{"id":77,"date":"2024-04-27T17:43:15","date_gmt":"2024-04-27T15:43:15","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/kiseminar\/?p=77"},"modified":"2024-05-14T08:44:37","modified_gmt":"2024-05-14T06:44:37","slug":"koennen-programme-gute-texte-schreiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/kiseminar\/2024\/04\/koennen-programme-gute-texte-schreiben\/","title":{"rendered":"K\u00f6nnen Programme gute Texte schreiben?"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Mit dieser Frage besch\u00e4ftigt sich Phillipe Wampfler in seinem gleichnamigem Artikel von November 2021. In meinem Kommentar gebe ich die bei ihm durchgehend implizierte Antwort vorweg: Ja und Nein. Was hei\u00dft das?<\/p>\n\n\n\n<p>In gewissen Punkten verh\u00e4lt sich der Lern- und Schreibprozess wie beim Menschen: Grundregeln von Sprache und Schrift werden erlernt und angewendet, und durch Wiederholen verbessert. Das war es dann auch. Eine KI funktioniert letzten Endes ganz anders als unser subjektiv arbeitendes Bewusstsein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-rounded\"><img loading=\"lazy\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/kiseminar\/files\/2024\/05\/6-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-170\" srcset=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/kiseminar\/files\/2024\/05\/6-683x1024.jpg 683w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/kiseminar\/files\/2024\/05\/6-200x300.jpg 200w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/kiseminar\/files\/2024\/05\/6-768x1152.jpg 768w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/kiseminar\/files\/2024\/05\/6.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Gehen wir die Geschichte der k\u00fcnstlichen Textproduktion durch \u2013 vom&nbsp; Poesieautomaten von Enzensberger, \u00fcber die Markow-Kette, bis zu ChatGPT \u2013, fehlen zwei entscheidende Faktoren, um einen selbstst\u00e4ndig und bewusst guten Text zu schreiben: die Kreativit\u00e4t, so wie wir sie verstehen; und das Bewusstsein um den semantischen Gehalt der Sprache. Wo kein Bewusstsein, da keine Kreativit\u00e4t. Was meine ich mit \u201eKreativit\u00e4t, so wie wir sie verstehen\u201c?<\/p>\n\n\n\n<p>Interessanterweise antwortet mir ChatGPT auf die Frage \u201eKannst du kreativ sein?\u201c Folgendes:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\"><sup><sub>Als KI-Modell kann ich kreativ sein, aber auf eine andere Art als Menschen. Meine Kreativit\u00e4t basiert auf der F\u00e4higkeit, Muster in den Daten zu erkennen, die ich w\u00e4hrend meines Trainings gelernt habe, und diese Muster auf neue Weise zu kombinieren, um Texte zu generieren, die f\u00fcr menschliche Leser interessant und ansprechend sein k\u00f6nnen. W\u00e4hrend meine Kreativit\u00e4t nicht mit der von Menschen identisch ist, kann ich dennoch auf vielf\u00e4ltige Weise neue Texte und Ideen erzeugen.<\/sub><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Die KI ist sich demnach ihrer Bewusstlosigkeit <em>bewusst<\/em>. Und sie greift hier auch Inhalte aus Wampflers Artikel auf, n\u00e4mlich wie textbasierte Programme eigentlich die Sprache lernen, ohne sie zu verstehen. Obwohl selbst neuronale Netzwerke viel weiter differenzieren, wie Sprache funktioniert (als der Poesieautomat, welcher eher auf Wortlisten zur\u00fcckgreift, oder die Markow-Kette, welche bestehende Muster reproduziert) und deren Algorithmen mit \u00fcber 170 Milliarden Parametern die Regeln f\u00fcr \u2013 und die Strukturen von Texten <em>gelernt <\/em>haben, verstehen Diese ihre eigenen Erzeugnisse nicht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Denn wie Kathrin Passig schreibt; es brauche ein Hervorbringer- und ein Bewertungssystem, um die Qualit\u00e4t eines Textes zu evaluieren. Das Hervorbringersystem ist unser hier behandelter Gegenstand, die K\u00fcnstliche Textproduktion. Die Bewertung bleibt der Mensch. Da die Qualit\u00e4t eines Textes auch mitunter eine subjektive Bewertung ist, kann die Bewertung nat\u00fcrlich nur von einer subjektiven Instanz erfolgen. Die KI kann ohne uns als Beurteilende keine guten Texte schreiben, weil es ohne uns als Rezipient*innen keinen Bewertungsma\u00dfstab zwischen gut und schlecht gibt. So fragt sich Wampfler gegen Ende, \u201e(\u2026) wozu es den automatisierten Text \u00fcberhaupt braucht (\u2026), wenn wir diese Rolle nicht mehr einnehmen m\u00fcssen (\u2026)\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Abschluss ein weiteres Zitat, welches ich den Lesenden nicht vorenthalten will. Ich habe einfach ChatGPT aus Spa\u00df gefragt \u201eK\u00f6nnen Programme gute Texte schreiben?\u201c und ChatGPT fasst Wampflers Ausf\u00fchrungen erstaunlich gut zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p><sub>Programme wie ich k\u00f6nnen durchaus Texte schreiben, die von Menschen als qualitativ hochwertig und ansprechend empfunden werden. Jedoch gibt es einige Einschr\u00e4nkungen und \u00dcberlegungen:<\/sub><\/p>\n\n\n\n<ol><li><sub><strong>Verst\u00e4ndnis des Kontexts:<\/strong> Programme k\u00f6nnen Informationen auf der Grundlage der Daten verarbeiten, die sie gelernt haben. Sie k\u00f6nnen jedoch den Kontext nicht immer vollst\u00e4ndig erfassen oder die Bedeutung hinter den Informationen verstehen, was zu gelegentlichen Fehlinterpretationen f\u00fchren kann.<\/sub><\/li><li><sub><strong>Kreativit\u00e4t:<\/strong> Programme k\u00f6nnen kreative Texte generieren, basierend auf den Mustern und Strukturen, die sie aus den Trainingsdaten gelernt haben. Allerdings fehlt ihnen oft das echte Verst\u00e4ndnis von Kreativit\u00e4t, das menschliche Autoren haben, und sie k\u00f6nnen manchmal stereotypische oder vorhersehbare Inhalte produzieren.<\/sub><\/li><li><sub><strong>Korrekturlesen und \u00dcberarbeitung:<\/strong> Programme k\u00f6nnen Texte schnell generieren, aber sie sind nicht in der Lage, den kritischen Blick eines menschlichen Redakteurs zu ersetzen. Die Endqualit\u00e4t des Textes h\u00e4ngt oft davon ab, wie gut der Text \u00fcberarbeitet und korrigiert wird.<\/sub><\/li><li><sub><strong>Ethische \u00dcberlegungen:<\/strong> Bei der Verwendung von KI-generierten Texten m\u00fcssen ethische \u00dcberlegungen ber\u00fccksichtigt werden, insbesondere in Bezug auf die Authentizit\u00e4t und die m\u00f6gliche Verbreitung von Fehlinformationen.<\/sub><\/li><\/ol>\n\n\n\n<p><sub>Insgesamt k\u00f6nnen Programme wie ich hochwertige Texte generieren, aber es ist wichtig, ihre Grenzen zu erkennen und menschliche Intervention und \u00dcberpr\u00fcfung in den Prozess einzubeziehen, um die bestm\u00f6gliche Qualit\u00e4t sicherzustellen.<\/sub><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dieser Frage besch\u00e4ftigt sich Phillipe Wampfler in seinem gleichnamigem Artikel von November 2021. In meinem Kommentar gebe ich die bei ihm durchgehend implizierte Antwort vorweg: Ja und Nein. Was hei\u00dft das? 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