Ist Printjournalismus out?

Im Interview mit den Journalisten Andreas Montag von der „Mitteldeutschen Zeitung“ und Bastian Zimmermann von der Fachzeitschrift für zeitgenössischen Musik „Positionen“ stellt sich vor allem eines heraus: Printjournalismus ist out. Ist das jetzt gut oder schlecht, und könnnen wir daraus noch was lernen?

Andreas Montag erreicht als Erster das digitale Meeting und erscheint prompt schräg in seiner eigenen Kachel. Die schräge Position des Ältesten (und wohlgemerkt wohl auch erfahrensten) der Runde, soll sich noch als wirkmächtiges Bild für die kommende Gesprächsrunde entpuppen. Er ist nämlich an vielen Punkten in seiner Karriere als Journalist und freier Autor angeeckt. Sei es in der DDR, in der viele seiner Werke der Zensur zum Opfer fielen oder auch im wiedervereinigten Deutschland, als er eine vieldiskutierte Reportage zu einer Gruppe von Neonazis in Halle Neustadt für die MZ schreibt.

Selbst im Gespräch schafft er es nicht raus ohne anzustoßen – er wiederholt eine wüste Beschimpfung, die ihn über Soziale Medien erreicht habe und spricht dabei N-Wort und Z-Wort aus. Damit reproduziert er rassistische Sprache. Fraglich bleibt in diesem Licht wie glaubhaft Montags Appell einzuordnen ist, die Bewahrung der Ästhetik der deutschen Sprache und das Vermeiden von „Schludrigkeiten“ sei wohl eher die wichtigere Frage, als ob denn der Print irgendwann verschwunden gewesen sein wird. Futur Zwei empfindet Montag übrigens auch als unästethisch.

Herrn Montag muss jedoch zugestanden werden, dass er weiß worüber er spricht. Seine Tipps zum Handwerk Journalismus haben diesen Kommentar gerettet, die Angst vorm weißen Blatt, die „horror vacui“ zu besiegen, davon versteht er viel. Erfahrung sammeln, eigene Neugier ergründen, sich selbst über Themen im Klaren werden und vor allem Ruhe bewahren – diese Hinweise helfen ungemein jungen Journalist*innen auf ihren Weg hin zum Schreiben.

Bastian Zimmermann erscheint neben dem „meinungsfrohen“ Andreas Montag im Interwiew fast schon unscheinbar, dabei wirft er durchaus interessante Themen auf, die aktueller nicht sein können. Seine Zeitschrift überlebe in seiner Rolle als Spartenzeitschrift gerade so gut, weil sie keine Mainstream-Themen bediene. Klingt erstmal paradox, aber trifft wohl einen wahren Kern, denn alle Mainstream-Themen findet jede*r im Internet zu jeder Zeit. Für Themen, die nicht jeden*r interessieren, gibt es dann wohl die Positionen.

Interessant wird es dann auch, als Zimmermann zu der Aussage gelangt, dass man Online nicht wirklich lesen würde, Print allerdings schon. Wie bei so vielen heiß diskutierten Themen ist diese Aussage nur so halb richtig. Klar ist, dass es für viele etwas anderes ist, wenn Erzeugnisse des schöpfenden Geistes materiell vor ihnen liegen oder ob sie über den heimischen Bildschirm flimmern. Allerdings ist hierfür nicht ausschlaggebend welche Form ein Text annimmt, sondern wie sich das Einstellung des Rezipierenden zum Werk gestaltet. Wer „wirklich“ online lesen will, der- oder diejenige kann das auch, dafür braucht sich niemand einen Artikel auszudrucken.

Es ist schlussendlich festzhalten, dass es noch viel vom „altmodischen (Print-)Journalisten“ zu lernen gibt, auch so viele Aspekte, die es nicht in diesen Kommentar geschafft haben – zum Beispiel wie journalistische Produktionen finanziell rentabel werden und bleiben, um nur einen riesigen Komplex zu nennen. Gerade aber die Auseinandersetzung mit den alten Typus von Journalist ist das wertvollste, das aus diesem Gespräch zurück bleibt. Aber eines sollte trotzdem Konsens bleiben: Printjournalismus ist out, zumindest jedoch nicht mehr Mainstream.

One thought on “Ist Printjournalismus out?

  1. Sehr guter Kommentar: guter, sinnlicher Einstieg (über die schiefe Kachel), dann auch im Text mit gutem Überblick, eigener Auswahl und v.a. guter Schreiber – und nicht zuletzt das Anstoßen einer Kontroverse: zum ›N‹, bzw. ›Z‹-Wort…

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