Die neue Talkshow? IM RADIO?

„Ist Unsterblichkeit erstrebenswert?“ Dieser Frage widmet sich der gleichnamige Beitrag, der im Rahmen des Forum neuer Musik 2021 für den Deutschlandfunk entstanden ist. Moderiert von Christiane Florin, streiten Juliane Vieregge und Volker Demuth vor dem Hintergrund des näher rückenden Transhumanismus, ob der Wert eines Lebens durch eine künstliche Verlängerung ab- oder zunimmt.

Die beiden geladenen Expert*innen haben jeweils Bücher zu dem Themenkosmos Leben und Tod verfasst – allerdings mit unterschiedlichen Standpunkten. Das Banner Streitkultur scheint perfekt für die Diskussion, immerhin siedeln sich beide Parts der Diskussion als Schriftsteller*innen im Bereich der Kultur an und die zweite Implikation einer „Streitkultur“ stellt schließlich heraus, dass man an einem gemeinsamen Lösung oder zumindest einer konstruktiven Diskussion interessiert ist, in der die Zuhörer*innen sich einen Standpunkt erschließen können oder sich auch mit beiden einfach nur vertraut machen können. Ist das gelungen?

Erst ein mal sei festgehalten, dass was im vorherigen Absatz durchklingt könnte auch eine idealtypische Beschreibung einer Talkshow sein. Wenn so Talkshows ablaufen würden, wären das wahrscheinlich auch noch relevante(re) Formate. In Radioform funktioniert das einfach besser. Den Rahmen und die Form, die die Moderatorin vorgibt, gießt das Gespräch in vorgefertigte, aber trotzdem natürlich klingende Bahnen – außer das erste Statement der Frau Vieregge, das war wohl auf jeden Fall abgelesen oder zumindest vorbereitet. Nichtsdestotrotz antworten die Gäste aufeinander ohne sich zu stark ins Wort zu fallen und antworten ohne die üblichen rhetorischen Tricks auf die gestellten Fragen.

Dieser Vorteil der Struktur kann gleichzeitig aber auch ein Nachteil sein. Teils trocknen die Redebeiträge aus, weil die Redeanteile das Gespräch fast wie geskriptet wirken. Hier stellt sich die Frage, ob eine „Streitkultur“ nicht gerade auch das Chaos verlangt – oder es zumindest einlädt.

Warum das Gespräch trotzdem funktioniert? Vielleicht liegt den Gästen mehr an dieser sogenanneten Streitkultur oder das Format ist einfach die bessere Talkshow.

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