Internetpräsenz und was sie mit sich bringt…

Es ist immer wieder schön, Mäuschen zu spielen und zu lauschen, wenn andere aus dem Nähkästchen plaudern. Andreas Montag erzählte am Dienstag aus seinem ereignisreichen Berufsleben und ging dabei auch auf den für mich sehr spannenden Aspekt „Kritik der Rezipienten“ ein. Seinen Eindruck, dass der Ton der Leserinnen Schaft mit zunehmender Onlinepräsenz der Medien immer rauer wird, konnte ich gut nachvollziehen. Es hätte zwar wohl schon immer kritische Stimmen und Reaktionen auf Texte gegeben, aber die Qualität der „Ausfälle“ habe sich drastisch geändert. Das Phänomen, dass Leserinnen auf Anonymität verzichten, wenn sie dekonstruktive Kritik und zuweilen auch schlichte Beleidigungen verfassen, lässt sich, denke ich, auf den unmittelbaren Charakter des Internets zurückführen. Hier habe ich eine sehr wichtige (und in unserem Fall auch generationenübergreifende) Schnittstelle ausgemacht; den regen Austausch über den individuellen Umgang mit Hass im Internet. Ich bin mit Social-Media und einer gewissen Internet-Verletzlichkeit aufgewachsen, deswegen ist mein erster Impuls, wenn ich mit solchen Kommentaren konfrontiert werde Selbstschutz. Nicht darauf eingehen, nicht reagieren, wenn nötig die Userinnen sogar blocken oder melden. Andreas Montags Ansatz, einigen Menschen tatsächlich zu antworten, Zeit und Nerven aufzubringen und (wenn erfolgreich) damit einigen die Augen zu öffnen hat mich sehr beeindruckt. Ich denke, es braucht genau diese Form von Courage von einer breiteren Masse. Denn nur so lernen wir, auch mit Meinungen, die nicht der eigenen entsprechen, umzugehen und unsere Augen nicht vor den Gefahren solcher Interaktion zu verschließen. Das Nicht-Reagieren kann nämlich im Umkehrschluss genauso gut dazu führen, dass sich die Hass-Kommentarschreiberinnen in ihrer Blase abkapseln und bestätigt fühlen.

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