Steckbrief: Torben Tanne

Was ist für mich KULTUR?

Kultur hat für mich einen sehr faden Beigeschmack bekommen über die letzten Jahre. Seitdem sich Debatten ~in den Medien~ mehr und mehr um irgendwelche neu ausgetragenen oder auszutragenden Kulturkämpfe und angebliche „Cancel Culture“ drehen, habe ich die Lust an „Kultur“ verloren.

Kultur ist doch marode, eingestaubt und von gestern. Einfallslos, abgehoben, distanziert und weit weg. Klein, winzig, egal, passiert nur noch in elitären Bubbles und nicht mehr als Ausdruck eines schöpferischen Geistes.

Dabei war es ein Leben lang für mich Zufluchts- und Sehnsuchtsort, und wenn ich ehrlich bin auch das womit ich mich beschäftigt habe, um mich von Mitmenschen abzuheben. Um irgendwie cooler – oder zumindest gebildeter zu wirken. Natürlich habe ich dabei eine ehrliche Beschäftigung, was mir kulturell wirklich gefällt immer vermieden. Das will ich jetzt mehr machen. Und deswegen gehe ich morgen ins Kino. Aber nicht ins CineMaxx, sondern ins Puschkino. Vielleicht. Wenn es die Pandemie noch zulässt.

Was ist für mich KRITIK?

Wenn ich für mich persönlich assoziieren müsste, würde ich sagen: Kritik ist vor allem negativ. Es macht einfach schlechte Laune, wenn man etwas, das man schreibt, herstellt oder generell kreiert von jemand anderen nicht für gut befunden wird. (Konstruktive) Kritik sagt irgendwie aus: Es geht besser. Und das höre ich nicht gerne, nein: das hört wirklich niemand wirklich gerne.

Ein gesunder Umgang mit Kritik kann wiederum total hilfreich sein, das findet aber in der ersten Assoziation nicht statt, deswegen hier ein paar Regeln, was für mich gute (und gesunde) Kritik ausmacht:

  • Zeitpunkt: Kritik sollte in einem möglichst passenden Augenblick geäußert werden, nicht während einer hitzigen Debatte, noch in dröger Langeweile
  • Augenhöhe: Kritik sollte inhaltlich präzise sein und nicht auf dem Menschen hinter das Produkt zielen; auf die Formulierungen achten!
  • Sprecher*inneposition: eine ganz moderne Entdeckung, jede*r sollte sich im Klaren über seine*ihre Identität und gesellschaftliche Rolle bevor (produktive) Kritik geäußert werden kann

Vielleicht kann man mit diesen Konventionen sich selbst und einander endlich von diesem konfusen Gefühl befreien, dass irgendwie ja alles besser geht und ganz klassisch-neoliberal Kritik als Chance wahrnehmen. Wenn nicht ist das wohl auch okay.

Was sind für mich MEDIEN?

Was sind schon Medien? Vor allem mit diesen Gedanken bin ich aus jeglicher medientheoretischer Betrachtung – bis jetzt – hinausgetreten. Eine Definition weiter als die anderen, mit Perspektivwechsel bis in die Unendlichkeit und darüber hinaus.

Medien sind wohl im weitesten Sinne erstmal Vermittler, technische wie Smartphones und natürliche wie die Stimme. Im engeren Sinne, dann Fernsehen, Rundfunk, Print und Social Media. Und im engsten Sinne dann wohl RTL, MDR Klassik, Die ZEIT und Instagram.

Diese Vielseitigkeit vom Medienbegriff empfinde ich als ebenso elementar für medienreflexive Prozesse, wie sie auch einfach egal sind.

Medien sind für mich Tor zur Welt, Flucht aus derselben und kreativer Output in einem. Tag und Nacht umgebe ich mich mit diesen (und ich glaube nicht nur ich!), nur das Atmen nehmen sie mir noch nicht ab – obwohl: ist nicht Luft eigentlich das elementarste Medium von allen?