{"id":701,"date":"2021-06-25T21:40:59","date_gmt":"2021-06-25T19:40:59","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/?p=701"},"modified":"2021-07-12T13:48:20","modified_gmt":"2021-07-12T11:48:20","slug":"vom-wahrnehmen-erinnern-und-vergessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/2021\/06\/vom-wahrnehmen-erinnern-und-vergessen\/","title":{"rendered":"Vom Wahrnehmen, Erinnern und Vergessen"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-cover has-background-dim\" style=\"background-image:url(https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/files\/2021\/04\/Allgemein-4.png)\"><div class=\"wp-block-cover__inner-container\">\n<p class=\"has-text-align-center has-large-font-size\">Was uns Neurobiologie und Sozialpsychologie \u00fcber die Geschichtswissenschaft lehren k\u00f6nnen.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Erinnerungen sind keine sonderlich zuverl\u00e4ssigen Quellen. Dies d\u00fcrfte im Beitrag \u201e<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/2021\/06\/war-nun-glas-im-essen-oder-nicht\/\" target=\"_blank\">War nun Glas im Essen oder nicht<\/a>\u201c, der sich mit widerspr\u00fcchlichen Erinnerungen von Zeitzeug*innen auseinandersetzt, bereits deutlich geworden sein. Hier sollen nun die wichtigsten Erkenntnisse aus den beiden dort erw\u00e4hnten Texten des Neurobiologen Wolf Singer und Sozialpsychologen Harald Welzer zusammengefasst werden. Beide erkl\u00e4ren, was Historiker*innen aus Sicht ihrer jeweiligen Wissenschaft \u00fcber die Zuverl\u00e4ssigkeit von auf Erinnerungen beruhenden Quellen wissen sollten.<\/p>\n\n\n\n<h4><strong>Filternde Wahrnehmung<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/files\/2021\/06\/Wahrnehmung-864x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-695\" width=\"478\" height=\"566\" srcset=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/files\/2021\/06\/Wahrnehmung-864x1024.jpg 864w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/files\/2021\/06\/Wahrnehmung-253x300.jpg 253w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/files\/2021\/06\/Wahrnehmung-768x910.jpg 768w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/files\/2021\/06\/Wahrnehmung.jpg 1266w\" sizes=\"(max-width: 478px) 100vw, 478px\" \/><figcaption>Mit dieser Grafik habe ich einen Visualisierungsversuch von Singers Ausf\u00fchrungen zur Wahrnehmung versucht.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die Problematik zeigt sich bereits bei der Wahrnehmung, wie Wolf Singer erkl\u00e4rt: Da unsere Sinnesorgane nicht alles aufnehmen k\u00f6nnen, was um uns passiere, werde dabei immer ausgesiebt. Und selbst von dem Aufgenommenen gelange nicht alles in unser Bewusstsein; manches werde auch unbewusst vom Gehirn verarbeitet. Es wirke sich jedoch sowohl das Bewusste als auch das Unbewusste auf unser Handeln aus. Dies k\u00f6nne dazu f\u00fchren, dass \u2013 sollte sich unser Handeln nicht durch in unser Bewusstsein Vorgedrungenes erkl\u00e4ren lassen \u2013 wir uns nicht zutreffende Deutungen daf\u00fcr konstruieren. Unser Bed\u00fcrfnis danach f\u00fcr alles plausible Begr\u00fcndungen zu finden, sei also oft eine Ursache f\u00fcr Fehlwahrnehmung. Wahrnehmung ist somit immer auch Interpretation.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wahrnehmung von einfachen Vorg\u00e4ngen unterscheide sich bei den meisten Menschen kaum, da die ablaufenden Prozesse bei ihnen ungef\u00e4hr \u00fcbereinstimmen. Werde das Beobachtete jedoch komplexer, sehe dies ganz anders aus. Dann spielen unsere fr\u00fcheren Erfahrungen und Erlebnisse eine gr\u00f6\u00dfere Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p>So k\u00f6nnen zum Beispiel Interpretationen von Verhaltensweisen, die in unserem pers\u00f6nlichen Umfeld zustimmen, woanders komplett an der Wirklichkeit vorbeigehen. Ein interessantes Beispiel daf\u00fcr sind fr\u00fche Berichte von europ\u00e4ischen Entdecker*innen \u00fcber das Zusammentreffen mit anderen Kulturen, in denen beispielsweise die Wahrnehmung der Anderen als &#8222;Wilde&#8220; absolut nicht zutraf. Wir haben somit die Eigenart, Gegebenheiten anzunehmen, die uns einfache Erkl\u00e4rungen erlauben.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-large\"><p>Besonders problematisch ist in solchen F\u00e4llen, da\u00df die Beobachter ihre Konstruktionen nat\u00fcrlich als zutreffende, unmittelbare Wahrnehmung erleben und nicht als relativierbare Interpretationen und es deshalb f\u00fcr den Exegeten nahezu unm\u00f6glich ist herauszufinden, was tats\u00e4chlich der Fall war.<\/p><cite>Singer, <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/brain.mpg.de\/297616\/historikertag.pdf\" target=\"_blank\">Wahrnehmen, Erinnern, Vergessen<\/a>, S. 6<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p><strong>Weiterf\u00fchrendes und Empfehlungen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Wie eingeschr\u00e4nkt unsere Wahrnehmung ist und dass sich unsere Aufmerksamkeit leicht lenken l\u00e4sst, zeigen uns die Tricks von Zauberern oder auch solche Videos: \u201e<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/youtu.be\/vJG698U2Mvo\" target=\"_blank\">selective attention test<\/a>\u201c<\/li><li>Im Video \u201e<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/youtu.be\/r0jXfwPQW9k\" target=\"_blank\">So habt ihr Farbe noch die gesehen<\/a>\u201c von Mailab wird au\u00dferdem klar, wie sehr sich die Wahrnehmung je nach Kultur, in der wir aufgewachsen sind, unterscheiden kann. So nehmen bspw. Menschen aus dem Himba Stamm in Namibia andere Farben wahr als die meisten anderen Leute, obwohl wir in der Regel alle die gleichen Farbrezeptoren haben.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h4><strong>Unbest\u00e4ndige Erinnerung<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Eng mit der Wahrnehmung verkn\u00fcpft ist das Kurzzeitged\u00e4chtnis, so die weitere Erkl\u00e4rung des Neurobiologen: Dorthin gelange logischerweise nur bewusst Wahrgenommenes. Die Kapazit\u00e4t unseres Kurzzeitged\u00e4chtnisses sei jedoch begrenzt. Da es anscheinend kaum m\u00f6glich sei, mehr als sieben Dinge gleichzeitig pr\u00e4sent zu halten, st\u00fctzen wir uns in der Interpretation von Ereignissen und deren Beziehungen auf nur wenige Fixpunkte. Wie schon bei der Wahrnehmung m\u00fcsse diese Interpretation nicht zutreffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit wir uns l\u00e4nger an ein Erlebnis erinnern k\u00f6nnen, werde schlie\u00dflich das Wahrgenommene und deren Interpretation in das episodische Ged\u00e4chtnis \u00fcberschrieben. Es k\u00f6nne jedoch sehr lange dauern, bis sich die Erinnerung in diesem Teil des Langzeitged\u00e4chtnisses richtig gefestigt habe. Bis dies abgeschlossen sei, k\u00f6nnen sich die Erinnerung noch durch Einfl\u00fcsse wie neue Erlebnisse und Erkenntnisse ver\u00e4ndern oder auch durch Krankheiten oder Drogenkonsum ganz verloren gehen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/files\/2021\/06\/Erinnern-1024x932.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-693\" width=\"476\" height=\"432\" srcset=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/files\/2021\/06\/Erinnern-1024x932.jpg 1024w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/files\/2021\/06\/Erinnern-300x273.jpg 300w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/files\/2021\/06\/Erinnern-768x699.jpg 768w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/files\/2021\/06\/Erinnern.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 476px) 100vw, 476px\" \/><figcaption>Diese Grafik stellt die Prozesse dar, die laut Singer beim Erinnern und Festigen von Erinnerungen ablaufen.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Doch selbst wenn es die Erinnerung in das Langzeitged\u00e4chtnis geschafft habe, sei ihre Verformung noch lange nicht vorbei. Nach Singer legen recht neue Erkenntnisse der Neurobiologie nahe, dass es einer erneuten Wahrnehmung gleicht, wenn wir Erinnerungen aufrufen. Durch das Erinnern werden demnach die bereits gefestigten Ged\u00e4chtnisspuren wieder instabil und der Festigungsprozess beginnt erneut. Zus\u00e4tzlich werde die urspr\u00fcngliche Erinnerung von der neuen Interpretation \u00fcberschrieben, wobei der Kontext des Erinnerns mit einflie\u00dfe. Erz\u00e4hlen wir also jemandem von unseren Erlebnissen, erinnern wir uns danach nicht mehr an das urspr\u00fcnglich Abgespeicherte, sondern nur noch an die erz\u00e4hlte Version. Die sich erinnernde Person nehme die neue Fassung jedoch immer noch als authentische Ersterinnerung wahr.<\/p>\n\n\n\n<p>Unsere Gehirne versuchen also st\u00e4ndig ein stimmiges Gesamtbild zu konstruieren. Meist l\u00e4sst sich im Nachhinein nicht mehr voneinander trennen, was tats\u00e4chlich wahrgenommen wurde und was sp\u00e4ter hinzukam, so der Neurobiologe.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-large\"><p>Was schon f\u00fcr die Mechanismen der Wahrnehmung zutraf, scheint also in noch weit st\u00e4rkerem Ma\u00df f\u00fcr die Mechanismen des Erinnerns zu gelten. Sie sind offensichtlich nicht daraufhin ausgelegt worden, ein m\u00f6glichst getreues Abbild dessen zu liefern, was ist, und dieses m\u00f6glichst authentisch erinnerbar zu halten. Vielmehr scheint es darauf anzukommen, auszuw\u00e4hlen, um sparsam mit Speicherplatz umzugehen und die L\u00fccken durch Rekonstruktionen auszuf\u00fcllen.<\/p><cite>Singer, <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/brain.mpg.de\/297616\/historikertag.pdf\" target=\"_blank\">Wahrnehmen, Erinnern, Vergessen<\/a>, S. 10<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<h4><strong>Verschmelzende Erinnerung<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Der Sozialpsychologe Harald Welzer l\u00e4sst in seinem Beitrag au\u00dferdem bedenken, dass wir uns nicht nur an tats\u00e4chlich Erlebtes erinnern, sondern auch an Dinge, \u00fcber die wir mit anderen gesprochen, die wir gelesen oder in Filmen gesehen haben und denen wir nur in unseren Tr\u00e4umen oder in unserer Vorstellung begegnet sind. Manchmal vermische sich dies mit unseren tats\u00e4chlichen Erinnerungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Beispiel die Mehrgenerationenstudie &#8222;Opa war kein Nazi&#8220;, an der Welzer mitarbeitete, zeigt Beispiele, in denen Filmsequenzen und andere mediale Erzeugnisse in autobiografische Erz\u00e4hlungen integriert wurden, ohne dass sich die Erz\u00e4hlenden selbst dar\u00fcber bewusst waren. So habe zum Beispiel ein Zeitzeuge Elemente der Kindergeschichten von \u201eMax und Moritz\u201c in seine Erlebnisse mit eingebaut. Dieses Ph\u00e4nomen wird Quellen-Verwechslung oder auch Quellen-Amnesie genannt.<\/p>\n\n\n\n<p>Gelegentlich werden laut dem Sozialpsychologen sogar Erinnerungen erschaffen, die \u00fcberhaupt nichts mit der eigenen Lebensgeschichte zu tun haben. Als Beispiel daf\u00fcr nennt er Benjamin Wilkomirski, der 1995 im Buch &#8222;Bruchst\u00fccke. Aus einer Kindheit 1939\u20131948&#8220; \u00fcber seine Kindheitserfahrungen im Konzentrationslager schrieb. Sp\u00e4ter kam heraus, dass Wilkomirski in Wirklichkeit Bruno D\u00f6ssekur hei\u00dft und nie etwas mit dem Holocaust zu tun hatte. Er hatte sich seine Opfer-Identit\u00e4t komplett zusammen fantasiert und glaubte offenbar selbst daran.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Verzerrungen von Erinnerungen finden oft statt. Zur Veranschaulichung zieht Welzer ein Experiment von Frederic Barlett heran. In diesem wurde Studierenden eine Geschichte aus einer anderen Kultur erz\u00e4hlt, die f\u00fcr sie ungew\u00f6hnlich war. Die Nacherz\u00e4hlungen wurden immer k\u00fcrzer, moderner und nach westlichen Kriterien logischer. Elemente wie Gegenst\u00e4nde, Namen und sogar das Wetter wurden an einheimische angepasst. Dies zeige unsere Neigung, Geschichten mit einem eigenen Sinn auszustatten.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-large\"><p>Evolution\u00e4r betrachtet ist Ged\u00e4chtnis ohnehin nichts anderes als das Verm\u00f6gen von Organismen, sich an sich ver\u00e4ndernde Umwelten anpassen zu k\u00f6nnen, indem sie auf gespeicherte Muster von Reaktionen auf Reize zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen. Ged\u00e4chtnis dient der Bew\u00e4ltigung von Gegenwartsanforderungen; der Bezugspunkt von Erinnerungen liegt also weniger in der Vergangenheit als in Gegenwart und Zukunft.<\/p><cite>Welzer, <a href=\"https:\/\/www.budrich-journals.de\/index.php\/bios\/issue\/view\/109\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Die Medialit\u00e4t des menschlichen Ged\u00e4chtnisses<\/a>, S. 17<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/files\/2021\/06\/Ueberschreibungen-1024x735.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-694\" width=\"627\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/files\/2021\/06\/Ueberschreibungen-1024x735.jpg 1024w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/files\/2021\/06\/Ueberschreibungen-300x215.jpg 300w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/files\/2021\/06\/Ueberschreibungen-768x551.jpg 768w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/files\/2021\/06\/Ueberschreibungen.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 627px) 100vw, 627px\" \/><figcaption>Wie sich Erinnerungen durch das wiederholte Aufrufen und darauffolgende \u00dcberschreiben ins Langzeitged\u00e4chtnis ver\u00e4ndern k\u00f6nnen, soll diese Grafik visualisieren.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h4><strong>Unwiderrufliches Vergessen?<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Welzer geht davon aus, dass Erinnerungen schlie\u00dflich verschwinden, wenn sie zu lange nicht in Anspruch genommen werden. Der Neurobiologe Singer ist dahingehend jedoch optimistischer: Er meint, dass einmal Gespeichertes vermutlich nie unwiderruflich verloren geht. Auch wenn sich manches irgendwann dem Bewusstsein entziehe, k\u00f6nne es doch einflussreich bleiben und sich auf zuk\u00fcnftige Verarbeitungs- und Speicherprozesse auswirken. Spannend sei in diesem Zusammenhang auch das Verdr\u00e4ngen, also das aktive Vergessenwollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch was bedeutet dies alles nun f\u00fcr die Geschichtswissenschaft? Die folgenden beiden Zitate fassen Welzers und Singers Antworten auf diese Frage zusammen und beenden diesen zugegebenerma\u00dfen recht lang gewordenen Beitrag. Teilt in den Kommentaren gerne auch eure Gedanken dazu.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-large\"><p>Zur Geschichte geh\u00f6ren nicht nur die Wirklichkeiten, die aus der dritten Person Perspektive behandelt werden k\u00f6nnen, die Vorf\u00e4lle selbst, sondern auch die Ph\u00e4nomene, die erst durch die reflektierende und konstruktivistische T\u00e4tigkeit unserer Gehirne in die Welt kommen &#8211; die Wahrnehmungen, Berichte, Erinnerungen und Beurteilungen von Zeitgenossen und deren Nachfahren, und nicht zuletzt auch die Feststellungen der nachforschenden Historiker. [\u2026] Und so wird jeweils in die Geschichte als Tatsache eingehen, was die Mehrheit derer, die sich gegenseitig Kompetenz zuschreiben, f\u00fcr das Zutreffendste halten. Unbeantwortbar bleibt dabei, wie nahe diese Feststellungen der idealen Beschreibung kommen, weil es diese aus unserer Perspektive nicht geben kann.<\/p><cite>Singer, <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/brain.mpg.de\/297616\/historikertag.pdf\" target=\"_blank\">Wahrnehmen, Erinnern, Vergessen<\/a>, S. 12<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-large\"><p>Man k\u00f6nnte sagen, jede Gegenwart, jede Generation, jede Epoche schafft sich jene Vergangenheit, die f\u00fcr ihre Zukunftsorientierungen und -optionen den funktional h\u00f6chsten Wert hat. Mit einem Ged\u00e4chtnis, das immer dasselbe immer auf dieselbe Weise erinnert, w\u00e4re das nicht m\u00f6glich.<\/p><cite>Welzer, <a href=\"https:\/\/www.budrich-journals.de\/index.php\/bios\/issue\/view\/109\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Die Medialit\u00e4t des menschlichen Ged\u00e4chtnisses<\/a>, S 26<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Wolf Singer, Wahrnehmen, Erinnern, Vergessen, URL: <a href=\"https:\/\/brain.mpg.de\/297616\/historikertag.pdf\">https:\/\/brain.mpg.de\/297616\/historikertag.pdf<\/a>, Aufgerufen am 10.06.2021.<\/li><li>Harald Welzer, Die Medialit\u00e4t des menschlichen Ged\u00e4chtnisses, in: BIOS 21 (2008), S. 15\u2013 27. Einsehbar unter: <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.budrich-journals.de\/index.php\/bios\/issue\/view\/109\" target=\"_blank\">https:\/\/www.budrich-journals.de\/index.php\/bios\/issue\/view\/109<\/a> (Aufgerufen am 10.06.2021).<\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was uns Neurobiologie und Sozialpsychologie \u00fcber die Geschichtswissenschaft lehren k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"author":4319,"featured_media":216,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"categories":[8],"tags":[67,14,68],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/701"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4319"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=701"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/701\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":750,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/701\/revisions\/750"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/wp-json\/wp\/v2\/media\/216"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=701"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=701"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=701"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}