Da es sich dabei um subjektive Erfahrungen handelt, ist ein objektiver Umgang mit ihnen, den sich \u201edie Modernen\u201c oft w\u00fcnschen, erschwert. Sie haben das Gef\u00fchl, diese Emotionen betr\u00e4fen sie gar nicht und seien eigentlich auf etwas anderes gerichtet. Diese Reaktion f\u00fchrt dann jedoch zu Krisen (<strong><em>Unterbrechung<\/em><\/strong>), in denen sich der Mensch entfremdet und\/oder besessen f\u00fchlt. W\u00fcrde er sich jedoch von den Prozessen treiben lassen wie auf einer Welle, w\u00fcrde sie ihm helfen, weiter zu existieren, sie f\u00fcr sich zu nutzen und kreativ zu sch\u00f6pfen (<strong><em>gl\u00fccken<\/em><\/strong>). Das Festhalten am Selbst, so wie es ist, w\u00fcrde jedoch unweigerlich zum Untergang f\u00fchren, wenn nicht zu einem Schock und Handlungsunf\u00e4higkeit (nicht gl\u00fccken). Es w\u00e4re angenehmer f\u00fcr \u201edie Modernen\u201c, eigene Rituale und Heilpraktiken zu haben, die den Umgang mit dem \u201efremden Anderen\u201c bewusst kultivieren (<em><strong>Ver\u00e4nderung<\/strong><\/em>), anstelle ihm aus dem Weg zu gehen, insbesondere da sie den Menschen zu jeder Zeit unerwartet \u201eergreifen\u201c k\u00f6nnen. Da es sich hierbei aber um etwas \u201eUnsichtbares\u201c handelt, tendieren \u201edie Modernen\u201c dazu, so zu tun, als g\u00e4be es diese Ph\u00e4nomene gar nicht, es seien eher Projektionen, was im Interesse von Double Click [DC] ist, der jegliche Ver\u00e4nderung vermeiden will. Aber genau durch diese Art des Umgangs bekommen diese Prozesse erst die Eigenschaft okkult und m\u00e4chtig zu sein, sie wirken dann bedrohlich und machen Angst (<em><strong>Wesen<\/strong><\/em>). Latour fordert hingegen die Externalit\u00e4t von [MET] anzuerkennen, da sie nicht im eigentlichen Sinne \u201eunsichtbar\u201c ist, sondern nur einer anderen Seinsschablone jenseits von Sprache angeh\u00f6rt, die bereits vor der Verwendung jener existierte. \u201eDie Modernen\u201c sind jedoch getrennt von dieser Existenzweise und damit von sich selbst entfremdet.<\/p>\n<p><strong>Beispiel f\u00fcr eine Metamorphose im Sinne Latours:<\/strong><br \/>\nEin moderner Mensch mittleren Alters hat sich ein Leben eingerichtet: Familie, Beruf, Wohnung entsprechen den eigenen Vorstellungen und denen der Eltern. Seit einiger Zeit nun, trifft er sich mit dem neuen Kollegen, um einem Hobby gemeinsam mit ihm nachzugehen. W\u00e4hrend dieser Zeit treten immer wieder depressive Phasen in das Leben dieses Menschen. Mit jedem Tag der vergeht, f\u00e4llt es ihm schwerer, zur Arbeit zu gehen, und anschlie\u00dfend entspannt und mit Freude Zeit mit Partner und Kindern im gemeinsamen Heim zu verbringen. Es gelingt ihm immer weniger, sich gegen\u00fcber seinen alten Kollegen und der Familie zu \u00f6ffnen; er beginnt sich entfremdet und einsam zu f\u00fchlen. Gleichzeitig kann er nicht nachvollziehen, was gerade mit ihm passiert und tut es ab, denn schlie\u00dflich, so glaubt er, hat er doch alles, wovon er immer getr\u00e4umt hat und keinen Grund zur Beschwerde.<br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline\">M\u00f6glichkeit 1:<\/span> Als die depressiven Phasen sich h\u00e4ufen und sich eine permanente Gereiztheit einstellt, wird der Mensch zunehmend mit Vorschl\u00e4gen von Freunden konfrontiert, doch einmal eine psychotherapeutische Praxis aufzusuchen. Allein die Vorstellung, diesen Schritt zu tun, w\u00fcrde jedoch bedeuten, sich einzugestehen, dass es einen Grund f\u00fcr eine Therapie g\u00e4be, oder nach einem solchen zu suchen. Der Mensch ignoriert den Vorschlag, f\u00fchlt sich jedoch zunehmend von Familie und der Arbeit unter Druck gesetzt. Aufgrund seiner wahrgenommenen Isolation verf\u00e4llt er dem Alkohol, verliert seine Arbeit und Familie.<br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline\">M\u00f6glichkeit 2:<\/span> Ein Gespr\u00e4ch mit einem Freund bringt den Menschen zum Nachdenken. Er hatte bisher noch nicht wahrgenommen, dass er sich mit dem neuen Kollegen besonders wohl f\u00fchlt und neue Neigungen und Interessen in sich entdeckt. Diese lassen sich aus seiner Sicht mit seinem jetzigen Lebensstil und seiner Gebundenheit an Familie und Beruf nicht vereinbaren. Bisher hatte er noch nicht in Erw\u00e4gung gezogen, aufgrund seines scheinbar egoistischen Wunsches einer Sache nachzugehen, die ihn zu einem gewissen Grad gl\u00fccklich macht. Aufgrund einer Vielzahl von Gespr\u00e4chen mit allen Beteiligten gelingt es ihm, bei seinem Partner Verst\u00e4ndnis zu gewinnen und dem neuen Aspekt in seinem Leben einen Raum zu geben. Er wechselt den Beruf und seine Kinder freuen sich \u00fcber die neue Leichtigkeit, die in das Leben des Menschen getreten ist.<br \/>\nEin Freund aus einem anderen Kontinent schreibt ihm eine E-Mail, in der er erkl\u00e4rt, dies bedeute, er habe seine Bestimmung in diesem Leben nun gefunden, und es sei gut, dass er aufgeh\u00f6rt hat, gegen die Eigenschaften seines Sternzeichens anzuk\u00e4mpfen. Er m\u00fcsse nun weiter den Zeichen folgen, die ihm t\u00e4glich gesendet w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Verfasserin: Jasmin Weinert (jasmin.weinert[at]student.uni-halle.de)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Modus \u201ametamorphosis\u2018 [MET] Those who reject invisibles give birth to monsters. (Latour 2013: 355) [MET] als Daseinsweise ist in der Psychogenese angesiedelt, die seelische Ver\u00e4nderungen bei Menschen beschreibt. 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