Leben und Tod. Zwischen Endlich- und Unendlichkeit.

Leben und Tod. Diese zwei zentralen Themen beschäftigen unsere Gesellschaft seit jeher. Besonders angesichts der aktuell anhaltenden Corona Pandemie, wird uns der Tod alltäglich vor Augen geführt.

„Wollen wir den Tod überwinden?“ Diese Frage stellt sich auch das Festival Forum neuer Musik 2021. Nachdem das Festival im Jahr 2020 pandemiebedingt ausgefallen war, kam es in diesem Jahr in einem neuen Format zurück. Als Radiofestival konnten alle musikalischen und journalistischen Beiträge rund um Sterben und (Un)Endlichkeit auditiv im Deutschlandfunk vom 20. bis zum 23 November verfolgt werden. Passend zum Motto leben alle Beiträge online weiter, und können so immer wieder von interessierten aufgesucht werden. Aber was denn nun? Findet das Festival eine Antwort auf die brisante Frage bezüglich der Überwindung des Todes?

Zunächst können Hörer_innen die musikalischen Beiträge auf sich wirken lassen. Die verschiedenen Künster_innen wollen mit ihren musikalischen Werken unterschiedliche Aspekte dieser komplexen Thematik veranschaulichen. Zwischen Trauer und Schmerz bis hin zu Freude und Erleichterung ist alles zu finden, wie auch im Gesellschaftlichen Umgang mit dem Tod. Dabei spricht die Musik die Hörer_innen emotional an und regt sie zum Nachdenken an. In dem Beitrag Streitkultur stehen sich zwei Unterschiedliche Meinungen gegenüber. Während einerseits die Akzeptanz des Todes gefordert und für wichtig erachtet wird, stehen neue Technologien und Forschungen zur Überwindung des Todes dem gegenüber.

Der Transhumanismus bekundet Bestrebungen um den Tod zu überwinden. Durch Forschungsbemühungen auf technologisch, biologisch und digitaler Ebene werden verschiedenste Möglichkeiten gesucht um das menschliche Leben, was erwiesener Weise bis dato endlich ist, unendlich zu machen oder zumindest zu verlängern. Denn ist es nicht das, was sich der Mensch wünscht? Mehr Zeit zum Leben, mehr Zeit mit den Geliebten, weniger Lasten durch Krankheiten? Sicherlich ist dies ein verlockendes Bestreben, eine Selbstbestimmung über seinen Todeszeitpunkt zu erlangen. Und so ungreifbar scheint diese Sehnsucht gar nicht. Schließlich ist es den Menschen bisher gelungen, durch medizinische Fortschritte zum Beispiel, die Lebenserwartung des Menschen deutlich zu verlängern, zumindest wenn man einen Blick in die Vergangenheit wirft.

Dabei gibt es längst auch andere Möglichkeiten über seinen Tod hinaus zu wirken. Nicht unbegründet redet man immer vom Internet welches nie vergesse. Schon seit jeher bleiben Musik, Literatur und Kunst über den Tod seiner Urheberin oder seines Urhebers erhalten. In heutiger Zeit sind dies häufig Bilder oder Posts und Profile in sozialen Medien welche über den Tod hinaus weiter existieren können.

Auch die christliche Perspektive sieht den Tod zumeist als positiven Teil des Lebens. Schlussendlich wird der Tod im Biblischen Glauben als Erlösung gesehen.Kann die Frage nach der Überwindung des Todes also auf Ideologischer Ebene in Glauben und Wissenschaft geteilt werden? Wohl kaum. Diese Frage muss vielmehr auf sehr persönlicher Ebene von Jeder und Jedem für sich selbst beantwortet werden. Obwohl der Tod so ein sensibles und in gewisser Weise auch privates Thema ist, sollte er gesellschaftlich weiter enttabuisiert werden.

Das Festival Forum neuer Musik trägt bei, diese Diskussion in der Gesellschaft anzufeuern und eröffnet neue Perspektiven. Obwohl die Teilnehmenden des Festivals teilweise starke Meinungen dazu haben, ob wir den Tod überwinden wollen und sollten, liefern die Beiträge keine spezifische Antwort auf die aufgeworfene Fragestellung des Festivals. Es verfolgt vielmehr das Ziel, uns, dich und mich anzuregen sich mit der Frage auseinanderzusetzten und miteinander ins Gespräch zu kommen. Wie stehen wir im Einzelnen und als Gesellschaft zum Thema Tod, und dessen Überwindung? Das gilt es herauszufinden und zu reflektieren.

One thought on “Leben und Tod. Zwischen Endlich- und Unendlichkeit.

  1. Ein sehr guter Bericht, der es tatsächlich schafft, das Festival als Ganzes abzubilden – sofern das bei der begrenzten Zeichenzahl überhaupt möglich ist. Das beginnt beim guten Einstieg, der den Anlass – das Forum – in eine allgemeine Fragestellung einbettet und doch alle Basisinformationen zum Anlass der Reflexion liefert. In der Folge werden die Festivalbeiträge genutzt, um eigene Positionen zu entwickeln. Und auch die Schlussfolgerung überzeugt mich – das Festoval nämlich als Anregung eines offenen Diskurses zu verstehen. Dankesehr 🙂

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