Die Zukunft der Printmedien- analog oder digital?

Im Rahmen des Seminars „Journalismus-Kritische Theorie und kritische Praxis“ hatten wir Student-innen der MLU am 23.11.2021 die Möglichkeit, zwei Mitglieder aus der Branche der Printmedien zu ihren Tätigkeiten zu befragen: Andreas Montag, Autor und gleichzeitig Journalist der Mitteldeutschen Zeitung und Bastian Zimmermann, CO-Herausgeber und CO-Redakteur der Musikfachzeitschrift „Positionen“.

Dabei wurden viele interessante Fragen und Diskussionspunkte angesprochen. Unter anderem ging es um die Frage: „Wie wird die Zukunft der Printmedien durch den Einfluss der Digitalisierung aussehen?“

Dass die Digitalisierung in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung hingelegt hat, ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. Dies führte in vielen Lebensbereichen zu einschneidenden Veränderungen. So auch im Bereich der Printmedien. Durch das unendlich breite Spektrum an digitalen Informationsmöglichkeiten gibt es kaum noch ein analoges Printmedium, welches schwarze Zahlen schreibt. Die rote Farbe überwiegt bei den Printmedien schon seit mehreren Jahren deutlich. Somit mussten und müssen auch die Zeitungen, Fachzeitschriften & Co reagieren und ihre Inhalte und Formate entsprechend der fortlaufenden Entwicklung anpassen.

Dazu stellten wir unseren beiden Vertretern der Printmedien die Frage, ob sie denken, dass das analoge Medium durch die Digitalisierung gänzlich aufgelöst werden wird.

Die Antworten waren klar und deutlich:

Bastian Zimmermann verneinte die Frage.Seiner Ansicht nach, lese man im Onlineformat „nicht richtig“. Wer hat sich nicht schon mal dabei ertappt, einen Online-Artikel lesen zu wollen und dann doch nur grob drüber zu huschen und den Inhalt gar nicht richtig zu erfassen? Ich denke, das hat vor allem etwas mit dem schnellen Wandel des Online-Formates zu tun. Man hat nichts Haptisches, unveränderliches, worauf man sich stützen kann. Schaut man nur mal eine Sekunde weg, erscheint am Rand des Artikels schon wieder eine neue Werbung für ein Produkt. Somit schweift die Aufmerksamkeit enorm schnell ab und man hat schon wieder vergessen, dass man ja eigentlich den Artikel lesen wollte.

Hat man eine Zeitschrift in der Hand, so Zimmermann, beschäftige man sich viel mehr mit dem Objekt der Zeitschrift an sich. Nicht umsonst hat der CO-Herausgeber nach der Übernahme der Zeitschrift vor drei Jahren einen gewaltigen Relaunch mit einer völlig neuen Gestaltung der analogen Zeitschrift durchgesetzt.

Etwas Haptisches in der Hand zu haben, ein Objekt, mit dem man sich detailliert auseinandersetzen kann- das Gefühl des Papieres in den Händen, das Gewicht des Mediums, der Geruch der frisch gedruckten Seiten- dies alles überzeugt noch viele Leser, beim analogen Medium zu verharren.

Dies bestätigen auch die Leserzahlen der Musikfachzeitschrift Zimmermanns: nach seinen Angaben lesen gerade einmal 30 Leute die E-Ausgabe der Zeitschrift, währen der Rest der Leserschaft das analoge Medium bevorzugt.

Ähnlicher Meinung ist auch Andreas Montag: auch bei einer Tageszeitung, wie der MZ, sei es, so Montag, „ein sinnliches Vergnügen“, die Zeitung als gedrucktes Objekt in den Händen zu halten. Weiterhin betont die Entwicklung in den USA, die schon mit einer Umkehrung des Trends einhergeht. In diesem „Rollback“ werden nun wieder Zeitungen als analoge Objekte gedruckt, die schon auf eine völlige Online-Version umgestiegen waren. Und welcher Trend aus den USA schwappt bitte nicht auf Deutschland über?

Es scheint analoge Medien zu geben, die wohl nie vom Wahn der Digitalisierung begraben werden. Schallplatten gibt es auch in Hülle und Fülle und werden wieder gern gekauft. Ein ähnlicher Trend lässt sich im Moment, wenn auch in abgeschwächter Form, bei Kassetten verzeichnen. Auch dem Medium Kino wurde das Aussterben schon unzählige Male prophezeit und nichts dergleichen ist passiert.

Warum sollten dann also Printmedien, wie Zeitschriften und Zeitungen, nicht auch solch eine „Wiederbelebung der analogen Form“ erleben?

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