Trauma in Technicolor

Mildred Ratched.
Ein Name, der hierzulande wohl kaum jemandem etwas sagt und auch im englischsprachigen Ausland wohl nur bei denjenigen Erinnerungen wachrüttelt, die den Roman Einer flog übers Kuckucksnest aus den Sechzigern gelesen oder aber den gleichnamigen Film aus den Siebzigern gesehen haben.

Ratched.
Die eponyme Serie zur Figur der Mildred Ratched, beleuchtet die Vorgeschichte der berüchtigten Krankenschwester, die tyrannisch und totalitär über ihre Patienten und Belegschaft herrscht. Dabei schafft es Produzent Ryan Murphy uns eine ganz neue Schwester Ratched zu präsentieren. Verletzlich, vielschichtig und mitfühlend, aber auch rücksichtslos, grausam und manipulierend. Mildred Ratched bekommt in der Netflix-Produktion mit Sarah Paulson, die Murphy schon in zahlreichen anderen Produktionen eingesetzt wurde, ein ganz neues Gesicht und ihre Geschichte ein ganz neues Antlitz.

Ratched kommt in satten, strahlenden Farben daher, mit der Eleganz und dem Stil der späten Vierziger Jahre. Hüte, Kostüme, Sofas, Teppiche und Autos, die Kulissen und Szenerien der Serie scheinen eine Aura von Nostalgie zu atmen, die den Zuschauer zwangsläufig einfängt. Dennoch lullt uns die Atmosphäre nicht ein, sie inszeniert stattdessen eine Antithese zwischen der schönen Oberflächlichkeit und dem tief darunter liegenden Trauma. Hinter der mondänen Fassade des Lucia State Hospital werden grausame Therapieformen an Lesben, Depressiven und Tagträumern vollzogen, die Schwestern in den schönen türkisblauen Uniformen offenbaren mehr psychische Störungen als irgendeiner ihrer Patienten. Und mittendrin in dieser Welt aus schönem Schein und grausamer Wirklichkeit entfaltet sich die Geschichte der Mildred Ratched, die Geschichte einer missbrauchten Frau, einer gutmütigen Mörderin, einer herzensguten Fluchthelferin.

Ratched ist eine Serie, wie es sie nur selten gibt. Atmosphärisch dicht und mit einer wunderschönen Kulisse wird eine Geschichte erzählt, die menschliche Abgründe offenbart und voller Wendungen steckt. Ratched ist mehr als sehenswert und überzeugt ganz sicher nicht nur die eingeschworene Fangemeinde von Ryan Murphy und Sarah Paulson von seiner Qualität.

One thought on “Trauma in Technicolor

  1. Was hier sehr gut gelingt, ist die sinnliche Beschreibung der Serie – insbesondere im 3. Absatz! Ganz zu Beginn sollte nicht so viel mit Absätzen gespielt werden…also: »Mildred Ratched: ein Name der hierzulande…«, und dann: »Ratched« –die eponyme Serie zu dieser ambivalenten historischen Figur… / Achtung bei den Absätzen: offenbar wurde der Text einfach hineinkopiert und nicht mehr korrigiert (ich habe das nachgeholt)

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