Sind Journalist:innen frei in ihrer Meinung?

Durch Die Entwicklung des Internets konnte die ungefilterte Meinungsfreiheit noch einmal revolutioniert werden. Ob positiv oder negativ, ist noch ungewiss. Gewiss ist allerdings, dass das Misstrauen der Menschen in die Berichterstattung zunimmt. Denn Dinge in Online-Beiträgen ausbügeln, ist ganz einfach. Einfach kurz ins Backend wechseln, den Fehler abändern, die Seite aktualisieren und fertig ist der Lack. Das Problem dabei: Artikel sind nur noch ein work-in-progress, schließlich können sie jederzeit bearbeitet und angepasst werden.

Das Misstrauen schwappt auch in das altbewehrte Medium Zeitung über – Stichwort „Lügenpresse“. Andreas Montag, Ressortleiter Kultur bei der MZ, wuchs in Zeiten der Zensur auf. In der DDR ist er einer von denen, deren Arbeit abgewiesen oder eingeschränkt wird. Sein Buch erzähle zu viel von der Mauer, sein fertiggestelltes Drehbuch wird nie verfilmt. Doch Zeiten ändern sich. Heute, sagt er, könne er seine Meinung ungefiltert ausdrücken. Er mag es meinungsstarke Artikel zu verfassen. Dabei ist es ihm egal, wie gut er das Subjekt seiner Kritik kennt. Ihm ist es wichtig seine Freiheit auszuleben und seine ehrliche Meinung preiszugeben, so hart sie auch sei.

Trotzdem, erklärt er, gäbe es genug Kolleg:innen die dieses Privileg nicht nutzen und sich selbsterdachte Filter auferlegen. Viele meiden „heikle“ Themen, haben Angst durch ihre Meinung vorschnell verurteilt zu werden. Auch hier hat Onlinewelt ihre Finger im Spiel: Die Angst im Internet beleidigt und bedroht zu werden, ist inzwischen oft keine Fantasie mehr. Auch damit hat Montag Erfahrung gemacht. Seine Hetzmails beantwortet er nüchtern und in feinster Manier. Wenn sich der hassvolle Kritiker dann noch mal zu Wort melden sollte, wirke er eher kleinlaut und überrascht, erzählt Montag. Doch das ist nicht immer der Fall. In den letzten Jahrem häufen sich Übergriffe auf Medienschaffende.

Doch wie können wir uns von der Frage „Kann ich das überhaupt noch sagen?“ wieder losreißen? Diese Frage gilt es zu beantworten. Denn die eigens kreierten Filter schränken die Berichterstattung und Freiheit der eigenen Meinung erheblich ein. Dabei sollte es doch Ziel aller Journalist:innen sein, den gesellschaftlichen Diskurs durch eine breitgefächerte Berichterstattung voranzutreiben. Medien haben die Macht zu vermitteln, übersetzen, verbinden, enthüllen aber auch zu polarisieren, verschleiern und zu verfälschen. Um letztere Punkte zu bekämpfen, sind wir auf die vielfältigen Beiträge der Journalist:innen angewiesen. Denn von ihnen lebt unsere Demokratie.

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