Kritik, aber bitte nicht zu kritisch: Zwei Redakteure erzählen

Kritik ist ein schwieriges Thema. Wir alle kennen es, wenn wir in einem Café statt einem Latte Macchiato einen Cappuccino bekommen und uns einfach nicht trauen, etwas zu sagen. Sich kritisch zu äußern ist eine schwierige Angelegenheit, sei es in der Schule, Uni oder Arbeit, in der Familie oder der*dem unfreundlichen Busfahrer*in gegenüber. Zugegebenermaßen ist das ein Problem, was Frauen* häufiger betrifft als Männer*. Frauen* wurden Jahrtausende dafür ausgegrenzt, bestraft und ermordet, wenn sie Kritik äußerten. Und auch heute ist es für Frauen* in vielen Ländern und Situationen gefährlich, wenn sie ihre Meinung sagen. Kritik ist also keine einfache Sache und das gleiche, was wir im Alltag erleben, passiert auch im journalistischen Bereich, der Kulturkritik. Im Rahmen einer Diskussionsrunde der Universität Halle wurden die Redakteure Andreas Montag (Kultur Ressortleiter der Mitteldeutschen Zeitung) und Bastian Zimmermann (Redakteur der Zeitschrift Positionen) eingeladen, um von ihren Erfahrungen zu berichten. Andreas Montag befindet sich schon mehrere Jahre im Geschäft der Kulturkritik und betont, dass er nicht vor meinungsstarken Artikeln zurückschreckt. Er berichtet, dass auch er es kennt, wenn man sich zur Freundlichkeit geradezu verpflichtet fühlt. In einer Anekdote erzählt er, dass ein Regisseur zwei Jahre nicht mit ihm gesprochen hat, nachdem Montag einen kritischen Artikel über ein Theaterstück von ihm veröffentlicht hatte. Bastian Zimmermann hat auch ähnliche Erfahrungen gemacht, was seine kritischen Arbeiten betrifft: Eine Rezension von ihm wurde nicht angenommen, weil sie “zu kritisch” sei. Das versucht er in der Zeitschrift Positionen zu ändern, indem er beispielsweise darauf achtet, dass die Autor*innen einen nicht zu starken Bezug zu einem Thema haben, damit sie eine kritische Sicht bewahren können. Die Erfahrungen von Zimmermann und Montag decken sich mit Alltagserfahrungen, die viele von uns machen. Wenn wir Kritik äußern zieht es oft Konsequenzen mit sich, die man in jedem Einzelfall abwägen muss. Jedoch ist Kritik ein wichtiges Werkzeug, um in den Diskurs zu kommen und uns weiterzuentwickeln. Also: Mut zur Kritik, komme was wolle!

Anmerkung: Das Gespräch mit Andreas Montag und Bastian Zimmermann fand am 23.11.2021 im Rahmen des Seminars “Handlungsfelder der Medienpraxis: Journalismus” statt.

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