{"id":340,"date":"2021-05-04T12:01:30","date_gmt":"2021-05-04T10:01:30","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/?p=340"},"modified":"2021-05-05T22:48:59","modified_gmt":"2021-05-05T20:48:59","slug":"geschichte-gold-und-gegenwart","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/2021\/05\/geschichte-gold-und-gegenwart\/","title":{"rendered":"Geschichte, Gold und Gegenwart"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-cover is-position-center-center\" style=\"background-image:url(https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/files\/2021\/04\/Team-Struktur-3.png);background-position:10% 96%;min-height:300px\"><div class=\"wp-block-cover__inner-container\">\n<p class=\"has-text-align-left has-text-color has-large-font-size\" style=\"color:#2f363c\">\u201eHaben Sie schon                         einmal Gold gefunden?\u201c                                                        <\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>\u201eHaben Sie schon einmal Gold gefunden?\u201c Kaum eine Frage d\u00fcrften Arch\u00e4ologen und Arch\u00e4ologinnen h\u00e4ufiger h\u00f6ren. Schmunzelnd werden diese dann zumeist verneint. Ebenso wie jene nach den m\u00f6glichen Orten an denen noch das Bernsteinzimmer, \u201eNazigold\u201c oder gar Atlantis zu finden sei. Was im ersten Moment befremdlich anmuten mag, ist Beleg daf\u00fcr, dass sich in der \u00d6ffentlichkeit oftmals verzerrte bis nahezu groteske Bilder von Wissenschaften und ihren VertreterInnen zeichnen. Sei es durch fragw\u00fcrdige TV-Dokumentationen, Spielfilme, fragw\u00fcrdige Literatur oder diese WissenschaftlerInnen selbst. Doch w\u00fcrde man \u201eder \u00d6ffentlichkeit\u201c unrecht tun bescheinigte man ihr \u2013 in Abgrenzung zu akademischen Kreisen \u2013 eine pauschale Unwissenheit oder gar ein Desinteresse. Ein ebenso verzerrtes Bild \u2013 wie das des schatzsuchenden Arch\u00e4ologen oder der schatzsuchenden Arch\u00e4ologin \u2013 w\u00fcrde man dann von einer \u00d6ffentlichkeit zeichnen. Dabei reicht das Spektrum geschichtsinteressierter Personen der \u00d6ffentlichkeit von ehrenamtlichen Bodendenkmal-pflegerInnen \u00fcber Geschichtsvereine und Arbeitskreise bis hin zu Einzelpersonen, welche sich mit den Quellen der Familien- und Ortsgeschichte auseinandersetzen. Oftmals aus einem wissenschaftlichen Elfenbeinturm heraus betrachtet, wurden und werden jene Teile geschichtsinteressierter \u00d6ffentlichkeit bel\u00e4chelt oder ignoriert.<\/p>\n\n\n\n<p>Kaum ein Bereich wie der der \u201eMateriellen Kultur\u201c verdeutlicht dies mehr. Oft den Arch\u00e4ologInnen und Kunst-historikerInnen zugeschrieben, fanden und finden sich Objekte und deren Geschichten auch in der Geschichtswissenschaft. Dabei ist dieser Bereich nicht nur \u00e4u\u00dferst pr\u00e4sent in der Vermittlung von Geschichte, wie z.B. in Museen. Auch bieten sich an dieser Stelle besondere \u00dcberlieferungschancen. Durch SammlerInnen-Kreise zeigen sich oftmals ganze Konvolute von Gegenst\u00e4nden aus denen HistorikerInnen, aber auch KunsthistorikerInnen und Arch\u00e4ologInnen sch\u00f6pfen k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein \u00e4hnlich praktisches Beispiel bietet die Bauforschung. Fotografien oder Postkarten welche bewusst oder unbewusst einzelne H\u00e4user, Stra\u00dfenz\u00fcge oder ganze Stadtbilder festhielten und sich in privatem Besitz befinden sind bspw. nach Kriegssch\u00e4den oder Br\u00e4nden letztes und einziges Zeugnis dieser Geb\u00e4ude. An dieser Stelle sind Bauforschung und Denkmalpflege auf eben jene Quellen und deren BesitzerInnen angewiesen. Auch an dieser Stelle werden regionale Geschichtsvereine oder Einzelpersonen, welche sich mit der Geschichte des Ortes auseinandersetzen zur Chance. Dabei sind die Kenntnisse ortskundiger Personen nicht zu untersch\u00e4tzen \u2013 wenngleich auch mancher Sage mit gewisser Skepsis zu begegnen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bereich der \u201e<a href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/2021\/05\/geschichte-fuer-die-oeffentlichkeit\/\" data-type=\"post\" data-id=\"334\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Public History<\/a>\u201c mag dabei durchaus den Fokus auf der Zeitgeschichte haben. Felder wie \u201eOral History\u201c, \u201eDigital History\u201c oder die Erinnerungs- und Gedenkkultur m\u00f6gen daf\u00fcr ausschlaggebende Gr\u00fcnde sein. Doch darf der Bereich der \u201ePublic History\u201c nicht hierauf verharren. Der Bereiche der \u201eMateriellen Kultur\u201c oder die Familien- und Ortsgeschichte zeigen dies am deutlichsten. So finden sich im Bereich der Bodendenkmalpflege Objekte, welche weit \u00fcber die Zeitgeschichte hinausgehen. Auch die Stammb\u00e4ume \u2013 die wohl bekannteste Form der Familiengeschichte \u2013 l\u00e4sst sich in vielen F\u00e4llen \u00fcber die Zeitgeschichte zur\u00fcckverfolgen. Ein \u00e4hnliches Bild zeichnet sich f\u00fcr die Erforschung der Ortsgeschichten. Das Wissen um Geb\u00e4ude, H\u00e4user, Bauweisen, Flurnamen, (nicht registrierte) Funde oder (vergessene) Stra\u00dfen- und Ortsnamen findet sich oftmals im Spektrum dieser regionalen geschichtsinteressierten \u00d6ffentlichkeit \u2013 jedoch nicht in akademischen Kreisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, es bedarf einer Professionalisierung der \u201ePublic History\u201c mehr denn je. Doch sollten sich \u201ePublic Historians\u201c an dieser Stelle als Kristallisationspunkt von akademischen Kreisen und \u00d6ffentlichkeit bzw. deren geschichtsinteressierten VertreterInnen verstehen. Dabei greift das Modell einer rein hierarchischen Vermittlung von Geschichte aus akademischen Kreisen heraus und hin zur \u201eunwissenden\u201c \u00d6ffentlichkeit zu kurz. Die Chancen, welche sich WissenschaftlerInnen durch eben jene \u00d6ffentlichkeit bieten \u2013 und bisher wenig bis gar nicht beachtet wurden \u2013 gilt es nun zu nutzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eHaben Sie schon einmal Gold gefunden?\u201c Kaum eine Frage d\u00fcrften Arch\u00e4ologen und Arch\u00e4ologinnen h\u00e4ufiger h\u00f6ren. Schmunzelnd werden diese dann zumeist verneint. Ebenso wie jene nach den m\u00f6glichen Orten an denen noch das Bernsteinzimmer, \u201eNazigold\u201c oder gar Atlantis zu finden sei. 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