Mit den eigenen Augen sehe ich – was genau?

Licht aus – Film an: Am 09.12.21 zeigt das Puschkino den Dokumentarfilm „Mit eigenen Augen“ von Miguel Müller-Frank. Anschließend wird es ein Gespräch mit dem Regisseur geben. Mit laufenden Filmminuten verlässt erst einer der Kinomitarbeitenden, danach der Regisseur selbst den Raum und man fragt sich, ob man es ihnen gleich tun sollte. Warum?

Der Film erwartet von den Zuschauenden viel Vorkenntnis. Er arbeitet in einem sehr nüchternen Stil. In einem einfachen Setting und mittels weniger Schnitte, wird das Politikmagazin „Monitor“ bei dem Entstehungsprozess ihrer Sendung begleitet. Es gibt  keine Zusatzinformationen zu den Personen, dem Magazin oder den journalistischen Themen, die besprochen werden. Wer also nicht viel Vorwissen besitzt, der wird eingeladen, gedanklich abzuschweifen.

Da fällt vor allem negativ auf, dass der Dokumentarfilm vorwiegend Männer zeigt. Männer, die ihren Mitarbeiterinnen das Wort abschneiden oder sie gar nicht erst zu Wort kommen lassen. 

Müller-Frank begrüßt diese kritische Beobachtung seitens der Zuschauenden und betont, dass auch ihm während Recherche auffiel, dass der Monitor sehr stark von männlichem Denken und männlicher Logik geprägt ist. Die Redaktion soll dies wohl selbst im Nachhinein reflektiert und ihre Strukturen verändert haben. „Vielleicht hat ja der Film was dazu beigetragen.“, sagt er.

Müller-Frank spricht in seinem Film nicht mit dem Journalismus, er beobachtet ihn. Er möchte diesen nicht kommentieren, sondern mittels nüchternem Zeigen dem Publikum Raum für eigene Feststellungen lassen. Mit diesem Gedanken spielt auch der Titel des Films. „Wobei Nüchternheit natürlich relativ ist. Ich habe sehr viel Material ausgewertet. Das, was davon zu sehen ist, zeige ich bewusst.“, gibt er zu.

Wenn allerdings jede Szene bewusst gesetzt ist, trägt Müller-Frank dann nicht zur Benachteiligung von Frauen bei? Schließlich hätte er sich auch entscheiden können, die Reaktionen der Frauen auf ungerechte Situationen zu zeigen. Er hätte sich entscheiden können, Frauen mehr in den Fokus zu stellen. Was sagt die Dokumentationsweise also über Müller-Frank aus?

„Der Fokus liegt in der investigativen Arbeit der Redaktion.“, betont er. Es soll ein Statement zur „Fake-News-Debatte“ sein. Leider wird das aufgrund der kommentarlosen Darstellung nicht klar.

One thought on “Mit den eigenen Augen sehe ich – was genau?

  1. Sehr gut, wie hier über die Filmrezension hinaus eine eigene Meinung/Position vertreten wird: das Kritische Infrage stellen der Mäander-dominierten Polit-Nachrichten-Szene als übergeordneter Diskurs! Gut auch, dass der Regisseur Direkt zitiert wird – ist immerhin eine Besonderheit durch die Premiere mit Publikumsgespräch. Auch der Einstieg mit den das Kino verlassenden Kinomitarbeiter:innen gefällt mir grundsätzlich – das sollte aber objektiviert werden, also ohne ›Ich‹.

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