Faszination Unsterblichkeit – aus Angst vor dem Tod?

Im Zeitraum vom 13.11.2021 bis zum 23.11. fand auf Deutschlandfunk das Forum neuer Musik 2021 statt – COVID-19 geschuldet erstmals als reines Radiofestival. Und auch inhaltlich harmoniert das Festival mit einer neu aufkommenden vierten Corona-Welle und dem erneuten Rückzug der Öffentlichkeit in die Isolation: Wollen wir den Tod überwinden?

Unsterblichkeit: Dieses Wort hat einen gewissen Klang, suggeriert etwas Epochales. Ein Ziel, das jeder anstreben möchte, obwohl die Unsterblichkeit nahezu unmöglich scheint. Seit der Antike sucht der Mensch nach einem Sinn im Leben und einem Ausweg aus dem Tod. Die Pharaonen wollten ihre Macht durch große Grabessmonumente, die Pyramiden, fortbestehen lassen und in der Religion finden sich genug Versuche dem Tod etwas nicht endgültiges zu geben. Sei es der Himmel im Christentum oder das Nirwana und die Reinkarnation im Buddhismus.

Gerade in der Corona-Pandemie wird deutlich, wie vergänglich das menschliche Leben ist. Seit dem Ausbruch der Pandemie sind weltweit bereits über Fünf Millionen Menschen an der Krankheit verstorben. Eine Zahl um die eigene Sterblichkeit zu verdeutlichen. Durch eine plötzliche Coronaerkrankung kann das Leben einfach enden. Von heute auf morgen. Und was bleibt zurück?

Was ist das eigene Vermächtnis? Was wird zurückgelassen und welche Erinnerungen bleiben an uns zurück? Gibt es ein Leben danach?

Die Ungewissheit nagt an uns. Den Tod kann man nur einmal erleben, es gibt keine Aufzeichnungen kein richtiges Wissen. Aus Angst nicht zu wissen was passiert oder einfach zu verschwinden, hoffen einige Leute auf Unsterblichkeit. Doch wie kann diese aussehen? Gibt es Methoden ewig zu leben oder kann man nur Fragmente von seiner selbst zurücklassen?

Es gibt viele Theorien wie man Unsterblichkeit erlangen kann. Eine der bekanntesten ist der Jungbrunnen oder Vampire. Doch auch in der Zukunftsforschung kommt diese Frage auf. Kann man Menschen unsterblich durch Technik machen? Bei solch einer Idee kommen einem Cyborgs, halb Mensch, halb Maschine in den Sinn oder den Menschen komplett aus seiner sterblichen Fleischhülle lösen: Als Androide oder nur als Datenmenge im Internet.

Und bereits heute gibt es Ansätze oder Versuche eine Art der Unsterblichkeit zu erzeugen. Zum Beispiel künstliche Intelligenzen. Programme die selbstständig lernen und sich weiterentwickeln können. Spinnt man diese Idee weiter könnte es zu einer Möglichkeit kommen seinen Geist mit Rechnern zu verkoppeln und somit Unsterblichkeit zu erlangen. Diverse Filme und Serien haben sich mit dieser Frage beschäftigt. So zum Beispiel Ghost in the Shell. Hier ist der Hauptcharakter, Major, eine Androiden deren einzig verbleibender menschlicher Teil ihr Gehirn ist. Es gibt auch eine Kehrseite in der KI’s nicht mehr von Menschen zu trennen sind oder selbst nicht erkennen, dass sie künstlicher Herkunft sind. Wie in der Animationsserie Serial Experiments Lain oder Blade Runner. Doch das ist alles nur Zukunfstmusik und wird eventuell nie Realität.

Eine andere Form der Unsterblichkeit ist etwas abstrakter. Man selbst als Person stirbt zwar aber der digitale Fußabdruck wird niemals verschwinden, alle Informationen die über eine Person im Internet landen, bleiben auch im Internet bestehen. Alte Informationen, alte Websites können immer noch gefunden werden. Eine Löschung aller personenbezogener Daten scheint unmöglich. Also ist vielleicht schon jede Person des digitalen Zeitalters auf eine gewisse Art unsterblich?

Doch hilft diese Form mit der Angst vor dem Tod umzugehen? Vermutlich nicht, denn wie kann ich bestimmen, welche Daten erhalten bleiben. Noch kann ich meine Spur im Internet verfolgen, doch wozu noch meine, unbedeutende Spur in 100 oder 200 Jahren suchen? Welchen nutzen sollte dies haben? Muss ich im Leben irgendwas großes erreichen, damit meine Daten in Zukunft noch relevant sind? Entsteht ein digitales Vermächtnis nur durch eine große digitale Präsenz in der Zeit in der ich Lebe? Kann ich so den Tod überwinden?

4 thoughts on “Faszination Unsterblichkeit – aus Angst vor dem Tod?

  1. Hier finden sich interessante Gedanken zum Thema Tod und Unsterblichkeit – die gerade auch aus medienwissenschaftlicher Sicht Sinn machen (KI, Verweis auf Filme wie ›Ghost in the Shell‹, Datenspuren etc.). Was etwas zu kurz kommt, ist der Bezug zum Anlass: Also das Forum neuer Musik am Deutschlandfunk, das diese Gedanken inspiriert und gelenkt hat. – Das taucht streng genommen nur im ersten Absatz auf, den ich etwas überarbeitet und kursiv gesetzt als einleitenden Block gesetzt habe, in dem die Basisinformationen geliefert werden. Um als Festivalbericht gedruckt zu werden, müsste aber auch im Text immer mal wieder ein Rückverweis zum Anlass formuliert werden – etwa in Zitaten o.ä; davon abgesehen ein schöner Essay zum Thema.

  2. Ich sympathisiere sehr mit dem Ansatz, dass wir durch die Digitalisierung bzw. einfach Speichermedien unsterblich sind. Wir bleiben vielleicht nicht ganz erhalten, aber wir verewigen damit ein kleines Stück von uns.

  3. Sehr interessanter Ansatz zum Thema Unsterblichkeit. Besonders der letzte Absatz beinhaltet riesige philosophische Fragen, auf die wohl niemand eine tatsächliche Antwort hat.

  4. Ich finde die Gedanken und Ansätze, die du in deiner Rezension aufgreifst, super spannend und zum Weiterdenken anregend.
    Für mich ist klar, dass das digitale Fortbestehen von persönlichen Daten nicht annähernd die Angst vor dem Tod nehmen kann.
    Die Kopplung von Geist und KI hingegen kommt dem Ansatz von Unsterblichkeit jedoch schon näher – da fällt mir auch der Film Source Code ein, oder eine Folge von Black Mirror namens „San Junipero“, die total zum Nachdenken anregt. Trotzdem finde den Gedanken daran sehr unheimlich und befremdlich, dennoch sehr spannend.

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