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sozialer Druck durch Instagram?

Ich habe 2012, also mit 14 Jahren, die damals noch relativ neue Social Media Plattform Instagram installiert.

Mein Account war ‚privat‘ und wurde vorrangig genutzt, um Urlaubserlebnisse und lustige Ereignisse den ca. 150 virtuellen Freunden zu präsentieren. Mein Account umfasste private Fotografien und war keinesfalls interessant für die restliche Öffentlichkeit. Ich hatte auch nie die Absicht damit berühmt zu werden und tausende von Followern zu erhalten.

2018, also nach 6 Jahren der Nutzung, stellte ich mir die Frage: „Warum poste ich eigentlich Bilder?“
Ausgelöst wurde diese Frage durch die ‚Story-Funktion‘. Ich stellte fast täglich ein oder zwei Bilder online. Zumeist von meinen Beinen oder Händen. Ich saß irgendwo und wartete auf zum Beispiel den Dozenten oder den Zug. Dabei wurden schnell die Beine abfotografiert, Ort und ein lustiger Spruch hinzugefügt und gepostet. Aber warum?

Ich empfand es als belanglos meine Beine zu posten, denn eigentlich interessiert es niemanden, ob ich gerade auf einen Zug warte oder nicht. Diese Frage warum ich das tue ließ mich wochenlang nicht los. Ich stellte meine Uploads ein und dachte sehr viel über dieses Thema nach.
Ich kam zu dem Entschluss, dass ich nur Fotos poste, um anderen Menschen, meinen Freunden, aber auch Menschen, die ich nicht leiden könnte, zu zeigen, wie toll mein Leben doch ist. Ein Bild vom leckeren Essen im Restaurant. Am nächsten Tag ein Foto in einer anderen Stadt, ein Bild vom shoppen, von der coolen Party am Abend oder von dem Cocktail im Pub. Ich wollte, auch wenn es unterbewusst war, mein Leben aufregend und interessant darstellen. Ich überlegte, was man posten könnte, damit es besonders schön aussieht. Ich verbrachte mehrere Stunden pro Tag auf dieser Plattform, um mir das vorgegaukelte Leben von anderen anzuschauen und mein eigenes so gut wie möglich darzustellen.

Ende August beschloss ich dann meinen Account zu deaktivieren, nachdem ich ihn wochenlang nicht mehr aktiv genutzt und die App vom Smartphone gelöscht habe. Jedoch war diese Selbstdarstellung nicht der Grund. Das Hinterfragen dieser Plattform war der Auslöser für meine intensive Beschäftigung mit Instagram.
Schlussendlich habe ich meinen Account deaktiviert aus folgendem Grund: Durch meinen ‚Feed‘ habe ich mich unter Druck gesetzt gefühlt. Das klingt im ersten Moment sehr komisch, aber dennoch empfand und empfinde ich es so.

In meinem ‚Feed‘ kamen hauptsächlich Bilder von glücklichen Pärchen, Hochzeitsfotos oder Bilder mit schwangeren Frauen vor. Das hatte besonders den Grund, dass einige meiner Freunde bereits eine Familie gegründet haben und dadurch diese Fotos in meine Vorschläge gekommen sind. Natürlich freue ich mich, dass Freunde und Familie eine Familie gründen und glücklich sind. Jedoch haben mich diese Bilder emotional unter Druck gesetzt.
Ich bin 20 Jahre alt, studiere und war zu dem Zeitpunkt Single. Ich möchte momentan keine Kinder, keinen Ehemann und diese ganzen Sachen. Ich will mein Studium absolvieren, verreisen, arbeiten, unabhängig und nicht gebunden sein. Das weiß ich und lebe auch danach, dennoch haben mir diese Bilder, welche ich jeden Tag gesehen habe, das Gefühl gegeben, dass ich mein Leben falsch gestalte. Anstatt jung zu sein, das Leben spontan zu gestalten und zu genießen, hatte ich das Gefühl einen Fehler zu machen und mehr an meine Zukunft und an meine Familienplanung denken zu müssen.

Diesem Druck wollte ich mich nicht länger aussetzen und habe kurzerhand meinen Account deaktiviert (dennoch nicht gelöscht).


Wie geht es mir jetzt nach einigen Wochen ohne Instagram?

Anfangs habe ich bemerkt, dass ich ein Bedürfnis habe, gewisse Informationen zu teilen. Ebenso viel mir auf, dass ich das Gefühl hatte nicht mehr am Leben der anderen Teil haben zu können, weil ich nicht sehe, was wer zum Mittag isst. Doch nach circa zwei – drei Wochen ging  es mir damit relativ gut.

Ebenso habe ich festgestellt, dass ich von einigen Freunden darauf angesprochen wurde, dass mein Account nicht mehr existiert. In den Gesprächen, warum ich das gemacht habe, erfuhr ich, dass einige meiner Freunde ähnliche Probleme haben. Dabei hatten einige Freunde das Problem, dass sie sich unter Druck gesetzt fühlen, dass sie gesünder Essen, schlanker oder sportlicher sein müssen. Dennoch hatten wir alle das Gefühl, dass wir emotional unter Druck stehen durch die Bilder, welche bei Instagram geteilt werden.

Schließend kann ich sagen, dass ich froh bin, dass ich mich von meiner Abhängigkeit gegenüber dieser Plattform gelöst habe und versuche ohne Instagram zu leben. Das heißt nicht, dass ich nie wieder meinen Instagram Account aktivieren werde. Es heißt, dass ich bewusster und reflektierter Social Media Plattformen, wie Instagram, konsumieren möchte und mir bewusst mache warum ich diese Plattform nutze.


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