{"id":19,"date":"2021-09-20T17:50:05","date_gmt":"2021-09-20T15:50:05","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/instrument2021\/?page_id=19"},"modified":"2021-11-12T09:18:20","modified_gmt":"2021-11-12T08:18:20","slug":"instrumentenforschung-2-0","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/instrument2021\/","title":{"rendered":"&#8222;Instrumentenforschung 2.0&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<h4><em>Tagung in der Studiob\u00fchne der Abteilung Musikwissenschaft an der Martin-Luther-Universit\u00e4t Halle-Wittenberg, Dachritzstr. 6,  4. Stock 12-14.11.2021<\/em><\/h4>\n\n\n\n<p>Eine Kooperation des musikwissenschaftlichen Seminars Paderborn\/Detmold der Universit\u00e4t Paderborn und der Abteilung Musikwissenschaft der MLU Halle-Wittenberg<\/p>\n\n\n\n<h3><strong>Worum es geht&#8230;<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die wissenschaftliche Erforschung von Musikinstrumenten galt lange Zeit als Dom\u00e4ne der klassischen Organologie sowie sp\u00e4ter auch der anwendungsorientierten und experimentalphysikalischen Erschlie\u00dfung von Instrumenten bzw. der Psychoakustik (Hall 1997). Im Fokus dieses traditionellen Fachbereichs westlicher Musikwissenschaft standen neben dem Instrumentenbau vor allem Taxonomien und Ordnungssysteme, wie beispielsweise das bis heute g\u00fcltige und im Wesentlichen auch international noch verbindliche System von Sachs und Hornborstel (Sachs\/Hornborstel 1914; MIMO Consortium 2011). Sp\u00e4testens seit den 1990er Jahren mehrt sich jedoch die Kritik an der Auswahl der Instrumente (f\u00fcr einzelne Arbeiten), den thematisierten Aspekten und der Verschlossenheit der Organologie gegen\u00fcber anderen Fachdisziplinen wie z. B. den Science and Technology Studies (Bijsterfeld\/Peters 2010). Auch die Ordnungssysteme selber wurden in diesem Zusammenhang \u2013 z. B. aus machtkritischer Perspektive \u2013 immer wieder in Frage gestellt (Kartomi 1990). Alternative Ans\u00e4tze wurden vor allem durch die Entwicklung neuer Klangtechnologien und Musikstile angeregt (Kvifte 2007) und reichen teilweise bis in die 1950er Jahre zur\u00fcck (Heyde 1975). Unter dem Schlagwort \u201eInstrumentalit\u00e4t\u201c wurde schon fr\u00fch dar\u00fcber nachgedacht, welche Eigenschaften ein Instrument eigentlich ausmachen (Burrows 1987; Hardjowirogo 2017).<\/p>\n\n\n\n<p>Mittlerweile hat auch die Organologie selbst Vorschl\u00e4ge f\u00fcr eine Erneuerung des Fachbereichs geliefert, z. B. indem zentrale Leerstellen formuliert und Br\u00fccken zu benachbarten Disziplinen geschlagen wurden (Tresch 2013, Magnusson 2009). Die Anzahl explizit musikwissenschaftlicher Forschungen, die das Arbeitsfeld der Organologie um die Frage nach der kulturellen Bedeutung der Instrumente erg\u00e4nzen, blieb jedoch weiterhin \u2013 wie Straw es zuletzt 2012 anmerkte \u2013 \u00fcberschaubar (Straw 2012). In den letzten Jahren mehren sich allerdings alternative Forschungsans\u00e4tze, die sich Instrumenten als besonderen Gegenst\u00e4nden musikalischer Praxis dezidiert n\u00e4hern. H\u00e4ufig anschlie\u00dfend an Theorien und Methoden der material culture&nbsp;studies&nbsp;stehen in diesem Zusammenhang vermehrt kultur- und medienwissenschaftliche (Grossmann 2010), \u00f6konomische, musikp\u00e4dagogische sowie technik- (Pinch\/Trocco 2002) und geschlechtersoziologische (Grotjahn et al. 2018) Fragestellungen im Vordergrund. Au\u00dferdem geraten zunehmend Instrumente der popul\u00e4ren Musik (Waksmann 2001) und die durch das jeweilige Instrument erzeugten Kosmologien, sozialen R\u00e4ume und Szenen ins Blickfeld (Dawe 2010; Schauberger 2019). Nicht zuletzt greifen auch qualitative und quantitative Studien zum Instrumentengebrauch (Herbst 2017) sowie k\u00fcnstlerische Forschung, wie sie prominent in der NIME betrieben wird, den Forschungsgegenstand auf unterschiedliche Art und Weise auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Was k\u00f6nnen Instrumente als besondere Gegenst\u00e4nde musikalischer Praxis \u00fcber Gesellschaft und Geschichte erz\u00e4hlen? Welche spezifischen Bedeutungen kommen ihnen in unterschiedlichen Kontexten zu? Und welche theoretischen und methodologischen Perspektiven er\u00f6ffnen sich im Umgang mit ihnen?<\/p>\n\n\n\n<p>Diesen und weiteren Fragen m\u00f6chten wir uns im Rahmen unserer Tagung widmen. \u00dcber den gemeinsamen Nenner &#8222;Instrument&#8220; m\u00f6chten wir unterschiedliche Disziplinen und Fachrichtungen miteinander ins Gespr\u00e4ch bringen, Diskussionen erm\u00f6glichen und so auf alternative Forschungsans\u00e4tze aufmerksam machen. Zu diesem Zweck sind junge Forscher*innen und Studierende herzlich eingeladen, ihre Projekte, theoretisch-methodischen Konzepte und Forschungsgegenst\u00e4nde in unterschiedlichen Formaten zu pr\u00e4sentieren und ihre pers\u00f6nliche Perspektive auf konkrete Instrumente zur Diskussion zu stellen. Dar\u00fcber hinaus soll unser Treffen als Netzwerkveranstaltung Gelegenheit dazu bieten, \u00fcber forschungspraktische, finanzielle und politische Aspekte des Nachwuchsforscher*innen-Daseins ins Gespr\u00e4ch zu kommen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h4><strong>Literatur:<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p><strong>Bijsterveld<\/strong>, Karin; <strong>Peters<\/strong>, Peter Frank (2010): Composing Claims on Musical Instrument Development: A Science and Technology Studies&#8216; Contribution. In: Interdisciplinary Science Reviews (35\/2), S. 106\u2013121.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dawe<\/strong>, Kevin (2010): The new&nbsp;Guitarscape in Critical Theory, Cultural Practice and Musical Performance. New York: Routledge.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gro\u00dfmann<\/strong>, Rolf (2010): Distanzierte Verh\u00e4ltnisse? Zur Musikinstrumentalisierung der Reproduktionsmedien. In: Michael Harenberg und Daniel Weissberg (Hg.): Klang (ohne) K\u00f6rper. Spuren und Potentiale des K\u00f6rpers in der elektronischen Musik. Bielefeld: Transcript, S. 183\u2013200.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Grotjahn<\/strong>, Rebecca; <strong>Schauberger<\/strong>, Sarah; <strong>Imm<\/strong>, Johanna; <strong>Jaeschke<\/strong>, Nina (Hg.) (2018): Das Geschlecht musikalischer Dinge. Hildesheim, Z\u00fcrich, New York: Olms (= Jahrbuch Musik und Gender, Bd. 11).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hall<\/strong>, Donald E. (1997): Musikalische Akustik. Ein Handbuch. Mainz: Schott.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Heyde<\/strong>, Herbert (1975): Grundlagen des nat\u00fcrlichen Systems der Musikinstrumente. Leipzig: VEB Deutscher Verlag f\u00fcr Musik.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kartomi<\/strong>, Margaret J. (1990): On concepts&nbsp;and&nbsp;classifications&nbsp;of&nbsp;musical&nbsp;instruments. Chicago: University of Chicago Press.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kvifte<\/strong>, Tellef; Jensen, Sverre (2007): Instruments and&nbsp;the electronic age. 2. Aufl. Oslo: Taragot Sounds.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Herbst<\/strong>, Jan Peter (2017): &#8222;Gear&nbsp;Acquisition Syndrome&#8220;. An empirical&nbsp;study&nbsp;of&nbsp;electric&nbsp;guitar&nbsp;players. In: Julia Merril (Hg.): Popular Music Studies Today. Proceedings&nbsp;of&nbsp;the International Association&nbsp;for&nbsp;the Study of&nbsp;Popular Music 2017. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden, S. 139\u2013148.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Magnusson<\/strong>, Thor (2009): Of&nbsp;Epistemic Tools. Musical instruments&nbsp;as&nbsp;cognitive&nbsp;extensions. In: Organised Sound 14 (2), S. 168\u2013176.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>MIMO <\/strong><strong>Consortium<\/strong> (2011): Revision of&nbsp;the&nbsp;Hornbostel-Sachs classification&nbsp;of&nbsp;musical&nbsp;instruments&nbsp;by&nbsp;the MIMO Consortium. Online verf\u00fcgbar unter http:\/\/www.mimo-international.com\/documents\/Hornbostel%20Sachs.pdf, zuletzt gepr\u00fcft am 03.09.2019.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pinch<\/strong>, Trevor J.; <strong>Trocco<\/strong>, Frank (2002): Analog days: The invention&nbsp;and&nbsp;impact&nbsp;of&nbsp;the Moog synthesizer: Harvard University Press.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sachs<\/strong>, Curt;&nbsp;<strong>Hornborstel<\/strong>, Erich Moritz von (1914): Systematik der Musikinstrumente. Ein Versuch. In: Zeitschrift f\u00fcr Ethnologie 46 (1\/2), S. 553\u2013590.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schauberger<\/strong>, Sarah (2019): \u201eSometimes I sit&nbsp;and Think, and&nbsp;Sometimes I just Sit\u201c. Eine ethnografische Erkundung zu Courtney Barnett \u2013 E-Gitarren, Gender und Empowerment. In: Laura Patrizia Fleischer, Florian Heesch (Hg.): \u201eSounds like a real man to&nbsp;me\u201c \u2013 Popul\u00e4re Kultur, Musik und M\u00e4nnlichkeit (= Geschlecht und Gesellschaft, Bd. 69). Wiesbaden: Springer VS, S. 235\u2013253.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Straw<\/strong><strong>,<\/strong>&nbsp;Will (2012): Music and Material Culture. In: M. Clayton, T. Herbert, R. Middleton (Hg.): The Cultural Study of Music. A Critical Introduction. New York: Routledge, S. 227\u2013236.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tresch<\/strong>, John (2013): Toward a New Organology: Instruments of Music and Science. In: Osiris 28 (1), S. 278\u2013298.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Waksman<\/strong>, Steve (2001): Instruments of&nbsp;Desire. The Electric Guitar and&nbsp;the&nbsp;Shaping&nbsp;of&nbsp;the Musical Experience. Harvard: Harvard University Press.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tagung in der Studiob\u00fchne der Abteilung Musikwissenschaft an der Martin-Luther-Universit\u00e4t Halle-Wittenberg, Dachritzstr. 6, 4. 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