die Neugierde, zu kritisieren

„Der Ton wird rauer, viele fühlen sich autorisiert jegliche Regeln oder Verbindlichkeiten von Höflichkeit fahren zu lassen.“.

So Andreas Montag, Kultur Ressortleiter der Mitteldeutschen Zeitung. Er spricht jedoch nicht über unsere Diskussionsrunde am Dienstag, sondern über die Reaktionen der Leser:innen auf seine Kritiken und kritischen Beiträge. Gesagt werden darf alles: die Zensur sei in Deutschland Geschichte. Heutzutage gäbe es nur noch die Grenzen, die wir uns selbst setzen. Auch wenn Kritik bekannterweise nicht immer auf Zustimmung trifft, sei es Künstler:innen im Grunde genommen lieber, wenn sie tatsächlich eine Kritik für ihre Arbeit und keine Gefälligkeit bekämen, berichtet Montag.

Bastian Zimmermann ist der zweite Gast, den wir begrüßen dürfen. Als Herausgeber der Fachzeitschrift für neue zeitgenössische Musik „Positionen“ schreibt auch er unter anderem professionelle Kulturkritiken. Doch warum überhaupt eine Kritik schreiben? „Ästhetische Phänomene stehen ja nicht nur für sich, sondern alles hat irgendwie eine Motivation, hinter die man kommen kann.“, erklärt er. 

Beide sind sich einig: Eine Kritik schreiben sie für Menschen, die sie mit ihrer Neugier anstecken wollen. Sie versuchen die Rezipierenden in einen Diskurs hineinholen; ihnen zu zeigen: hier ist gerade etwas passiert, was nicht gänzlich unwichtig ist. 

Wie kritisiert man jedoch professionell? Wesentlich sei die Distanz zum Thema der Kritik. In einer regionalen Zeitschrift keine leichte Angelegenheit. Laut Montag sei der eigene Umgang damit aber immer noch eine Frage der persönlichen Freiheit und Souveränität. Wann hat meine Beurteilung einen allgemeingültigen Wert? „Man muss neugierig sein, viel gesehen haben und möglichst viel kennen — sich aber trotzdem überraschen lassen können.“. Hat Meinung da überhaupt einen Platz? 

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