Prof. Dr. Manfred Lemmer

von Andrea Seidel

Altgermanist
geboren: 27. Juli 1928 in Halle/Saale
gestorben: 2. Februar 2009 in Halle/Saale

  • 1947 bis 1951 Studium der Germanistik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg bei Georg Baesecke und Karl Bischoff
  • 1956 Promotion: Unhöfisches und Wirklichkeitsnahes in der mittelhochdeutschen Epik um 1200 an der Universität in Halle
  • 1958 Oberassistent in der Älteren Abteilung des Germanistischen Instituts der Universität Halle
  • 1981 Habilitation: Studien zur Wirkung von Sebastian Brants Narrenschiff an der Universität in Halle
  • 1983 Dozentur für Sprachgeschichte an der Universität in Halle
  • 1986 außerordentliche Professur an der Universität in Halle
  • 1991 Lehrstuhl für Geschichte der deutschen Sprache und älteren deutschen Literatur, der nach der Wende an der Universität in Halle neu denominiert wurde
  • 1995 Emeritierung
  • 2001 Theodor-Frings-Preis der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig und der Universität Leipzig

Fundstück

In der Personalakte Manfred Lemmers befindet sich eine Grafik (ca. 100 x 130 mm), die er Anfang der 80er Jahre aus der DDR per Post an Kollegen in der BRD verschickte. Die Abbildung ist undatiert und nicht signiert. Sie stellt eine freie Bearbeitung eines Originalholzschnittes aus dem Narrenschiff (1494) von Sebastian Brant (1457-1521) dar. Manfred Lemmer galt mit seiner Habilitation als Wegbereiter bei der Erforschung des Narrenschiffes. Auf der Abbildung sind zahlreiche provokante Motive aus der DDR-Geschichte deutlich sichtbar. Zweifellos konnte bereits der Besitz einer solchen Karikatur in der DDR als staatsgefährdend betrachtet werden. Erst 2009 gelangte die Grafik als Schenkung aus privater Hand in den Besitz des Universitätsarchivs.