{"id":1285,"date":"2021-07-27T10:42:12","date_gmt":"2021-07-27T08:42:12","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/mlu4career\/?page_id=1285"},"modified":"2021-10-08T12:40:01","modified_gmt":"2021-10-08T10:40:01","slug":"interview-mit-dariush-hinderberger","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/mlu4career\/interview-mit-dariush-hinderberger\/","title":{"rendered":"Interview mit Dariush Hinderberger"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/mlu4career\/files\/2021\/07\/dariush-hinderberger-100-resimage_v-variantBig16x9_w-1280-edited.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1376\" width=\"360\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/mlu4career\/files\/2021\/07\/dariush-hinderberger-100-resimage_v-variantBig16x9_w-1280-edited.jpg 719w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/mlu4career\/files\/2021\/07\/dariush-hinderberger-100-resimage_v-variantBig16x9_w-1280-edited-300x300.jpg 300w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/mlu4career\/files\/2021\/07\/dariush-hinderberger-100-resimage_v-variantBig16x9_w-1280-edited-150x150.jpg 150w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/mlu4career\/files\/2021\/07\/dariush-hinderberger-100-resimage_v-variantBig16x9_w-1280-edited-510x510.jpg 510w\" sizes=\"(max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><figcaption>&nbsp;Prof. Dr. Dariush Hinderberger<br>(Foto: SFB TRR 102 \/ David Ausserhoffer)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h4><strong>R\u00fcckblickend, was waren pers\u00f6nliche Herausforderungen einer wissenschaftlichen Karriere in Deutschland bzw. an der MLU?<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong><em>Warten auf die erste Dauerstelle<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"zeilenabstand\">Ein kritischer Punkt f\u00fcr alle, die in Deutschland eine Karriere in der Wissenschaft machen m\u00f6chten, ist sicher der \u00dcbergang von einer befristeten Stelle zu einer Dauerstelle, egal ob Professur, im akademischen Mittelbau oder als Funktionswissenschaftler*in z.B. in einem au\u00dferuniversit\u00e4ren Forschungsinstitut. Dieser \u00dcbergang war bei mir sicher auch kritisch: meine <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/mlu4career\/karriere-einstieg\/internationales\/#wisszeitvg\" target=\"_blank\">\u201e12-Jahres Wand&#8220;<\/a> war noch etwa ein Jahr weg, als ich dann doch zwei sehr gute Angebote f\u00fcr eine Professur erhielt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"zeilenabstand\">Diese Unsicherheit war f\u00fcr viele meiner Kolleg*innen ein gro\u00dfes Problem. Und obwohl es schon immer Initiativen gab, auch schon zu meiner Zeit als Nachwuchswissenschaftler, die auf diese Unsicherheit aufmerksam machten, hat es mich pers\u00f6nlich, zum Gl\u00fcck, nicht so beeinflusst. Ich hatte immer das Vertrauen in meine Forschung und Lehre und konnte so das Risiko eingehen, auf das Gl\u00fcck zu bauen, dass die \u201erichtige\u201c Stelle frei wird; auch wenn es materiell\/\u00f6konomisch wirklich risikoreich war (das ist wirklich eine Typfrage, denke ich). Ich m\u00f6chte aber niemanden animieren, seine\/ihre Karriere nur auf Zufall und Gl\u00fcck aufzubauen, auch wenn man sich das Gl\u00fcck bis zu einem gewissen Punkt hart erarbeiten kann. Das hei\u00dft nicht, dass die Kolleg*innen, die vielleicht keine Professur erhalten, weniger hart gearbeitet h\u00e4tten, auf keinen Fall \u2013 man muss sich aber einfach dieser Zufallskomponente bewusst sein. Inzwischen \u2013 ich habe 2010\/2011 habilitiert \u2013 hat sich aber einiges getan, wenn es um die bessere Planbarkeit von Wissenschaftskarrieren geht, so ist die Ausweitung der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/mlu4career\/karriere-einstieg\/wege-zur-professur\/#juniorprofessur\" target=\"_blank\">Juniorprofessuren mit <em>tenure track<\/em><\/a>, wie wir sie auch an der MLU forcieren sicher ein gro\u00dfer Schritt, die \u201ePlanbarkeit\u201c zu verbessern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong><em>Vorz\u00fcge der akademischen Wissenschaft erkennen und nutzen<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"zeilenabstand\">Mit der Unsicherheit klarzukommen, ist f\u00fcr die meisten die gr\u00f6\u00dfte, institutionalisierte Herausforderung der akademischen Wissenschaftskarriere. Wenn ich ganz pers\u00f6nlich nochmal zur\u00fcckblicke, so war es f\u00fcr mich eher etwas Anderes \u2013 n\u00e4mlich die Forschungsfreiheit w\u00e4hrend meiner Zeit als Arbeitsgruppenleiter und Habilitand wirklich als solche zu erkennen und auch zu nutzen. Es hat ungef\u00e4hr ein Jahr oder so gedauert, bis ich mich tats\u00e4chlich getraut habe, neue Forschungsprojekte zu starten, von denen ich am Anfang nur literaturbedingte Ahnung hatte. Als Wissenschaftler*innen erlernen wir Methoden, lernen Neues zu ergr\u00fcnden und sich dann zu trauen. \u201eEinfach zu machen\u201c das kostet einem, zumindest mich, am Anfang wirklich \u00dcberwindung. Zum Gl\u00fcck habe ich das sehr schnell sehr sch\u00e4tzen und sogar genie\u00dfen k\u00f6nnen, einfach Neues, von dem ich vorher nichts wusste, zu explorieren.<\/p>\n\n\n\n<h4><strong>Wenn Sie noch mal von vorne anfangen k\u00f6nnten, was w\u00fcrden Sie anders machen?<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"zeilenabstand\">Diese Frage grenzt ja schon an ein Zwischenfazit, da ich nicht so sicher wei\u00df, was ich die n\u00e4chsten 20-25 Jahre Weiteres in der Forschung und Lehre machen werde. R\u00fcckblickend kann ich sagen, dass ich vielleicht noch mehr, noch fr\u00fcher angefangen h\u00e4tte, Forschung auszuprobieren, die f\u00fcr mich neu ist. Das ist jetzt sehr spekulativ, aber ich war wirklich an einigen F\u00e4chern interessiert, vielleicht h\u00e4tte ich doch nicht Chemie studiert, ich schwankte n\u00e4mlich ziemlich stark bis ich mich dann wirklich eingeschrieben hatte.<\/p>\n\n\n\n<h4><strong>Drei Empfehlungen an junge Wissenschaftler*innen \u2013 was sollten sie unbedingt tun?<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"zeilenabstand\">1. Habt ihr in Halle promoviert, und vielleicht sogar studiert und\/oder kommt aus der Gegend? Dann geht bitte raus in die Welt, mindestens zwei Jahre, selbst mit dem Vorhaben, wieder in die Gegend zur\u00fcckzukommen. Geht raus, schmort nicht im eigenen Saft! Schaut euch an, wo ihr gerne (auch geographisch) hingehen w\u00fcrdet. In der PostDoc-Zeit kann man auch noch an Institutionen und in andere Arbeitsgruppen\/zu anderen Wissenschaftler*innen gehen, die eventuell ganz neue Blickwinkel, Methoden usw. vermitteln k\u00f6nnen. Wissenschaft ist ein in sich kosmopolitisches Abenteuer, das sollte man zu einem gewissen Grad auch zelebrieren, gerade in Zeiten, in denen Isolationismus und Provinzialit\u00e4t auch politisch wieder salonf\u00e4hig geworden sind.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"zeilenabstand\">2. Zum Aufbau der eigenen Forschung und (zumindest in Naturwissenschaften) der eigenen Forschungsgruppe: Geht nicht zu viele Kompromisse bei Forschungsprojekten ein, auch wenn es n\u00f6tig ist bis zu einem gewissen Grad. Das hei\u00dft, sucht euch wirklich auch Fragestellungen, die euch gefallen, interessieren und schaut nicht nur auf die Verwertbarkeit f\u00fcr die Karriere, weil das Thema z.B. gerade en vogue ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"zeilenabstand\">3. Seid ehrlich zu euch selbst. Fragt euch, ob ihr die Verantwortung und die Unsicherheit wirklich als Konsequenz der Freiheit aushalten k\u00f6nnt, wenn ihr es in eine akademische F\u00fchrungsposition schaffen solltet. Fragt euch, ob ihr die Freiheit eigentlich auch nutzen wollt oder ob euch ein Beruf, in dem ihr vielleicht intellektuell anspruchsvolle Aufgaben habt, aber nicht die ganze Verantwortung f\u00fcr die Ideen, nicht gl\u00fccklicher machen w\u00fcrde.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>R\u00fcckblickend, was waren pers\u00f6nliche Herausforderungen einer wissenschaftlichen Karriere in Deutschland bzw. an der MLU? Warten auf die erste Dauerstelle Ein kritischer Punkt f\u00fcr alle, die in Deutschland eine Karriere in der Wissenschaft machen m\u00f6chten, ist sicher der \u00dcbergang von einer befristeten Stelle zu einer Dauerstelle, egal ob Professur, im akademischen Mittelbau oder als Funktionswissenschaftler*in z.B. 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