Der kritische Journalismus lebt!

„Ein Film, der nicht über den Journalismus spricht, sondern ihn zeigt“, so fasst Regisseur Miguel Müller-Frank seine Intention zur Entstehung des Dokumentarfilms „Mit eigenen Augen“ zusammen. In den 110 Minuten im Kino zeichnet sich genau dieses Vorhaben auf der Leinwand ab.

Müller-Frank verbrachte drei Jahre in den verschiedensten Redaktionen. Keine von ihnen war bereit, ihre Bildrechte komplett abzugeben und einen so tiefen Einblick in den Redaktionsalltag zu gewähren. Kurz vorm Aufgeben witterte der Filmemacher seine Chance bei Monitor – und nutzte sie.

Entstanden ist ein Film, der es ohne große Bild- und Toneffekte schafft, Spannung aufzubauen. Er zeigt die tägliche Arbeit in der Monitor-Redaktion in Köln. Das Team um Moderator und Redaktionsleiter Georg Restle arbeitet an Beiträgen für eines der renommiertesten Politikmagazine, das alle drei Wochen in der ARD ausgestrahlt wird.

Die Zuschauer bekommen mit eigenen Augen zu sehen, wie stark sich die Redakteure mit ihren Themen identifizieren und wie ehrgeizig sie diese bearbeiten. Die Anwesenheit des Filmteams bleibt förmlich unbemerkt – vermutlich stellen sich die Protagonisten aus diesem Grund nicht einmal vor. Die Kamera steht die meiste Zeit still wie ein heimlicher Spion. Der O-Ton ist alles, was wir hören. Themen werden diskutiert und über den Haufen geworfen, es wird gelacht, die Männer fahren den freien Mitarbeiterinnen wieder und wieder über den Mund, dennoch arbeiten sie gemeinsam weiter und unterstützen sich gegenseitig. Nichts davon wirkt inszeniert.

Umso weiter die Zeit voranschreitet, desto hektischer werden die Gespräche – und desto länger die Nachtschichten. Die näher rückende Sendungsausstrahlung wird mit Stille, einem schwarzen Bildschirm und einem Countdown unterstrichen. Das sind die Momente, in denen auch den Zuschauern wieder bewusst wird, dass die Redakteure abliefern müssen. Doch wie genau die Redaktion ihre Beiträge erstellt bleibt unbeantwortet. Da Müller-Frank die Außendrehs und Interviews nicht tangieren, zeigt er diese auch nicht. Ob das im Interesse der Zuschauer liegt?

Dennoch gibt es genug zu sehen. Die Redakteure führen einen Kampf um die tagesaktuellen Wahrheiten gegen andere Online-Zeitungen , die parallel zur Sendungsproduktion bewältigt werden müssen. Natürlich geht es um Klicks und Quoten, doch in allen Formaten gilt: Vage Vermutungen haben hier nichts zu suchen. Ist die Sendung ausgestrahlt, so beginnt das dreiwöchige Spiel von vorn.

Der Film ist etwas für jeden: treue Monitor-Zuschauer, Medieninteressierte aber eben auch für Zweifler. Er schenkt Hoffnung in den investigativen Journalismus.

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