Krieg, Schutt und Skateboards

Kabul, Januar 2010, die Stadt liegt in Trümmern, die Folgen des Kriegs und der Herrschaft der Taliban sind nicht nur zu spüren, sondern auch deutlich zu sehen. Orlando von Einsiedel stellt in seinem Dokumentarfilm Skateistan: To Live And Skate Kabul eine Seite des Kriegs dar, die kontrastreicher nicht sein könnte. Inmitten der Trümmer und des Staubs schafft er es ein Bild der Hoffnung zu zeichnen, indem er Krieg und Freude gegenüberstellt. Die preisgekrönte Kurzfilm-Dokumentation über das Skateistan Projekt in Afghanistan zeugt das Ziel des Projektes, den Kindern und Jugendlichen in Afghanistan einen Ausgleich und eine Chance zur Selbstermächtigung zu verschaffen. Dies gelingt durch den Bau von Skateschulen, Skateparks und damit verbundenen Kursen und Arbeitsplätzen. Generell könnte man von Zukunfts-Chancen sprechen. Dabei entsteht eine Extrem-Kontrastierung der extra Klasse. Auf der einen Seite sehen wir das zerklüftete Land, hören allerdings dann ein Geräusch, welches gar nicht ins Bild passt. Und ehe wir uns versehen rollen lachende, glückliche Kinder an uns auf Skateboards vorbei. Dabei gelingt es dem Regisseur die Freude und die Vielfalt des Skatens perfekt darzustellen. Es geht hier nicht um die krassesten Tricks, sondern einzig und allein um den Spaß und den sieht man auch. Die Aufnahmen und das Gefühl das dabei erzeugt wird, spiegeln exakt das wider was Skateboarding eigentlich sein möchte, eine Gemeinschaft und Kultur abseits von Krieg und Gewalt. Einfach nur ein Haufen Leute die alle eine Sache gemeinsam haben, Skateboarding.  

Skateboarding als sehr freie und unvoreingenommene Kultur stellt in diesem Film das komplette Gegenprogramm zu Kabul, dem Krieg und der herrschenden Kultur dar. Besonders spannend anzusehen sind vor allem die Reaktionen der Einwohner Kabuls. Man merkt sehr deutlich, dass die Skate-Kultur absolut kein fester Bestandteil Afghanistans ist oder war. Allerdings merkt man sehr schnell welche positiven Auswirkungen ein solches Projekt auf die Gesellschaft haben kann. Es bleibt nun nur noch zu hoffen, dass dem Projekt durch die aktuelle Situation in Kabul keine Gefahr droht und weiterhin vor Freude strahlende Kinder auf Ihren Skateboards durch die Gegend rollen.  

https://www.skateistan.org/about

One thought on “Krieg, Schutt und Skateboards

  1. Spannendes Projekt und eine schöne Beschreibung der Dokumentation. Vom Aufbau her könnte der Text noch etwas stringenter sein – indem etwa über Skateboard-Kultur (als westliches Fun/Phänomen) ein kontrastiver Bogen zum Film geschlossen wird – gerade, weil so der Bogen im letzten Absatz sprachlich/diskursiv eingefangen werden könnte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.