Journalismus Mit eigenen Augen

Am 08.12.2021 fand die Premiere des Films Mit eigenen Augen von Miguel Müller-Frank im Puschkino in Halle statt.
Mit eigenen Augen wendet der Film den Blick hinter die Kulissen redaktioneller Arbeit im Politikmagazin Monitor, welches alle drei Wochen im ARD ausgestrahlt wird. Dabei werden JournalistInnen durch die täglichen Herausforderungen und Prozesse der Entstehung einer Sendung begleitet. Müller-Frank war zwei Monate vor Ort, um die Redaktionsprozesse mit der Kamera zu begleiten.

Wie sieht der Arbeitsalltag von JournalistInnen unter Zeitdruck aus? Wie wird mit Schwierigkeiten und Hindernissen in der Recherche umgegangen? Und was unterscheidet die Arbeit von Fernsehmagazinen wie Monitor zu tagesaktuellen Berichterstattungen?

Auf all diese Fragen versucht der Film Antworten zu liefern. Die ZuschauerInnen haben durch die völlig nüchterne und unkommentierte Erzählweise die Möglichkeit, sich selbst ein Bild vom journalistischen Arbeitsalltag zu machen – eben mit eigenen Augen.

Während des Films wird man jedoch stets von der Frage begleitet, ob die JournalistInnen sich überhaupt nicht von der Kamera irritieren lassen würden. Beeindruckend war die stets anhaltende Gefasstheit und Klarheit der Redaktionsmitglieder, als wären sie unter sich und würden nicht gerade für einen Kinofilm vor der Kamera stehen. Doch würden sie ohne Kamerabegleitung genauso agieren?

Mit eigenen Augen zeigt zwar realistische und völlig nüchtern erzählte Einblicke in den Journalismus, ist dennoch narrativ unpraktisch aufgebaut. Harte Schnitte und Sequenzen, die teilweise mitten im Gespräch enden, lassen den narrativen Faden des Films brüchig erscheinen.

Außerdem muss berücksichtigt werden, dass der Film lediglich einen begrenzten Einblick in die journalistische Tätigkeit gibt – wie in jeder anderen Dokumentation wird auch hier nur ein bewusst ausgewählter Teil der Realität dargestellt.

Der Film hinterließ am Ende das Gefühl, die Redakteure zu kennen und in gewisser Weise selbst für eine Zeit lang Teil der Redaktion gewesen zu sein. Dennoch bleibt die Frage, wie viel Einfluss die Kamera auf die JournalistInnen hatte.

Für alle Journalismus-Begeisterte, die sich selbst einen Einblick in die nicht immer ganz so leichte Welt der Recherche und Berichterstattung verschaffen wollen, ist dieser Film empfehlenswert. Trotz des ungewohnten und fragwürdigen narrativen Stils sind die Einblicke, die der Film gibt, einmalig und spannend. Denn wann hat man schon die Möglichkeit, hinter die Kulissen eines der bekanntesten Politikmagazine zu schauen, ohne selbst vor Ort sein zu müssen?

One thought on “Journalismus Mit eigenen Augen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.