Nostalgie & Besitz

In der Diskussion im Seminar am 23.11.21 ging es an einer Stelle um die Frage nach der Entwicklung der Zeitung im Sinne der Unterscheidung von Print und Digital. Wird die Zeitung und oder die Zeitschrift wirklich in Zukunft nur noch digital vorhanden sein oder wird die Nostalgie und das gefüllte Bücheregal siegen?

Herr Montag von der Mitteldeutschen Zeitung sieht in diesem Zusammenhang einen Rückwärtstrend in der Entwicklung von Printmedien. Seine Beobachtung in den USA sagt z.B. aus, dass die Zeitungen alle auf den Digitalisierungs-Zug aufgesprungen sind ihn allerdings auch schnell wieder verlassen haben. Viele große Zeitungen setzten in dieser Zeit scheinbar darauf die Printversion komplett vom Markt zu verbannen und auf Digital-Paper zu setzen. Interessanterweise bildet sich dieser Trend laut Angaben seitens Herrn Montag wieder zurück. Doch woran könnte das liegen?

Herr Zimmermann von der Zeitschrift Positionen äußerte sich zu dem Thema zunächst mit der Aussage, dass wir ja eigentlich gar nicht richtig lesen, wenn wir im Internet lesen. Seiner Meinung nach ist es zum Beispiel wichtig seine Zeitschrift zu einem Gegenstand zu machen mit dem man sich beschäftigen will. Hierzu zählen dann neben den eigentlichen Artikeln auch die Haptik, das Design, das Gewicht, die Wahl des Papiers und so weiter. Dies führt wohl zu einer intensiveren Beschäftigung mit der Zeitschrift, da sie nun als Gegenstand verstanden werden kann, dessen Aussehen, Haptik und Inhalt gleichermaßen interessant sind. Ob hier wohl der Besitz eine Rolle spielt?

Meine Gedanken hierzu beziehen sich auf viele Trends die in der Gesellschaft beobachtbar sind. Alle fotografieren mit ihren intelligenten Telefonen, hören über Streaming Dienste Musik, schauen online Filme oder lesen eben online Magazine. Interessanterweise haben jedoch Schallplatten und analoge Kameras gerade einen Aufschwung. Ich denke, dass sich hier zum einen die Erinnerung an die „guten alten Zeiten“ breit macht. Zum anderen bin ich der Meinung, dass unsere Gesellschaft nicht dazu in der Lage ist Besitz ins Digitale zu übersetzen. Wir kaufen keine Musik, Filme, Bücher mehr in klassischer Form. Wir leihen sie und wenn wir sie kaufen, dann verschwinden sie entweder in den unübersichtlichen Tiefen der Festplattencodes oder in einer der Serverstädte im Silicon Valley. Ich denke die bloße Tatsache ein Album, eine Zeitung oder eine DVD zu besitzen führt wie auch Herr Zimmermann meinte zu einer tiefgreifenden Beschäftigung mit dem Inhalt. Einfach aus dem Grund das es allein unseres ist und wir nicht nur den digitalen Zugriff dafür erworben haben mit dem wir uns dann durch endlos lange Listen von Inhalten arbeiten müssen, wovon uns die Hälfte doch sowieso nicht interessiert.

One thought on “Nostalgie & Besitz

  1. Interessanter Vergleich mit dem wiederkehrenden Trend von Schallplatten und analogen Kameras. Ich glaube, dass es dieses Phänomen durchaus auch bei (Fach)Magazinen gibt. Ich denke aber, dass es gerade Tageszeitungen in der Zukunft schwer haben werden. Gerade bei Tagesaktuellen „News“ nehme ich doch an, dass viele lieber aufs schnelle und suchspezifische Internet zurückgreifen.

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