Sprache – geht sie verloren oder ändert sie sich?

Wir hatten am Dienstag eine sehr interessante Diskussionsrunde mit Andreas Montag von der MZ und Bastian Zimmermann von der Zeitschrift Positionen. Es ging um Print, Zeitungen und Zeitschriften und natürlich um Kulturjournalismus. Aber es ging auch um das Thema der Sprache, das bei mir im Kopf hängen geblieben ist.

Andreas Montag hatte zum einen von den Diskussionen im Internet gesprochen, aber auch davon wie sich Sprache verändert und teilweise eben auch verloren geht.

Ich finde es immer schwierig, wenn Menschen von einem Untergang der Sprache reden. Damit meine ich jetzt nicht Andreas Montag, aber es ist ein Punkt, den ich immer wieder höre und der mir jedes Mal aufstößt. Sprache verändert sich und das hat sie auch schon immer. Und das ist auch gut so. Schließlich wollen wir ganz sicher nicht mehr reden, wie die Menschen damals im Mittelalter. Mir ist das sehr deutlich aufgefallen, als ich vor Jahren in Australien war. Der Austauschschüler, den ich dort besucht hatte, war in einer Gemeinde mit deutschen Wurzeln. Die Älteren dort sprachen deutsch, aber eben das Deutsch, was vor achtzig oder hundert Jahren gesprochen wurde.

Wenn sich Sprache also verändert, stellt sich die Frage, wie sie sich verändern soll. Was wollen wir beibehalten, was brauchen wir nicht mehr? Brauchen wir Zeitformen, die im Alltag aber einfach nicht mehr verwendet werden? Das sind Fragen, die jeder für sich selbst beantworten muss. Aber die Sprache geht nicht unter, sie verändert sich und es ist eine Veränderung, die wir alle mitgestalten können.

Mir kamen auch Gedanken über den Zusammenhang von Sprache und Diskurs. Auch darüber haben wir während der Diskussionsrunde und auch schon davor im Seminar gesprochen. Mit der Sprache, die ich wähle, schließe ich immer bestimmte Personen aus. Die wollen oder können dann den Text nicht lesen. Auch hier ist Sprache wieder etwas, was nicht nur über die Zeit hinweg, sondern auch in unterschiedlichen Gruppen verschieden ist.

Ich fand es gerade gut, dass Andreas Montag eben auch auf Hasskommentare eingeht und diese beantwortet, solange darin noch Kritikpunkte sind. Auch wenn das natürlich keine Art ist, Kritik zu formulieren, sollte man trotzdem darauf eingehen. Denn es gibt in unterschiedlichen Gruppen unterschiedliche Sprachen und nur weil die andere Person, Wörter benutzt, die ich niemals benutzen würde, macht das ihre Kritik nicht unbedingt schlechter. Aber auch bei meiner Antwort sollte ich dann versuchen, auf die Sprache sowie auf die Argumente des anderen einzugehen. Natürlich ohne dabei selbst beleidigend zu werden.

Generell finde ich das bei den eigenen Texten sehr wichtig. Jeder Mensch sollte in den Diskurs integriert werden. Das heißt nicht, dass man jetzt unbedingt jeden Text auf dem niedrigsten Niveau schreiben muss, damit ihn ja jeder versteht. Das schaffe ich jetzt gerade auch nicht. Aber Diskurse sollten meiner Meinung nach in möglichst vielen gesellschaftlichen Ebenen und damit auch in möglichst vielen verschiedenen Varianten von Deutsch (und natürlich auch anderen Sprachen) geführt werden. So können eben auch möglichst viele Menschen ihre Meinung abgeben und fühlen sich gehört. Und gerade das ist in einer Demokratie wichtig: Dass sich jeder an einem politischen und gesellschaftlichen Diskurs beteiligen kann.

One thought on “Sprache – geht sie verloren oder ändert sie sich?

  1. Ich finde es sehr interessant, dass du das Interview unter dem Aspekt der Sprache betrachtet hast. Auch dein Text dazu ist sehr aufschlussreich und thematisiert den Sprachwandel anschaulich und aus interessanten Blickwinkeln. Sehr gut gefallen hat mir, wie du deine eigene Erfahrung aus Australien mit eingebracht hast. Das hat perfekt zum Thema gepasst und macht den Diskurs greifbar.

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