How to Kritik?

Es ist der 23. November 2021. Die heutige Sitzung unterscheidet sich von den bisherigen. Zum einen sind wir wieder im Online-Modus (juhu …) und zum anderen freuen wir uns auf zwei besondere Gäste, die ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern können. Wer könnte sich besser mit dem aktuellen Thema Kritischer Journalismus auskennen als Redakteure? Auf unseren Bildschirmen begrüßen wir Andreas Montag, Redakteur der MZ, und Bastian Zimmermann, Redakteur von Positionen.

A. Montag äußert gerne seine Meinung – und stößt dabei auch ab und zu Leuten ziemlich vor den Kopf. Damals in der DDR, so sagt er, habe er starke Zensur erfahren. Trotz Gegenwind vom Staat hat er nicht aufgehört, Tabu-Themen anzusprechen. „Heute gibt es keine Themen mehr, über die man nicht schreiben darf.“, freut sich A. Montag über die Veränderung im Gesellschaftssystem. Es werden viele Diskurse eröffnet und als Journalist:in darf man sich frei im Feld bewegen. In der Tageszeitung MZ (kurz für Mitteldeutsche Zeitung) veröffentlicht A. Montag selbst regelmäßig kritische Texte. Eine Zensur erfolgt höchstens durch die Hintertür, durch heftige Reaktionen der Rezipient:innen. Er erzählt, dass Leser:innen sogar schon einmal versucht haben, seine Entlassung anzuleiern, weil sie seine Beiträge über Neo-Nazis ins Halle-Neustadt als unerhört empfanden.

Im Falle von negativer Rezension versucht A. Montag oft, das Gespräch mit den Leuten zu finden, um eine sachliche Diskussion zu führen. Kritischer Journalismus ist nicht so eindimensional, wie Laien häufig annehmen. Wenn man sich nur ein bisschen intensiver damit beschäftigt, realisiert man, dass die Autor:innen nicht nur irgendwelche Namen sind, sondern, und jetzt gut festhalten, Menschen.

Die Zeitschrift Positionen von B. Zimmermann ist weniger politisch orientiert als die Mitteldeutsche Zeitung. Stattdessen befasst sie sich mit der Ästhetik der Musik. B. Zimmermann spricht von einer „produktiven Zensur“ und meint damit, dass nur Beiträge, die Bezug zur Topic haben, in die Zeitschrift aufgenommen werden. Damit wird der sehr spezifische Charakter der Zeitschrift gewahrt. B. Zimmermann betont jedoch auch, dass Themen, die in der Gesellschaft zurzeit brisant sind, sich auch im Heft finden lassen.

Was für ein Glück wir haben, dass wir heute in Deutschland sagen dürfen, was wir wollen (zumindest aus rechtlicher Sicht). Kritischer Journalismus ist wichtig und unabdingbar für den Fortbestand der Meinungsvielfalt und –bildung. Vielen Dank an Andreas Montag und Bastian Zimmermann, die ihre persönlichen Erfahrungen mit uns geteilt haben.

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