Von Print zu Online – Journalist_innen im Transformationsprozess

Im Rahmen unseres Seminars “Handlungsfelder Medienpraxis: Journalismus” durften wir als Kurs am vergangenen Dienstag mit den zwei Journalisten Andreas Montag und Bastian Zimmermann ins Gespräch kommen. Der für die Mitteldeutsche Zeitung arbeitende Andreas Montag und Bastian Zimmermann, einer der Herausgeber des Fachmagazins „Positionen“, welches sich auf die zeitgenössische Musikszene fokussiert, haben in der Diskussion verschiedene Positionen und Blickwinkel vertreten. Unter anderen waren die Themen der Kulturkritik sowie der Umgang des Journalismus in Zeiten der zunehmenden Digitalisierung zentral.

Obwohl Andreas Montag sich in der MZ vor allem an ein Breitenpublikum adressiert, und Bastian Zimmermann in dem Magazin „Positionen“ ein kleines Fachpublikum anspricht, wurden einige Gemeinsamkeiten bezüglich Kritiken deutlich. Beide haben häufig das Gleichgewicht zwischen Distanz und Nähe betont. Wichtig sei, Distanz zum Thema der Kritik zu wahren, so dass man unabhängig von persönlichen Beziehungen kritisch bewerten kann. Jedoch, sei eine Nähe zum Thema, also ein gewisses Auskennen mit der diskutierten Thematik, wichtig. Aber ist es möglich, immer das richtige Maß zwischen Distanz und Nähe zu finden, um eine faire Kritik zu verfassen? Oder ist es nicht gerade eine gewisse Subjektivität, die den Reiz einer Kritik ausmacht und Leser_innen zu Diskussionen anregt? Die Antwort darauf ist wahrscheinlich genauso subjektiv. So muss man als Journalist_in wohl seinen, auf Erfahrungen basierenden, Maßstab an die Texte anlegen.

Beide Interviewpartner haben sich auch zur zunehmenden Digitalisierung im Bezug auf ihr Medium geäußert. Klar ist, der Umstieg von Print zu Online findet statt und ist sehr dynamisch. Die Tageszeitung MZ setzt zunehmend auf mehr online Präsenz und gibt sich in diesem Bereich sogar etwas liberaler. Verständlich, schließlich ist vermehrt ein jüngeres Publikum online zu finden! Um mit der Zeit zu gehen ist es also zwingend notwendig, auf diese neuen Trends und Änderungen einzugehen. Bastian Zimmermann räumt auch die Notwendigkeit ein, auf das online Medium einzugehen. Bei dem Magazin „Positionen“ sei es jedoch nur ein sehr geringer Teil der Abonnenten, welcher das online Angebot in Anspruch nehmen würde. Bei dem doch sehr spezifischen Fachpublikum werde die hochwertige Haptik des Magazins noch mehr geschätzt als bei Tageszeitungen. Auf die Nachfrage, ob Printmedien in Zukunft komplett von online Medien verdrängt werden würden, waren sich beide Journalisten jedoch einig. Nein! Es werde stets ein Publikum geben, welches auf Printmedien setze und diese schätze.

Der traditionelle Journalismus erfährt gerade eine Transformation von viel Print und wenig Online zu wenig Print und viel Online! Für die seit Langem im Beruf stehenden Journalisten wird es deshalb unumgänglich sein, sich nicht dieser Transformation zu verschließen. Im Gegenteil, es muss mit der Zeit gegangen werden. Für das Bestehen der traditionellen Medien ist es absolut essentiell, den aktiven Dialog mit der jungen Generation zu suchen, um den Puls der Zeit zu erspüren. Die hier geführte Diskussion sehe ich deshalb als positives Beispiel eines solchen Diskurses.

Weiter so! Dann werden sich auch in Zukunft die Mediennutzer an einem vielseitigen und zeitgerechten kritischen Kulturjournalismus erfreuen können.

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