Musik ist tot? Es lebe Musik!

Freddie Mercury fragt, „Who wants to live forever?“ und Alphaville wünschen sich, “Forever Young. I want to be forever young.”

Da hat wohl jemand eine kleine Existenzkrise gehabt, was? Wer kennt es nicht, wenn man sich unter der Dusche plötzlich in eine*n Philosophie-Masterstudierende*n verwandelt?! I feel you, Freddie! <3 Dieses Jahr haben sich viele kluge Forscher*innen im Zusammenhang mit Deutschlandfunks „Forum neuer Musik“ mit den Thematiken Leben, Tod, Unsterblichkeit und Musik beschäftigt, damit wir Hobby-Philosophen uns nicht die Köpfe zerschlagen müssen. Trotzdem möchte ich das Event als Aufhänger nehmen, um ein paar Gedanken in meinem Kopf schweifen und sich entwickeln zu lassen.

Für das bessere Verständnis ziehe ich meine Gedankenkreise noch einmal von vorne auf. Tod … Unsterblichkeit … Harry Potter? Ja, richtig gelesen. Letzte Woche habe ich mich in mein Zimmer verkrochen, einen Filmmarathon gestartet und bin dem Harry Potter-Wahn verfallen. Deswegen ist Voldemorts Wunsch, die Unsterblichkeit zu erlangen, das Erste, was mir zur ganzen Thematik einfällt. In der Zauberwelt von Hogwarts ist das nicht mal unmöglich. Auch in anderen Fiktionen wie Twilight oder Dracula ist es selbstverständlich, dass glitzernde Vampire nicht auf natürliche Art und Weise ins Gras beißen.

Bildcredits: https://www.deviantart.com/arcgaming91/art/Lord-Voldemort-Meme-752363043

Meine Gedanken fließen weiter. Unsterblichkeit … Film … Musik … Spielfilme und Dokumentationen! Wer kennt nicht den legendären Film „Bohemian Rhapsody“, in dem Rami Malek den legendären Freddie Mercury spielt? Diese schauspielerische Leistung ist ein absolutes Highlight in der Movie-Industry. Der Film selbst scheint ein bisschen overrated. Die ganze Promo und der Hype haben die Erwartungen zu hoch gesetzt. Nichtsdestotrotz ein berührendes Kinoerlebnis. Aber ich schweife vom Thema ab! „Bohemian Rhapsody“ veranlasste mich zum Sinnieren über den so oft in Musik verarbeiteten Tod und die Unsterblichkeit. Kann Musik denn überhaupt sterben? Als speicherbares Medium würde ich behaupten „Nein“. Was macht das mit den Bands, Sängerinnen und Sängern? Ab wann ist man tot? Ist es ab dem Zeitpunkt, ab dem man aufhört zu atmen, oder dann, wenn die Leute einen vergessen? Oh boy, das sind so viele große Fragen für kleine Medienwissenschaftsstudierende!

Bildcredits: https://www.infinityevents.de/termine/detail/mondscheinkino-bohemian-rhapsody

Es gibt viele große Stars wie Freddie Mercury, Michael Jackson, Kurt Cobain, Janis Joplin oder Amy Whinehouse, die bereits verstorben sind, deren Namen jedoch überall bekannt sind und deren Musik immer noch geliebt wird. Ihre Lieder leben weiter. Und nicht nur das! Sie sind eine tolle Kapitalquelle. Immer noch wird Merchandise verkauft, Dokumentationen produziert und selbst unveröffentlichte Songs werden herausgebracht. Aber dieser wirtschaftliche Gedanke ist viel zu unromantisch für unser melancholisches Nachdenken über den Tod. Es gibt nicht nur Aufzeichnungen der Musik, sondern auch Videos von den Stars selbst. Es gibt Spielfilme, Dokumentationen, Clips und Fotos, die den Moment festhalten. Es gibt einen Text, dessen Autor mir entfallen ist, der erklärt, dass Aufnahmen einen Moment aus der Gegenwart, aus dem Leben, reißen und archivieren. Das ist eine sehr interessante Vorstellung. Lasst uns weiter denken und uns vorstellen, dass ein Video ein Stück Leben beinhaltet. Eine bewegliche Aufnahme enthält etwas Lebendigkeit von dem*r Dargestellten. Ist Michael Jackson dann überhaupt tot? – (Verschwörungstheorien und Schwurbler jetzt mal ausgeschlossen) – Und was ist mit solchen Filmen über Bands, deren Mitglieder noch quicklebendig sind? Nach meiner Theorie würden sie irgendwie doppelt existieren. Ich gebe zu, meine Überlegungen sind noch nicht ganz ausgereift und bieten noch viel, viel, viel Spielraum. Wo wir aber gerade beim Thema sind: Schaut euch mal „The Dirt – Sie wollten Sex, Drugs & Rock’n’Roll“ an – ein wirklich genialer Film über Mötley Crüe.

So: Jetzt habe ich euch so viele Fragen an den Kopf geworfen und nur halbe Antworten geliefert. Ich denke das reicht erstmal, um eure Denkapparate auf Hochtouren zu bringen. Achtung, passt auf, dass eure Leitungen nicht zu heiß laufen bei meiner allerletzten Frage: Was passiert mit den Liedautor*innen, deren Namen nie aufgezeichnet worden?

Ihr denkt, ihr bekommt einen Antwortansatz von mir? Nee, denkt selbst darüber nach, dieses Feld ist mir jetzt viel zu weit!

2 thoughts on “Musik ist tot? Es lebe Musik!

  1. Nicht schlecht! Super keck, anregend und anschaulich geschrieben!
    Die bewusste Einteilung in eigene Gedankenströme finde ich auch sehr interessant! Ich habe den gleichen Ansatz, dass man mit den Speichermedien und jeglichen konservierten Werken der Unsterblichkeit ein Stückchen näher kommt. Deswegen beantworte ich deine letzte Frage folgender Maßen: Auch die Komponistinnen deren Namen unbekannt sind, sind auf ihre Weise unsterblich, allein durch die Tatsache, dass sie ein Blatt Notenpapier beschrieben haben. Aber ich unterschiede hier eben noch einmal zwischen einem reinen Notenblatt und seiner digitalisierten Form oder dem gespielten Stück, das den Raum erfüllt.

  2. Danke für diesen wirklich unterhaltsamen Text – der die Autorin selbst ziemlich lebendig werden lässt 🙂 Super, wie hier nicht nur eigene Gedanken, sondern auch eigene Beispiele zum Thema entwickelt und mittels Worten und Bildern veranschaulicht werden! Einzig die explizite ›Ich‹-Scheibe kann – zumindest bei arrivierten/konservativen/klassischen Zeitungen etwas problematisch werden… Tatsächlich wäre es eine gute Übung, sie würden den text so wie er sit objektivieren – Also die ›Ich‹-Passagen umschreiben; sie würden feststellen: funktioniert genauso, wenn nicht sogar besser 🙂

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