{"id":854,"date":"2018-08-17T10:08:26","date_gmt":"2018-08-17T08:08:26","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/?page_id=854"},"modified":"2019-01-12T14:16:14","modified_gmt":"2019-01-12T13:16:14","slug":"forschungsplanung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/der-forschungsprozess-2\/der-qualitative-forschungsprozess-2\/forschungsplanung\/","title":{"rendered":"Forschungsplanung"},"content":{"rendered":"<p>Ankn\u00fcpfend an die Entwicklung des Forschungsdesigns, wird die konkrete<span style=\"color: #ee7d00\"> Dauer des Forschungsprojektes<\/span> geplant. Wie lange ein qualitatives Forschungsprojekt dauert, h\u00e4ngt sehr von der Methodik ab und l\u00e4sst sich allgemein etwas schwerer planen als bei quantitativen Forschungsprojekten, da das Vorgehen, wie schon beschrieben mitunter zirkul\u00e4r ist und sich somit aus dem Projektverlauf immer wieder \u00c4nderungen der Forschungsplanung ergeben k\u00f6nnen (siehe Entwicklung des Forschungsdesigns). Trotzdem gibt es einige allgemeine Punkte, die bei der Planung ber\u00fccksichtigt werden sollten.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich untergliedert sich ein Forschungsprojekt in eine <span style=\"color: #ee7d00\">theoretische Phase<\/span> und in eine <span style=\"color: #ee7d00\">Feldphase<\/span>. In der theoretischen Phase wird ankn\u00fcpfend an die wissenschaftliche Einbettung und den theoretischen Hintergrund das Vorverst\u00e4ndnis des Forschenden dargelegt. Da diese Arbeit auf den vorherigen Arbeitsschritten beruht, reichen wenige Monate hierf\u00fcr in der Regel aus.<\/p>\n<p>Im Anschluss folgt die zeitliche Planung der Rekrutierung und Erhebung sowie der Auswertung (Feldphase). Insbesondere f\u00fcr die <span style=\"color: #ee7d00\">Rekrutierung sollte ausreichend Zeit eingeplant<\/span> werden, da Zug\u00e4nge zu den passenden Teilnehmenden gefunden werden m\u00fcssen. Hierbei k\u00f6nnen <span style=\"color: #ee7d00\">Vermittler*innen<\/span> wie \u00c4rzt*innen, Vereine oder Selbsthilfegruppen sehr hilfreich sein. Zudem wird in der Feldphase bei den meisten qualitativen Forschungsdesigns parallel bereits eine Auswertung der erhobenen Daten durchgef\u00fchrt, damit weitere F\u00e4lle aufbauend auf den bisherigen Erkenntnissen ausgew\u00e4hlt und gesucht werden k\u00f6nnen. Dieses Vorgehen ist immer dann notwendig, wenn nach der Methode des theoretischen Samplings (siehe Feldphase, Gewinnung von Teilnehmern) neue Teilnehmende ausgew\u00e4hlt und befragt werden, bis eine theoretische S\u00e4ttigung der entwickelten Theorie erreicht ist. Hierbei wird die Suche nach geeigneten Teilnehmenden komplexer und zeitaufw\u00e4ndiger, je weiter man im Forschungsverlauf vorangeschritten ist und je \u201espezieller\u201c die F\u00e4lle sind, die man sucht.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px\"><span style=\"color: #ee7d00\"><em>Praxisbeispiel: In unserem Projekt zu den finanziellen Folgen einer Krebserkrankung suchten wir zum Ende der Erhebung beispielsweise noch nach Alleinerziehenden mit einer Krebserkrankung, da sich in den vorherigen Interviews nach einer ersten Auswertung gezeigt hat, dass die Patient*innen mit Familien vor allem ihre Partner*in bei der Bew\u00e4ltigung der finanziellen Folgen ihrer Erkrankung als sehr entlastend empfunden haben. Um dieses Ergebnis aus den bisher gef\u00fchrten Interviews im weiteren Forschungsverlauf n\u00e4her betrachten zu k\u00f6nnen, sollten zum Vergleich noch kontrastierende Interviews mit Betroffenen gef\u00fchrt werden, die keinen Partner*in hatten.<\/em><\/span><\/p>\n<p>Bei der Planung der Feldphase ist auch zu ber\u00fccksichtigen, dass die erhobenen Daten im Anschluss an die Erhebung f\u00fcr die Auswertung aufbereitet werden m\u00fcssen. Interviews werden hierf\u00fcr in der Regel aufwendig und <span style=\"color: #ee7d00\">zeitintensiv transkribiert (verschriftlicht)<\/span>. Hierbei kann zwischen verschiedenen Transkriptionssystemen unterschieden werden, je nachdem, welche Informationen wie verschriftlicht werden sollen (nachlesbar zum Beispiel in Dressing und Pehl 2018). Als Orientierung kann hierbei f\u00fcr Unerfahrene gelten, dass ein Transkript eines 45-min\u00fctigen Interviews mit einfachem Transkriptionssystem circa 7,5 Stunden in Anspruch nimmt. D.h. bei 20 Interviews \u00e1 45 Minuten und insgesamt 900 Minuten Datenmaterial dauert die Transkription bis zu 150 Stunden und somit knapp 4 Wochen (Vollzeitarbeit).<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr die Dauer der Auswertung k\u00f6nnen Richtwerte herangezogen werden, welche diese insgesamt besser planbar machen. F\u00fcr eine \u201eeinfache\u201c Inhaltsanalyse mit erforderlichem mehrfachem <span style=\"color: #ee7d00\">induktivem und deduktivem Codieren der Daten<\/span> (siehe Auswertung, Inhaltsanalyse) sollte man circa die <span style=\"color: #ee7d00\">50-fache Interviewzeit f\u00fcr die Datenauswertung<\/span> und Beantwortung der Forschungsfrage einplanen. F\u00fcr das Beispiel mit 20 Interviews \u00e1 45 Minuten sind also 750 Stunden zu veranschlagen (mindestens 5 Monate Vollzeitarbeit). Werden die Daten nach einem anderen Verfahren wie zum Beispiel nach der Grounded Theory (siehe Auswertung Grounded Theory) ausgewertet, sollte deutlich mehr Zeit eingeplant werden.*<\/p>\n<p>Zum Abschluss der Planungsphase sollte kritisch reflektiert werden, ob die vorgesehenen Feldphasen und deren Zielsetzungen die <span style=\"color: #ee7d00\">SMART Anforderungen<\/span> erf\u00fcllen, die aus der Projektplanung oder der Didaktik bekannt sind. Hierbei gilt jeweils, dass die einzelnen Phasen und Zielsetzungen<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/forschungsplanung\/smart-2\/#main\" rel=\"attachment wp-att-864\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-864 alignnone\" src=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/files\/2017\/12\/SMART-1-e1513692032718.png\" alt=\"\" width=\"404\" height=\"172\" \/><\/a><\/p>\n<p>sein sollen, um im Sinne des reflexiven, qualitativen Forschungsprozesses rechtzeitig Abweichungen und neue Bedingungen erkennen und entsprechend Anpassungen vornehmen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Eine Besonderheit gilt zudem in den meisten Humanwissenschaften: Bevor die Feldphase und Erhebung der Daten beginnen kann, ist es in vielen Bereichen der medizinischen und gesundheitswissenschaftlichen Forschung wichtig, ein Ethikvotum einzuholen und dabei speziell die Einhaltung ethischer Normen und datenschutzrechtlicher Bestimmungen \u00fcberpr\u00fcfen zu lassen.<\/p>\n<h2>Das Ethikvotum<\/h2>\n<h3>Wann und warum brauche ich ein Ethikvotum?<\/h3>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/www.medizin.uni-halle.de\/index.php?id=361\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ethik-Kommission der Medizinischen Fakult\u00e4t der Martin-Luther-Universit\u00e4t Halle-Wittenberg <\/a>ber\u00e4t bez\u00fcglich ethischer und rechtlicher Aspekte in der medizinischen Forschung am Menschen. Jedes Forschungsvorhaben, bei dem in die psychische und k\u00f6rperliche Integrit\u00e4t eines Menschen eingegriffen wird oder K\u00f6rpermaterialien oder Daten verwendet werden, die sich einem bestimmten Menschen zuordnen lassen, ist vorher der Ethik-Kommission vorzulegen. Dies umfasst auch Vorhaben, bei denen Patient*innen oder \u00c4rzt*innen qualitativ befragt oder beobachtet werden.<\/p>\n<h3>Was beinhaltet ein Ethikvotum?<\/h3>\n<p>Zun\u00e4chst muss das Forschungsvorhaben gem\u00e4\u00df der revidierten Deklaration von Helsinki vor dem ersten Einschluss in einer \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Datenbank registriert werden: z.B. das Deutsche Register Klinischer Studien (www.drks.de). Weiterhin sind bei der Antragstellung z. B. einzureichen:<\/p>\n<ul>\n<li>Antragsformular zur Begutachtung (Vordruck)<\/li>\n<li>Studienprotokoll (hier insbesondere den Datenschutz beachten)<\/li>\n<li>alle Unterlagen f\u00fcr die Probanden\/ Teilnehmenden der Studie, z.B. Studieninformation und Einwilligungserkl\u00e4rung<\/li>\n<\/ul>\n<p>Eine aktuelle Auflistung befindet sich hier: <a href=\"https:\/\/www.medizin.uni-halle.de\/index.php?id=1208\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ethikkommission MedFak Halle<\/a><\/p>\n<h3>Wie bekomme ich ein Ethikvotum?<\/h3>\n<p>Die Beantragung eines Ethikvotums zum geplanten Forschungsvorhaben erfolgt bei den von uns betreuten Forschungsvorhaben regelm\u00e4\u00dfig bei der Ethik-Kommission der Medizinischen Fakult\u00e4t der Martin-Luther-Universit\u00e4t Halle-Wittenberg. Die Ethik-Kommission ber\u00e4t sich aktuell einmal im Monat. Nach Einreichung des Antrags erfolgt die Einladung zu einer Anh\u00f6rung nach unserer Erfahrung (ist abh\u00e4ngig von aktueller Antragslage) in die n\u00e4chste oder \u00fcbern\u00e4chste Sitzung. Bei der Anh\u00f6rung wird das Projekt durch die Antragsteller*in pers\u00f6nlich vorgestellt und es werden im Anschluss offene ethische Fragen besprochen. Einige Tage nach der Anh\u00f6rung erfolgt dann eine schriftliche Mitteilung an den Antragsteller, in der das Ergebnis der Begutachtung mitgeteilt wird und ggf. noch auf notwendige \u00c4nderungen und Nacharbeiten im geplanten Forschungsvorhaben verwiesen wird, welche dann wiederum bei der Kommission eingereicht werden m\u00fcssen. Dadurch kann der gesamte Begutachtungsprozess ca. 3 bis 4 Monate dauern. Die entstehenden Kosten variieren je nach Art des Forschungsprojektes (Antr\u00e4ge nach dem Medizinproduktegesetz, nach dem Arzneimittelgesetz etc.).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/der-forschungsprozess-2\/der-qualitative-forschungsprozess-2\/qualitative-forschungsdesigns\/\">zur \u00dcbersicht\u00a0<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<a href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/der-forschungsprozess-2\/der-qualitative-forschungsprozess-2\/qualitative-forschungsdesigns\/\"> vorherige Seite<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <a href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/der-forschungsprozess-2\/der-qualitative-forschungsprozess-2\/feldphase-feldzugang\/\">n\u00e4chste Seite<\/a><\/p>\n<p>*<span style=\"color: #999999\"><em> Die Sch\u00e4tzung des Zeitaufwandes ist sehr schwierig, wir geben aber trotzdem ungef\u00e4hre Zeitspannen an, damit die Arbeit nicht untersch\u00e4tzt wird.<\/em><\/span><\/p>\n<ul>\n<li><span style=\"color: #999999\"><em>Der 5-10-fache Zeitaufwand f\u00fcr die Transkription von Interviews geht auf die Empfehlungen von Kuckartz U (2010): Einf\u00fchrung in die computergest\u00fctzte Analyse qualitativer Daten. 3., aktualisierte Aufl. Wiesbaden : VS, Verl. f\u00fcr Sozialwiss. S. 40. zur\u00fcck.<\/em><\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #999999\"><em>Der ca. 50-fache Aufwand f\u00fcr die Auswertung beruht auf Dresing T &amp; Pehl T (2018): Praxisbuch Interview, Transkription &amp; Analyse. Anleitungen und Regelsysteme f\u00fcr qualitativ Forschende. 8. Au\ufb02age. Marburg, 2018. Quelle: www.audiotranskription.de\/praxisbuch [Zugriff 11.06.2018] und deckt sich ungef\u00e4hr mit unseren Erfahrungen.<\/em><\/span><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ankn\u00fcpfend an die Entwicklung des Forschungsdesigns, wird die konkrete Dauer des Forschungsprojektes geplant. Wie lange ein qualitatives Forschungsprojekt dauert, h\u00e4ngt sehr von der Methodik ab und l\u00e4sst sich allgemein etwas schwerer planen als bei quantitativen Forschungsprojekten, da das Vorgehen, wie schon beschrieben mitunter zirkul\u00e4r ist und sich somit aus dem Projektverlauf immer wieder \u00c4nderungen der &#8230; <a title=\"Forschungsplanung\" class=\"read-more\" href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/der-forschungsprozess-2\/der-qualitative-forschungsprozess-2\/forschungsplanung\/\">Weiterlesen <span class=\"screen-reader-text\">Forschungsplanung<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2524,"featured_media":0,"parent":868,"menu_order":3,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/854"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2524"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=854"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/854\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1013,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/854\/revisions\/1013"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/868"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/medsoz1\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=854"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}