Ernst Hadermann

von Emely Slaby

* 22. Mai 1896 in Schlüchtern, Hessen-Nassau; † 2. Januar 1968 in Halle (Saale)

  • Deutscher Soldat, Gymnasiallehrer, Humanist, Widerständler und Germanist
  • Vater: Mühlenbesitzer
  • Konfession: evangelisch, später konfessionslos
  • Lehrstuhl: Neuere Deutsche Literaturgeschichte
  • 1958 Medaille für Kämpfer gegen den Faschismus

Ein Blick in die Personalakte – Ernst Hadermann zwischen Sozialismus und Individualismus

von Elli Kunze

Ein besonderes Dokument aus der Personalakte des Germanisten Ernst Hadermann gibt Aufschluss über seinen Drang hin zum Individualismus. Es handelt sich um eine dienstliche Beurteilung der Pädagogischen Hochschule in Potsdam, datiert auf den 13. Dezember 1952 und verfasst vom damaligen Personalleiter Krüger. In der Beurteilung Hadermanns durch die Pädagogische Hochschule wird er als „widerspruchsvolle Natur“ beschrieben, der „seinen Mitarbeitern durch seine individualistische Einstellung Schwierigkeiten“ macht. 

Universitätsarchiv Halle, Personalakte Ernst Hadermann Rep. 11, PA 15261

Hadermann wurde dennoch am 27. Januar 1954 an die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg berufen. Eine Entscheidung, die am 20. Januar 1955 offiziell bestätigt wurde. Dort übernahm er zentrale Aufgaben im Bereich der Germanistik und war maßgeblich an der Gestaltung des Hochschulwesens im Sinne der sozialistischen Bildungspolitik beteiligt.

Sein Engagement blieb nicht unbeachtet. Die politische Unterstützung, die ihm zuteil wurde, fand ihren Ausdruck in mehrfacher staatlicher Anerkennung. So wurde ihm anlässlich seines 60. Geburtstages der Vaterländische Verdienstorden in Bronze verliehen – eine Auszeichung, die von der Philosophischen Fakultät der Universität Halle beantragt worden war. 

Universitätsarchiv Halle, Personalakte Ernst Hadermann Rep. 11, PA 15261

Fünf Jahre später, zum 65. Geburtstag, folgte die Ehrung in Silber. Der Antrag hierzu wurde am 23. März 1961 vom Rektorat der Universität gestellt, um Hadermanns langjährige Verdienste bei der „Erziehung sozialistischer Kader“ und seinen Beitrag zur Entwicklung der DDR-Hochschullandschaft zu würdigen.

Universitätsarchiv Halle, Personalakte Ernst Hadermann Rep. 11, PA 15261
Universitätsarchiv Halle, Personalakte Ernst Hadermann Rep. 11, PA 15261

Am 19. April 1961 genehmigte Herder, der stellvertretende Staatssekretär, die Verleihung mit dem ausdrücklichen Hinweis auf Hadermanns „Treue zur Republik“ und seine Rolle beim Aufbau eines „neuen demokratischen und sozialistischen Hochschulwesens“. In späteren Jahren wurde ihm der Vaterländische Verdienstorden in Gold verliehen – eine der höchsten staatlichen Ehrungen der DDR.

Quellen:

Hadermann, Ernst | Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur (zuletzt abgerufen am 12.09.2025)