{"id":710,"date":"2021-06-25T21:41:03","date_gmt":"2021-06-25T19:41:03","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/?p=710"},"modified":"2021-06-25T21:55:50","modified_gmt":"2021-06-25T19:55:50","slug":"ueber-respekt-und-toleranz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/2021\/06\/ueber-respekt-und-toleranz\/","title":{"rendered":"\u00dcber Respekt und Toleranz"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-cover has-background-dim\" style=\"background-image:url(https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/files\/2021\/04\/Team-Struktur-3.png)\"><div class=\"wp-block-cover__inner-container\">\n<p class=\"has-text-align-center has-large-font-size\">Zeitzeug*innen gew\u00e4hren uns sensible Einblicke in ihre Leben. Das ist keinesfalls selbstverst\u00e4ndlich und sollte unbedingt als Privileg angesehen werden.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Was macht ein gutes Zeitzeug*innengespr\u00e4ch aus? Diese Frage stellte Jochen Voit w\u00e4hrend des Onlineworkshops mit der Andreasstra\u00dfe in den Raum, bevor sich der Historiker und Zeitzeuge Holm Kirsten zuschaltete.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem ich in den Beitr\u00e4gen \u201e<a href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/2021\/06\/war-nun-glas-im-essen-oder-nicht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">War nun Glas im Essen oder nicht<\/a>\u201c und \u201e<a href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/2021\/06\/vom-wahrnehmen-erinnern-und-vergessen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Vom Wahrnehmen, Erinnern und Vergessen<\/a>\u201c die Erinnerungen von Zeitzeug*innen als unzuverl\u00e4ssige Quellen bezeichnet habe, halte ich es f\u00fcr n\u00f6tig, noch etwas \u00fcber die Beantwortung dieser Frage zu bloggen. Denn auch wenn Zeitzeug*innen keine unfehlbaren Quellen sind, haben sie doch eine sehr gro\u00dfe Bedeutung f\u00fcr die Geschichtswissenschaft und die Public History. Ihre Berichte machen viele Geschehnisse erst nahbar und helfen au\u00dferdem dabei, Vorg\u00e4nge und Ereignisse zu rekonstruieren. In der Zuverl\u00e4ssigkeit unterscheidet sie wenig von vielen anderen Quellen der Geschichtswissenschaft, kritisch hinterfragt und so gut wie m\u00f6glich \u00fcberpr\u00fcft werden muss sowieso immer alles.<\/p>\n\n\n\n<p>Jochen legte uns nahe, wir sollten es als Privileg sehen, dass uns Zeitzeug*innen Einblicke in ihre Leben gew\u00e4hren, denn das sei alles andere als selbstverst\u00e4ndlich. Dem stimme ich absolut zu! Es bedarf zweifellos einiges an \u00dcberwindung, quasi Fremden so sensiblen Zutritt zur eigenen Vergangenheit zu gew\u00e4hren und dann eventuell noch kritische Fragen sowie nachtr\u00e4gliche Interpretationen \u00fcber sich ergehen zu lassen. Interessante Erg\u00e4nzungen und Denkanst\u00f6\u00dfe zu diesem Konflikt liefert ein Aufsatz der Historikerin Almut Leh, die Expertin im Gebiet der Oral History ist. In ihrem Text \u201e<a href=\"https:\/\/www.uni-saarland.de\/fileadmin\/user_upload\/Professoren\/fr34_Zeitgeschichte\/PDFs\/LV_Birgit\/Oral_History\/Leh_ForschungsethischeProbleme.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Forschungsethische Probleme der Zeitzeugenforschung<\/a>\u201c besch\u00e4ftigt sie sich auch mit der Frage, ob sie selbst dazu bereit w\u00e4re, ein lebensgeschichtliches Interview zu geben.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/files\/2021\/06\/Holm-Kirsten.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-696\" width=\"302\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/files\/2021\/06\/Holm-Kirsten.jpg 682w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/files\/2021\/06\/Holm-Kirsten-251x300.jpg 251w\" sizes=\"(max-width: 302px) 100vw, 302px\" \/><figcaption>Eine Zeichnung von Holm Kirsten, die ich im Workshop unter Anleitung der Zeichnerin Sandruschka anfertigte.<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Ein respektvoller Umgang ist also die erste Grundvoraussetzung f\u00fcr die Auseinandersetzung mit Zeitzeug*innen. Dazu geh\u00f6rt auch, im Vorfeld ganz klar zu kommunizieren, was mit dem Material passieren soll. Im Workshop hatte das Zeitzeugengespr\u00e4ch die Intention, uns Inspiration f\u00fcr unsere Comics zu liefern. W\u00e4re Holm Kirsten nicht damit einverstanden gewesen, dass wir m\u00f6glicherweise seine Geschichten zeichnerisch umsetzen und unsere Entw\u00fcrfe ver\u00f6ffentlicht werden, h\u00e4tte das Gespr\u00e4ch nicht in dieser Form stattgefunden. Unsere Ergebnisse findet ihr \u00fcbrigens im Beitrag: \u201e<a href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/jugendwiderstand\/2021\/05\/6-panels\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">6 Panels<\/a>\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere Grundvoraussetzung ist, dass die Zeitzeug*innen so wenig wie m\u00f6glich von den Geschichtswissenschaftler*innen beeinflusst werden, welche die Interviews f\u00fchren. Beispielsweise das Erw\u00e4hnen der eigenen politischen Einstellung k\u00f6nnte dazu f\u00fchren, dass die Zeitzeug*innen in ihren Erz\u00e4hlungen auf politische Korrektheit achten. Es ist also von gro\u00dfer Wichtigkeit, sich selbst in den Gespr\u00e4chen zur\u00fcckzunehmen. Leh stellt dazu sehr passend fest: \u201eWer nicht \u00fcber ein geh\u00f6riges Ma\u00df an interessierter Toleranz verf\u00fcgt \u2013 und das hei\u00dft, fremde Lebensgeschichten und -auffassungen zulassen kann \u2013, der sollte kein biographisches Interview f\u00fchren.&#8220; (Leh 2000, S. 68)<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Tipps zum Durchf\u00fchren von Zeitzeug*inneninterviews liefert zum Beispiel dieses Merkblatt des Hauses der Bayerischen Geschichte: \u201e<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.hdbg.de\/gleis11\/downloads\/projekte\/Merkblatt_Zeitzeugeninterview.pdf\" target=\"_blank\">Zeitzeugeninterviews \u2013 Ein Merkblatt<\/a>\u201c. Die genauen Methoden f\u00fcr das Gespr\u00e4ch, deren Vorbereitung, Durchf\u00fchrung und Nachbereitung h\u00e4ngen jedoch auch von der Art des Interviews ab. Die Historikerin Dorothee Wierling unterscheidet dabei zwischen Expert*inneninterviews, thematischen Interviews und biografischen Interviews. Ihre Grundlagenliteratur \u00fcber Oral History empfiehlt sich absolut f\u00fcr die weitere Besch\u00e4ftigung mit dieser Thematik.<\/p>\n\n\n\n<p>Was sind eure Erfahrungen mit Zeitzeug*inneneninterviews und k\u00f6nntet ihr euch vorstellen, selbst einmal eines zu geben?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul><li>Almut Leh, Forschungsethische Probleme in der Zeitzeugenforschung, in: BIOS 13 (2000), S. 64-76. Einsehbar unter: <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.uni-saarland.de\/fileadmin\/user_upload\/Professoren\/fr34_Zeitgeschichte\/PDFs\/LV_Birgit\/Oral_History\/Leh_ForschungsethischeProbleme.pdf\" target=\"_blank\">https:\/\/www.uni-saarland.de\/fileadmin\/user_upload\/Professoren\/fr34_Zeitgeschichte\/PDFs\/LV_Birgit\/Oral_History\/Leh_ForschungsethischeProbleme.pdf<\/a> (Aufgerufen am 25.06.2021)<\/li><li>Dorothee Wierling, Oral History, in: Michael Maurer (Hrsg.), Aufri\u00df der Historischen Wissenschaften, Band 7: Neue Themen und Methoden der Geschichtswissenschaft, Stuttgart 2003, S. 81\u2013151.<\/li><li>Haus der Bayerischen Geschichte, Zeitzeugeninterviews \u2013 Ein Merkblatt, URL: <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.hdbg.de\/gleis11\/downloads\/projekte\/Merkblatt_Zeitzeugeninterview.pdf\" target=\"_blank\">https:\/\/www.hdbg.de\/gleis11\/downloads\/projekte\/Merkblatt_Zeitzeugeninterview.pdf<\/a>, Aufgerufen am 25.06.2021.<\/li><\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zeitzeug*innen gew\u00e4hren uns sensible Einblicke in ihre Leben. 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