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7. Jan 2013

Silvester mal anders

Verfasst von

Da ich mal erleben wollte, wie Japaner den Silvester- und Neujahrstag verbringen, fragte ich meine Gastfamilie, ob ich diese Tage bei ihnen verbringen könne und zum Glück bejahten sie dies. Mein Gastvater war so nett, mich am Montag, den 31.12. vom Wohnheim mit dem Auto abzuholen. Bis die Gastmama vom Einkauf zurückkam, wurden die Hundchen geknuddlt und etwas ferngesehen. Dann gab es eine Kaffeepause.  Am Abend kam dann die Schwester der Gastmama und wir aßen – sehr westlich angehaucht – Abendbrot und schauten dabei eine Schätzsendung mit Gackt. Es geht darum, das Wertvollere auszuwählen – zum Beispiel Wein, Violinen, Fleischgerichte, Desserts – Gackt lag so gut wie immer richtig, was alle ziemlich beeindruckte. ^^ Es kam noch Iron Chef – eine Kochsendung, in der zwei Köche gegeneinander antreten und deren Gerichte dann von einer Jury bewertet werden. Gegen 23.45 Uhr dann endete die Musiksendung, die laut Aussagen des Gastpapas, wohl jedes Jahr kommt und dann wurden Liveübertragungen von verschiedenen Schreinen in Japan gezeigt – jedoch waren keine aus Tokyo dabei, wie zum Beispiel der Meijischrein, viel mehr wurden Schreine in Kyoto, Sendai und Fukuoka gezeigt. Da man um 24 Uhr Soba isst, bereitete die Gastmama dies zu, wir sagten „akemashite omedetou“ und aßen. Bis 1 Uhr sprachen wir noch, dann gingen wir alle ins Bett und verschoben das hatsumode (ersten Schreinbesuch im Jahr) auf den nächsten Morgen. Alle quälten sich also um 9 aus dem Bett und dann gab es Osechi… Neujahrsessen, mit verschiedensten „Snacks“. Ich weiß auch nicht, dieser Geschmack war einfach nicht meins, so Leid es mir auch tat. Ich konnte nur ein bisschen vom Schweinefleisch essen, das sehr fettig war, dann süßes Ei und aus Fisch zubereitetes… keine Ahnung (das rosa-weiße), aber schaut selbst.  Danach fuhren wir mit der Bahn zu Meiji-Schrein und ahnten, dass die Bahnen sicherlich voll sein würden, aber nichts dergleichen! Wir konnten sitzen! =) Der Weg zum Schrein war bei weitem nicht so voll mit Menschen, wie wir dachten. Nur als wir dann die gerade Strecke zum Schrein erreicht hatten, mussten wir circa 45 Minuten warten, aber ich glaube, jeder hatte mit mehr Wartezeit gerechnet.  Als wir dann innerhalb des Schreingeländes angekommen waren, sah ich noch einmal, wie gut organisiert das alles war – meines Erachtens nach zumindest. Es gab Absperrungen und sie hielten Schilder mit „Bitte einen Moment warten“ und „Bitte langsam vorwärts gehen“ und alle hielten sich daran – vielleicht lag es auch daran, dass alle sich an Absperrungen und Schilder/Anweisungen hielten. Ich fand es zumindest sehr angenehm, weil ich mich auch nicht wie in einer Sardinenbüchse à la Rush Hour-Zug fühlte, sondern frei stehen konnte. Vielleicht sah das in der Nacht anders aus, aber das weiß ich nicht. Wir schmissen dann also in ein riesiges Becken unsere Münzen  und beteten – ich glaub, ich hab es mal wieder falsch herum gemacht mit dem Klatschen und Verbeugen, aber ich hoffe, die Götter mögen mir verzeihen. ^^ Um in das Schreininnere zu kommen, musste man ein „Paket“ mit verschiedenen Inhalten kaufen – ab 95 Euro.  Dann kauften wir noch für das Haus der Kuriyamas einen Pfeil für „Haus- und Familiensicherheit“ und gingen wieder. Das Herumgestehe hatte mich etwas hungrig gemacht und wir aßen auf dem Gelände mit den Imbissständen Okonomiyaki mit Mochi und Käse innen drin – lecker. ^^ Dazu gab es heiße Zitrone – etwas zu süß für meinen Geschmack, aber trotzdem lecker. ^^ Dann ging es zu Jonathans, eigentlich hätte ich nichts zu essen gebraucht, aber wenn man schonmal da ist… ^^° Dort gab es Gemüsegratin, für meine Gastmutter nur ein Dessert und für  meinen Gastvater Shrimp-Makkaroni-Auflauf. Dass die aber auch überall Shrimps reinwerfen müssen… Ich mag Shrimps ja, aber in einem Makkaroniauflauf gehört für mich irgendwas Fleischiges… Naja, andere Länder, andere Zubereitungsarten. ^^ Meine Gasteltern hatten mir außerdem davon erzählt, dass es jetzt um diese Zeit so genannte „fukubukuro“ gäbe, „Glückstüten“, die man kauft (von 1000 bis weiter über 10000 Yen sind alle Preisklassen vertreten, wenn man früh genug da ist, oder weniger beliebte Marken kaufen möchte) und erst nach dem Öffnen erfährt, was drin ist. Das wollte ich  mir mal angucken. Zuerst ging es in die Omotesando Hills, aber die „günstigeren“ (was ist in den Omotesando Hills schon günstig?) waren schon ausverkauft. Wir gingen noch ins Laforet, wo mich meine Gasteltern dann allein herumwuseln ließen. Am liebsten hätte ich ja eine fukubukuro von diesen Lolitaläden gekauft, aber erstens kosteten die ca. 130 Euro und als ich sah, dass ein Mädchen so eine komische schwarze Hose herausholte, wusste ich, dass das wohl eher ein Reinfall werden würde, weil ich das eh nie anziehen würde. Man könnte es höchstens auf Ebay versteigern… Sie trug zwar schwarz, aber besonders glücklich schien sie über die Hose auch nicht gewesen zu sein. Ich ging dann lieber zu den Kosmetikprodukten, weil man dort sehen konnte, was drin war, aber im Endeffekt habe ich dann doch keine gekauft, weil es zu viel gab, was ich nicht benutzt hätte. Sparen wir mal lieber für etwas, was ich wirklich haben möchte. ^^ Dann fuhren wir zurück nach Hause – sitzend. =) Wir aßen dann wieder etwas Westlicher – meine armen Gasteltern! Ich sollte mich wirklich mal zusammenreißen… – mit Brot, Käse und Wurst, aber die beiden aßen auch etwas vom Osechi. Dabei schauten wir eine Art Sportshow – Sportstars mussten Aufgaben lösen und konnten dadurch 10000 oder 100000 Yen gewinnen. Gegen 21 Uhr kam dann die Tochter der Schwester meines Gastpapas, Sachiko, und wir verstanden uns richtig gut… Gackt-Liebhaber scheinen irgendwie einen Draht zueinander zu haben… ^^ Gegen um 1 ging es dann wieder ins Bett, doch zuvor versuchte ich verzweifelt eine halbe Stunde lang meine Haare mit dem Föhn zu trocken… Ich gab es dann um 2 auf und beschloss, ein Handtuch aufs Kissen zu legen… V.V Am 2.1. wurde das Haus gegen 10 Uhr etwas belebter – wir hatten alle länger geschlafen, als wir eigentlich wollten. ^^ Meine Gastmutter stellte mir die Frage nach dem, was mich denn bis jetzt am meisten geschockt hat und ich erzählte von dem Kulturtreff über Liebe und über die Meinung der Teilnehmer. Sie verneinte dies alles und sagte, dass die Jugend von heute anders denkt – nur dass wir es bei Japans mit einer alternden Gesellschaft zu tun haben… ^^° Gegen Mittag kamen dann Sachikos Schwester, Mutter und Vater und es gab Krebs… Da lagen dann also die Krebsbeine auf dem Tisch jeder – außer ich – nahm sich einen und schnitt und kratzte daran und darin herum… Mir verging dann erstmal kurzzeitig der Appetit. Meine Gastmama war so nett und gab mir ein Stück von dem Krebsfleisch. Es schmeckte wirklich gut, aber ich glaube, ich könnte daran nie so herumwerkeln, um das essen zu können, auch wenn es nötig ist, um es essen zu können. Wir fuhren dann abends noch zu einem Steakrestaurant mit dem Namen „Volks“. Dort gab es lecker Brot, nur das Fleisch hätte ich well done bestellen sollen, selbst medium well done war noch etwas blutig… na gut, so ist es sicherlich richtig, ich wusste es bloß nicht. Naja, ich habe aus meinem Fehler gelernt. ^^ Sachiko wollte noch ein Foto mit mir machen – dankeschön. =) Dann sagte der Papa „Sayounara“ und so wird es wohl auch sein – ich werde sie wohl nie wieder sehen. Das ist das Traurige hier in Japan: Man lernt so viele tolle Menschen kennen, aber die wenigsten davon sieht man wirklich regelmäßig, wenn überhaupt mal wieder… Warum ist das so? Mach ich irgendetwas falsch? Ich weiß es nicht und ich wünschte, jemand könnte mich darüber aufklären…

Ich bin meinen Gasteltern zumindest sehr dankbar, dass sie mir ermöglicht haben, diese Zeit mit ihnen verbracht haben zu können!

Über Julia Streubel

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