Wirklichkeit und Wandel im Journalismus

Das Interview mit den beiden Redakteuren Bastian Zimmermann von den Positionen und Andreas Montag von der MZ in Halle erwies sich als sehr produktiv und informativ. Mit der Zeit nahm die Diskussionsrunde eine Eigendynamik an, die zwar ein wenig von den vorab geplanten Fragen abwich, dafür umso spannender und wissenswerter wurde. Es wurden Themen wie Zensur, Wirklichkeit im Journalismus, kritisches Schreiben und der Wandel vom Print- zum Online-Medium diskutiert.

Dabei war es besonders spannend zu erfahren, unter welchen Voraussetzungen Kulturkritik entsteht: Bastian Zimmermann argumentierte dazu, dass das Verhältnis zum jeweiligen Thema bzw. Projekt eine Wirkung auf die Kritik habe. Es bestehe dabei oft eine gewisse Nähe zum Themengebiet, welches die Kritik – gewollt oder ungewollt – beeinflusst.

Zum Thema Wirklichtkeitswiedergabe im journalistischen Kontext war es besonders interessant, die Meinung eines Fachmagazin-Redakteurs gegenüber der eines Tageszeitungs-Radakteurs zu hören. Andreas Montag war hierbei der klaren Auffassung, dass Zeitungen die Wirklichkeit widerspiegeln müssen und dabei auch der/ die JournalistIn selbst in die zu berichtenden Ereignisse eintauchen müsse. Bastian Zimmermann hingegen vertrat die Position, dass in seiner Fachzeitschrift die Wirklichkeit stets aus einer künstlerischen Perspektive wiedergegeben werde. Somit werden eigene Schwerpunkte gesetzt, die ja in gewisser Weise die Wirklichkeit beschränken, indem sie diese eben nur aus einem bestimmten Blickwinkel zeigen.

Zum Thema Print vs. Online-Medium kam zudem ein spannender, aber auch erschreckender Aspekt bezüglich der Leserbriefe auf: Andreas Montag beschrieb mehrere Situationen, in denen er per E-Mail besonders unfreundliche, rassistische oder beleidigende Kommentare auf seine Artikel zugeschickt bekam, die es in Print-Form so nicht gebe. Er bemerkte hierzu, dass die LeserInnen sich im anonymen Online-Umfeld mehr Unverschämtheit erlauben würden als in schriftlicher Kommunikation, was meiner Meinung nach ein klares Zeichen für die Feigheit solcher Menschen ist.

Doch auch positive Gedanken konnten aus dem Interview erschlossen werden: Beide Redakteure sind sich beispielsweise einig, dass die Print-Variante der Zeitung nicht einfach so durch das Online-Medium ersetzt werden könnte; sie nannten hier vor allem die besondere Leseerfahrung und Haptik der Zeitungen, die eine Webseite einfach nicht bieten könnte.

Am wichtigsten für Andreas Montag ist jedoch der Erhalt der Sprache mit all ihren Facetten, denn ohne sie funktioniere weder Online- noch Print-Journalismus.

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