Ist die Überwindung des Todes wirklich Ziel des menschlichen Lebens?

Wollen wir Menschen unsterblich sein? – Gerade die aktuelle pandemische Lage macht uns allen erneut bewusst, wie nah wir doch am Rande der Existenz stehen und dass der Tod einem nahezu an jeder Ecke auflauert. Trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass das Sterben und der Tod immer noch als Tabuthemen gelten.Egal, ob Medizin, Forschung oder andere Bereiche: durch ständige Optimierung und Weiterentwicklung wird weitestgehend darauf hingearbeitet das „oberste Ziel“ der Unsterblichkeit zu erreichen. Doch kann die Überwindung des Todes wirklich Ziel des menschlichen Lebens sein?

Bereits zum 21. Mal veranstaltete der Deutschlandfunk dieses Jahr sein „Forum neuer Musik“. Durch die Covid-19-Pandemie fand das Forum 2021 ausschließlich im Radio statt. Alle Beiträge wurden vorproduziert und im Deutschlandfunk ausgestrahlt. Dieses Jahr stand die Frage „Wollen wir den Tod überwinden?“, mit den Themen Abschied, Sterben und Tod im Mittelpunkt. Dafür boten sieben künstlerische und journalistische Beiträge vom 20.-23. 11.2021 verschiedene Perspektiven auf das Sterben und die (Un)Endlichkeit heute.

„Unsterblichkeit ist der älteste Menschheitstraum“, postuliert die Autorin, Bloggerin und Online-Journalistin C. Juliane Vieregge. Doch „ihn wahr zu machen, wäre das Ende des guten Lebens“. Lebt man unendlich lang, geht die Motivation, das Beste aus seiner begrenzten Zeit zu machen, verloren. Warum sollte man seinen Zielen heute nachgehen, wenn doch unbegrenzt Zeit dafür ist? Das menschliche Leben ist durch den Startpunkt der Geburt und dem Endpunkt des Todes klar definiert und begrenzt. Solch ein natürlicher Zyklus sollte nicht aus dem Gleichgewicht gebracht werden.

Im journalistischen Beitrag „Streitkultur“ agiert Herr Demuth, Autor und Medienwissenschaftler, als Gegenspieler zu Frau Vieregge. Es liege doch in der Natur der Menschen „uns stets selbst überwinden zu wollen“. Demuth spricht sich dabei klar für die Unsterblichkeit aus. „Das Optimum ist erreicht, wenn wir über unsere Sterblichkeit hinausgelangen, zum Ende des biologischen Endes“. Die Unendlichkeit des Lebens verhelfe uns zu mehr Glück, Vitalität und Gesundheit. Die Angst vor dem Tod würde auch schwinden und niemand würde sich mehr davor fürchten, vergessen zu werden. Die Möglichkeit unzählige Erfahrungen zu machen und Dinge zu erleben wäre grenzenlos. Ohne das Sterben, wären wir wahrscheinlich in allen Lebensbereichen schon deutlich fortgeschrittener, als wir es heute sind und eventuell gäbe es schon Antworten auf Fragen, die uns heute noch unerklärlich scheinen.

Eine etwas andere Sichtweise hat Thomas Macho, Leiter der IFK Wien. In seiner Lecture „Das Zeitliche segnen. Zur Geschichte des Todes in der Moderne“, argumentiert er, dass „mit der zunehmenden Säkularisierung in der Moderne die traditionellen Hoffnungen auf Unsterblichkeit und ewiges Leben schwinden. Man erhält zunehmenden Anerkennung der Sterblichkeit als Wesen des menschlichen Lebens“.

 Ist die Unsterblichkeit nun doch nicht mehr erstrebenswert? Zeigen die Menschen Einsicht und wenden sich vom utopischen Glauben an die Überwindung des Todes ab? „Vielleicht ist die Moderne gar nicht das Zeitalter einer Verdrängung des Todes, sondern vielmehr des allmählichen Abschieds von der Unsterblichkeit“.

Erst durch den Tod gewinnt das Leben seinen Sinn. Er zeigt uns, dass wir nicht ständig unsere Träume und Wünsche nach hinten verschieben sollten, sondern alles daransetzen müssen, endlich anzufangen, das Leben, welches auch den Tod inkludiert, als kostbares Geschenk zu sehen. Auch das „Forum neuer Musik“ kam zu dem Ergebnis: „Wir wollen den Tod nicht überwinden, denn dieser macht uns zu Menschen“ (Frank Kämpfer, Veranstalter des Forums).

Wenn man zu solch einer Einsicht gekommen ist, scheint die Antwort auf die obige Frage ganz klar: die Überwindung des Todes kann nicht wirklich das Ziel des menschlichen Lebens sein. Man sollte den Tod eher als eine Art „Übergang“ betrachten, vor dem Menschen keine Angst haben müssen. Denn wer weiß schon, ob der Tod wirklich das Ende ist?

One thought on “Ist die Überwindung des Todes wirklich Ziel des menschlichen Lebens?

  1. Der Einsteig war durch viele kurze Absätze etwas kleinteilig und unruhig – habe daher die ersten vier Absätze zu einem Einstieg zusammengenommen. Danach ein guter Bericht, insbesondere auch durch die direkten Zitate, welche die Sprecher:innen im Text lebendig werden lassen. Gut auch, dass ein Bogen vom Ende zum Anfang gezogen wird – er könnte aber ein klein wenig prägnanter die Position der Autorin verdeutlichen…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.