Im Rahmen unserer Projekteinheit zu Mythen beschäftigte sich die 6. Klasse am Montagvormittag mit der Frage, wie Geschichten in Zeiten ohne Bücher, Internet oder andere moderne Medien überliefert wurden. Dabei wurde schnell deutlich, dass Mythen über viele Generationen hinweg vor allem mündlich weitergegeben wurden. Jede Erzählerin und jeder Erzähler konnte dabei kleine Veränderungen vornehmen, sodass im Laufe der Zeit unterschiedliche Versionen derselben Geschichte entstanden.
Um dieses Phänomen erfahrbar zu machen, spielten wir gemeinsam mehrere Runden Flüsterpost im Stuhlkreis. Ein Wort oder Satz wurde heimlich von Kind zu Kind weitergegeben und durfte jeweils nur einmal geflüstert werden. Die Spannung stieg, denn niemand wusste, wie die Nachricht am Ende klingen würde. Als schließlich die ursprüngliche Botschaft mit der letzten Version verglichen wurde, sorgte das Ergebnis für große Begeisterung und viele Lacher, da natürlich aus einem einfachen Satz etwas völlig anderes geworden war.
Die Schülerinnen und Schüler erlebten dabei auf spielerische Weise, wie leicht Informationen bei der mündlichen Weitergabe verändert werden können. Gleichzeitig wurde anschaulich, warum es von vielen bekannten Mythen unterschiedliche Fassungen gibt. Das Spiel bot somit nicht nur viel Spaß, sondern auch einen direkten Zugang zu einem wichtigen Merkmal mündlicher Überlieferung. Die Freude der Kinder zeigte, wie wirkungsvoll solche praktischen Erfahrungen sein können, um historische und kulturelle Zusammenhänge verständlich zu machen.
Verfasst von Julia Neumahr