Was ist in deinem Leben erstrebenswert?

„Wollen wir den Tod überwinden?“ fragt Deutschlandfunkredakteur Frank Kämpfer mit seinem Forum neuer Musik 2021, sieben künstlerische und journalistische Beiträge versuchen sich an Antworten.

Einer dieser Beiträge erschien am 20.11.2021 unter dem Titel: „Streitkultur: Ist Unsterblichkeit erstrebenswert?“. Der Beitrag wurde im Radio gesendet und ist im Onlineforum länger verfügbar. Gesprächspartner sind die Autorin, Bloggerin und Online-Journalistin Juliane Vieregge sowie der Autor und Medienwissenschaftler Volker Demuth. Moderiert wird die fast 25-minütige Sendung von Christiane Florin.

Volker Demuth hält die Unsterblichkeit des Menschen durchaus für erstrebenswert. Er betont in der Sendung, welche menschlichen Vorteile durch technische Veränderungen möglich seien. Generell hat er im Vergleich zu Juliane Vieregge einen sehr geringen Redeanteil, jedoch wird seine Position von Beginn an deutlich.

Juliane Vieregge ist gegen die Unsterblichkeit von Menschen, da ihrer Meinung nach das Leben seinen Wert durch die Vergänglichkeit erhält. Sie betont, dass transhumanistische Forscher meist weiße reiche Männer seien, die durch Träger wie das Silicon Valley mit Geld gefördert werden würden. Sie würden dabei ausschließlich aus finanziellen Interessen handeln und weniger auf die individuellen Vorteile für die Menschen Rücksicht nehmen. Durch das absolute Vertrauen der Transhumanisten in die Technik und ihren gewinnorientierten Blick, würden sie ihre Wunschvorstellungen ohne Rücksicht auf mögliche negative Auswirkungen weiterentwickeln. Frau Vieregge kritisiert dies sehr stark. Durch die fortschreitende Technik verliere der Mensch auch zunehmend seine Autonomie bis hin zu einer vollständigen Entmündigung, da er keine Entscheidungsmacht über sein Leben mehr besitze. Juliane Vieregge sieht die Geburt und den Tod als natürliche Grenzen eines biologisch determinierten Lebens. Die Transhumanisten würden jedoch die Menschen von ihren biologischen Grenzen befreien und dabei ignorieren, dass sich Freiheit nur im Angesicht von Grenzen realisieren kann. Ihrer Meinung nach sollte der Tod in der Gesellschaft durch eine Kultur des Sterbens und der Trauer integriert werden, statt ihn zu verdrängen. Erst durch die aktive Auseinandersetzung mit dem Tod, könne der Mensch über sich hinauswachsen. In dem Gespräch werden Begriffe wie Transhumanismus lediglich angerissen und es kam zu keiner tiefer gehenden Diskussion beider Gesprächspartner, da nur selten auf das Gesagte des Vorredners eingegangen wurde.

Die eigentliche Frage, die sich nach so einem Beitrag stellen sollte, ist nicht die Frage nach einer erstrebenswerten Unendlichkeit, sondern einem erstrebenswerten Leben. In Zeiten der Pandemie fühlt sich das Leben immer mehr an, wie auf einem Wartegleis. Die Menschen warten auf bessere Zeiten und hoffen darauf, dass sich in Zukunft alles in eine andere Richtung entwickeln würde. Vielleicht ist gerade deswegen das Thema der Unendlichkeit über so viele Jahrzehnte populär geblieben. Die Menschen wünschen sich eine neue und bessere Zukunft. Doch wie soll sich die Zukunft verändern, wenn die Menschen im Kern die Gleichen bleiben? Viel wichtiger erscheinen Auseinandersetzungen mit dem Sinn des eigenen Lebens. Jeder Mensch sollte sich ganz persönlich fragen, was er im Leben erreichen möchte, um ein erfülltes und glückliches Leben zu haben. Für einige Menschen ist eine eigene Familie ein großes Lebensziel, andere möchten es gern in die Chefetage schaffen. Die Pläne für das eigne Leben fallen so unterschiedlich und individuell aus, wie die Menschen, die sie schmieden. Es ist essentiell, sich mit diesen Thematiken so früh wie möglich auseinander zu setzen, da anhand dieser Lebensziele das eigene Leben gestaltet werden kann. Wenn die Menschen nach ihren Zielen streben und ihr Leben danach ausrichten, können sie Erfüllung finden. Der Tod spielt bei diesen Überlegungen eine wichtige Rolle, da er das Ende des weltlichen Lebens darstellt.

Die Thematik um die Unendlichkeit und die Transformation der Menschen hat auch etwas mit der Angst zu tun, irgendwann nicht mehr die Dinge im Leben zu erreichen, die man sich vorgenommen hat. Doch wenn der Mensch seinen Sinn und seine Erfüllung in der Familie, im Job, in seinen Hobbys oder Ähnlichem, muss er sich nicht davor fürchten, kein erfülltes Leben gehabt zu haben. Meiner Meinung nach ist Unsterblichkeit als Mensch nicht erstrebenswert. Menschen werden geboren und Menschen sterben. In der Lebenszeit die jedem Menschen gegeben ist, sollte er eine Erfüllung suchen und dieser nachgehen, anstatt ein Leben lang zu verschlafen, um am Ende des Lebens zu merken, was er nicht erreicht hat. Der Tod soll in der heutigen Gesellschaft kein Tabuthema mehr sein. Er ist, ebenso wie die Geburt, Teil des menschlichen Lebens und das letzte Ereignis in dem Leben jedes Menschen. Es würde mit Sicherheit vielen Menschen die Angst vor dem Tod nehmen, wenn darüber offen kommuniziert werden würde.

One thought on “Was ist in deinem Leben erstrebenswert?

  1. Den Einstiegssatz habe ich rausgenommen: »In der folgenden Rezension wird es um die Fragestellung: „Was ist in deinem Leben erstrebenswert?“ gehen.« – Das erzeugt einen etwas ›schulischen‹ Eindruck, was sich aber durch Tilgung des Satzes leicht beheben lässt (ich habe den ersten Absatz entsprechend etwas angepasst). Danach berichtet der Text sehr klar von dem ›Streitgespräch‹, allerdings hätte man die Diskutierenden via Zitaten auch selbst zu Worte kommen lassen können… – Zum Ende hin werden interessante eigene Überlegungen zum Thema geäußert – es wäre allerdings gut gewesen, wenn am Ende der Bogen zum Anlass (dem Forum) und der Frage (Wollen wir den Tod überwinden?) gezogen worden wäre…

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