West Side Story – Nur Besser

Die Stadt liegt in Asche, Rauch steigt auf, Lichter blitzen aus dem Dunkeln, es ertönt das leise Pfeifen und schließlich das Fingerschnipsen der Jets. Lange hat es gedauert, aber nun ist endlich Steven Spielbergs West Side Story in den Kinos. Das Musical ist ein Remake der gleichnamigen Filmversion, die 1961 erschienen ist. Und auch wenn Musical-Begeisterte den Film von vor 60 Jahren lieben, wurde es Zeit den Film in das 21. Jahrhundert zu holen. Es ist gar keine leichte Aufgabe ein Remake eines ikonischen Musicalfilmes zu machen, wie auch der mäßige Erfolg des Musicals Cats vor zwei Jahren deutlich gemacht hat. Steven Spielberg schafft es jedoch die Erwartungen zu erfüllen, indem er Neues hinzufügt, aber auch vieles so belässt, wie es im früheren Film zu sehen war. 

Die wichtigste Veränderung, die dieser Film mit sich bringt sind die Schauspieler*innen. In West Side Story existieren zwei Gangs: die puertoricanischen Sharks und die weißen Jets. In der Version von 1961 wurden die puertoricanischen Hauptrollen Maria und Bernardo jedoch von weißen Menschen besetzt. Nur Anita, die beste Freundin von Maria, wurde mit der puertoricanischen Schauspielerin Rita Moreno besetzt, die damals für ihre Rolle einen Oscar für die beste Nebendarstellerin erhielt. Damit war sie die erste lateinamerikanische Schauspielerin, die einen Academy Award erhalten hat. Heute ist die legendäre Rita Moreno ausführende Produzentin des Remakes von West Side Story und spielt Valentina eine Ladenbesitzerin, die in der früheren Version der Ladenbesitzer Doc war. Alle Rollen im Film die Puertoricaner sind, werden von Latinx Personen gespielt und dadurch entsteht endlich die gerechte Repräsentation, die in der früheren Version gefehlt hat. Wichtig ist das vor allem, weil lateinamerikanische Schauspieler*innen in Filmen immer noch sehr stark unterrepräsentiert sind. Eine weitere Besetzung, die sich verändert hat ist die von Anybody’s: in der früheren Version ist sie eine Frau die den Jets angehören will, in der neuen Version jedoch wird es deutlich, dass die Figur ein Transmann ist, der ein Mitglied der rein cis-männlichen Jets sein will. Die Rolle wurde besetzt von der nicht-binären Person Iris Menas. 

Neben der Besetzung unterscheidet sich der neue Film wenig von der früheren Version. Jedoch erscheint alles in bunteren Farben, die Musik hat den gleichen – jedoch feineren Klang -, die Choreographien sind bewegter und die Klänge der Bewegungen, wie zum Beispiel Fußstapfen, fügen sich nahtlos in den Rhythmus ein. Die Musik bleibt glücklicherweise die gleiche, die Orchesterklänge und auch die Singstimmen sind fast unverwechselbar mit der älteren Version. Dadurch fällt es leicht sich der Nostalgie hinzugeben, die erweckt wird, wenn das zögernde “Maria” von Toni (Ansel Elgort) erklingt oder das laute rhythmische “America” von Anita (Ariana DeBose). 

Der Film hat es geschafft das zu verändern, was Richtigstellung bedurfte und die Dinge belassen, die so wunderschön sind an West Side Story: Die Musik und die Geschichte. Außerdem erschaffen Spielberg und sein Team einzigartige Bilder, mit beeindruckenden Lichtstimmungen und atemberaubenden Szenerien, auf denen getanzt, gekämpft und getrauert wird. Damit gelingt der Spagat zwischen Hommage und eigenem neuem Stil. Das Schöne daran: Jeder der West Side Story damals geliebt hat, wird die neue Version auch lieben. 

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