{"id":848,"date":"2018-08-17T11:35:03","date_gmt":"2018-08-17T09:35:03","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/?page_id=848"},"modified":"2018-08-17T14:19:27","modified_gmt":"2018-08-17T12:19:27","slug":"auswertung-und-reflexion","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/der-forschungsprozess-2\/der-qualitative-forschungsprozess-2\/auswertung-und-reflexion\/","title":{"rendered":"Auswertung und Reflexion"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr die Auswertung der generierten Daten wurde bereits bei der Entwicklung des Forschungsdesigns eine ad\u00e4quate <span style=\"color: #ee7d00\">Auswertungsmethodik<\/span> ausgew\u00e4hlt. Je nach Fragestellung und Forschungsinteresse existieren in der qualitativen Forschung zahlreiche Auswertungsstrategien, welche sich zum Teil stark voneinander unterscheiden. Auch je nach Datengrundlage (z.B. Interviews, Gruppendiskussionen, Dokumente, Protokolle etc.) muss die Auswertungsmethode angemessen ausgew\u00e4hlt werden (siehe Abschnitt Feldphase, Datenerhebung). Vielen Auswertungsverfahren ist dabei gemein, dass das zumeist vorhandene Sprachmaterial zun\u00e4chst Wort f\u00fcr Wort transkribiert wird (siehe im Abschnitt Forschungsplanung). Anschlie\u00dfend wird das <span style=\"color: #ee7d00\">verschriftlichte Material codiert<\/span>. Das Codieren ist ein wichtiger Prozess w\u00e4hrend der Datenauswertung, denn auf diese Art und Weise werden die Daten St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck abstrahiert. \u201eCodieren\u201c bezeichnet hierbei die <span style=\"color: #ee7d00\">Entwicklung kurzer, pr\u00e4gnanter und vergleichsweise abstrakter Konzepte (Codes)<\/span>, die den Inhalt der jeweiligen Textstelle charakterisieren und dabei eng am Text orientiert sind. Ein definitorisches <span style=\"color: #ee7d00\">Codebuch<\/span> hilft an dieser Stelle die Zuordnung der Kategorien oder Codes zu Textstellen sowohl im Verlauf des Forschungsprozesses als auch bei Arbeiten mit mehreren Forschern im Team inter- und intrasubjektiv einheitlich zu gestalten. Als Unterst\u00fctzung zum Umgang mit den Daten kann auf verschiedene <span style=\"color: #ee7d00\">Softwarel\u00f6sungen<\/span> zur\u00fcckgegriffen werden (bspw. MAXQDA, ATLAS.ti oder NVivo). Die Software kann dabei f\u00fcr das Datenmanagement und\/oder den Codierungsprozess verwendet werden. Die Auswertung \u00fcbernimmt sie dabei aber nicht, sie unterst\u00fctzt diese lediglich.<\/p>\n<p>Die am h\u00e4ufigsten verwendeten Verfahren zur Auswertung qualitativer Daten im Bereich der Gesundheitsforschung sind das interpretative Verfahren der <span style=\"color: #ee7d00\">Grounded Theory<\/span> sowie das inhaltsanalytische Verfahren der qualitativ orientierten kategoriengeleiteten Textanalyse, auch bekannt als \u201e<span style=\"color: #ee7d00\">Inhaltsanalyse<\/span>\u201c. Aufgrund der mannigfaltigen M\u00f6glichkeiten zur Datenauswertung in der qualitativen Forschung, soll im Folgenden ausschlie\u00dflich auf die eben genannten Verfahren kurz n\u00e4her eingegangen werden.<\/p>\n<h3 style=\"padding-left: 30px\">Inhaltsanalyse \u2013 qualitativ orientierte kategoriengeleitete Textanalyse<\/h3>\n<p style=\"padding-left: 30px\">Die Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring ist wohl eine der bekanntesten Methoden der Datenauswertung in der qualitativen Forschung und nutzt in erster Linie eine <span style=\"color: #ee7d00\">Mischung aus induktivem und deduktivem Codieren<\/span>. Verschiedene Arten der Inhaltsanalyse geben unterschiedliche Vorgehensweisen vor. Beispielsweise kann aus dem Gespr\u00e4chsleitfaden zun\u00e4chst ein <span style=\"color: #ee7d00\">Kategoriensystem<\/span> entwickelt werden, mit dessen Hilfe das Datenmaterial \u201ezerlegt\u201c wird (deduktive Auswertungsstrategie). Im anschlie\u00dfenden induktiven Schritt werden dann neue, zus\u00e4tzliche Kategorien entwickelt. Allen Arten der Inhaltsanalyse ist jedoch gemein, dass die Zuordnung der Kategorien bzw. Codes zu einer Textstelle streng regelgeleitet erfolgt, z.B. mit einem definitorischen Codebuch.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: left;padding-left: 30px\">Grounded Theory<\/h3>\n<p style=\"text-align: left;padding-left: 30px\">Die Grounded Theory wurde von Anselm Strauss und Barney Glaser Anfang der 60er Jahre im Kontext medizinsoziologischer Studien entwickelt und stellt nicht nur eine Auswertungsstrategie dar, sondern vielmehr auch eine <span style=\"color: #ee7d00\">Methodologie der qualitativen Forschung<\/span>. Grundlegendes Ziel ist hierbei die <span style=\"color: #ee7d00\">Theoriegenerierung<\/span>, weswegen dieses Verfahren zeitaufw\u00e4ndiger ist und als <span style=\"color: #ee7d00\">interpretatives Verfahren<\/span> gilt. Der Theorie des Symbolischen Interaktionismus folgend, liegt das Forschungsinteresse hier nicht in der reinen Rekonstruktion subjektiver Sichtweisen, sondern der <span style=\"color: #ee7d00\">zugrundeliegenden sozialen Ph\u00e4nomene<\/span>. Bei der Datenanalyse nach der Grounded Theory orientieren sich die Forscher eng am erhobenen Material. Die Erfahrung der einzelnen, zu untersuchenden F\u00e4lle hat Priorit\u00e4t, denn ihr kommt eine zentrale Bedeutung bei der Aufdeckung sozialer Strukturen und Prozesse zu. Das Codieren ist hierbei ein sehr komplexer Prozess, welcher drei verschiedene Arten des Codierens beinhaltet. In der ersten Phase des <span style=\"color: #ee7d00\">\u201eoffenen Codierens\u201c<\/span> werden die erhobenen Daten analytisch aufbereitet. Das <span style=\"color: #ee7d00\">\u201eaxiale Codieren\u201c<\/span> dient der Verfeinerung der im ersten Schritt entwickelten Codes zu Kategorien. Das <span style=\"color: #ee7d00\">\u201eselektive Codieren\u201c<\/span> als dritter Analyseschritt kann als \u201eaxiales Codieren auf einem Niveau h\u00f6herer Abstraktion, allgemeinerer Theoretisierungsstufe\u201c bezeichnet werden. Anschlie\u00dfend wird die Theoriebildung vorbereitet, indem eine <span style=\"color: #ee7d00\">Schl\u00fcsselkategorie<\/span> ermittelt wird. Die anderen Kategorien werden wiederum mit dieser Schl\u00fcsselkategorie verkn\u00fcpft. Das Kategorienschema wird in einem reflexiven Prozess aufgebaut und bereits parallel zur Feldphase entwickelt. Theoretisches Codieren in der Erhebungsphase und dar\u00fcber hinaus wird erg\u00e4nzt durch das Verfassen <span style=\"color: #ee7d00\">theoretischer Memos<\/span> und den Prozess des <span style=\"color: #ee7d00\">st\u00e4ndigen Vergleichens der untersuchten F\u00e4lle<\/span>.<\/p>\n<p>Nicht nur in der Grounded Theory, sondern in der qualitativen Forschung allgemein gilt es im gesamten Projektverlauf den Forschungsprozess sowie die Auswertung der Daten stets zu reflektieren und ggf. an sich \u00e4ndernde Umst\u00e4nde anzupassen. Qualitative Forschung versteht sich nicht als linearer Prozess, sondern ist stets eine Hin- und Her-Bewegung (reflexiver Prozess) zwischen Datenerhebung, Auswertung, (eventuell) erste Theorieentwicklung, Erhebung neuer Daten etc.<\/p>\n<p>Am Ende der Auswertungsphase sollte eine Reflexion dahingehend stattfinden, ob Forschungsfragen und Fragestellungen mit dem gesammelten Datenmaterial ad\u00e4quat zu beantworten sind. Auch kann es durchaus sinnvoll sein, den Forschungsprozess als Ganzes zu reflektieren, insbesondere dann, wenn es zu Problemen in der Feld- und Auswertungsphase kam und\/oder Fragestellungen nicht beantwortet werden k\u00f6nnen. Mitunter bedarf es Nacherhebungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/der-forschungsprozess-2\/der-qualitative-forschungsprozess-2\/qualitative-forschungsdesigns\/\">zur \u00dcbersicht\u00a0<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<a href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/der-forschungsprozess-2\/der-qualitative-forschungsprozess-2\/feldphase-datenerhebung\/\"> vorherige Seite<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/der-forschungsprozess-2\/der-qualitative-forschungsprozess-2\/abschluss\/\">n\u00e4chste Seite<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr die Auswertung der generierten Daten wurde bereits bei der Entwicklung des Forschungsdesigns eine ad\u00e4quate Auswertungsmethodik ausgew\u00e4hlt. Je nach Fragestellung und Forschungsinteresse existieren in der qualitativen Forschung zahlreiche Auswertungsstrategien, welche sich zum Teil stark voneinander unterscheiden. Auch je nach Datengrundlage (z.B. Interviews, Gruppendiskussionen, Dokumente, Protokolle etc.) muss die Auswertungsmethode angemessen ausgew\u00e4hlt werden (siehe Abschnitt Feldphase, &#8230; <a title=\"Auswertung und Reflexion\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/der-forschungsprozess-2\/der-qualitative-forschungsprozess-2\/auswertung-und-reflexion\/\">Weiterlesen <span class=\"screen-reader-text\">Auswertung und Reflexion<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2524,"featured_media":0,"parent":868,"menu_order":6,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/848"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2524"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=848"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/848\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":998,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/848\/revisions\/998"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/868"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=848"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}