Für unser Projekt war klar: Am Ende der Woche muss ein Produkt entstehen. Da wir die Schüler*innen nicht kannten, hatten wir uns in den Kopf gesetzt, bestmöglich vorbereitet zu sein. Doch haben wir dabei unterschätzt, wie viel sie in dieser unterrichtsfreien Zeit selbst bestimmt beitragen wollten. Vielleicht haben wir zu sehr in unseren Köpfen geplant und dabei aus den Augen gelassen, sie mehr an dem Prozess der Ideenentwicklung und Umsetzung zu beteiligen?
Seit das Semester anfing und wir Studis uns als Gruppe gefunden haben, stellten wir uns die Frage: Was soll unser Endprodukt mit den 6. Klassen sein? Es gab viele Überlegungen, aber keine hatte alle von uns so richtig überzeugt. Aber dann entstand die Idee eines eigenen Brettspiels, auf der sich die Schüler*innen die Reise des Odyssee auf spielerische Art und Weise aneignen können. Nach einigen Erklärungen, wie dieses Spiel ablaufen soll, schmiedeten wir uns detailliert einen Plan für die gesamte Woche in der Schule.
Das war aber längst nicht alles. Wir bereiteten einen Pitch vor, bei dem wir die Schüler zum ersten Mal in der Schule begegneten und unsere Idee präsentierten. “Ihr werdet zu Spieleentwicklern und dürft aktiv an der Gestaltung eines Brettspiels beitragen, indem ihr spannende Steckbriefe über die Monster und Tagebucheinträge des Helden verfasst.” Die Augen waren groß und die Neugier da. So bereiteten wir uns also vor und waren gespannt, wer sich in unsere Gruppe eintragen würde. Schnell noch alle Arbeitsblätter ausgedruckt, Spielbretter designt und die Geschichte von Odysseus auf die wichtigsten Inselereignisse gekürzt und ab in die Schule.
Tag für Tag verging und die Schüler*innen machten sehr motiviert in unseren Gruppen mit. Alles lief für nach Plan und so holten wir uns nach jedem Tag ein Feedback ein. Am dritten Tag merkten wir, dass die Wünsche und Erwartungen der Kinder an unser Projekt sich nicht ganz mit unseren deckten. Am liebsten hätten sie vieles alleine gestaltet, vom Brettspiel, über die Ereigniskarten bis hin zum Spiel am Ende selbst. Auch die ein oder andere Träne konnte aufgrund der zerplatzten Hoffnung nicht unterdrückt werden. Also disponierten wir spontan um.
Wir luden die Schüler*innen dazu ein, unser Brettspiel nur als Vorlage zu nutzen und darauf aufbauend eigene Spielbretter zu gestalten. Gesagt, getan. Die Zettel flogen, die Stifte malten und so erschufen die Schüler*innen innerhalb ihrer Gruppen ganz eigene Kunstwerke, die jedes Brettspiel persönlich und besonders machten. Die eine Gruppe erstellte noch einen ganzen Stapel an eigenen Ereignis- und Aktionskarten, die andere kleine Schächtelchen für die Aufbewahrung und vieles mehr. Was nehmen wir uns also mit: Vorbereitet in so eine Projektwoche gehen? Ja. Aber bereits alles im Detail ausgefertigt haben? Nein. Eher mit den Kindern zusammengestalten, planen und mit ihnen zusammen Ideen entwickeln. Dann haben sie auch das Gefühl, sie werden gesehen und ihre Wünsche und Erwartungen gehört. Nur so kann ein partizipativer Austausch stattfinden, auf den die Kinder mit Freude zurückblicken und auf dessen Endprodukt sie stolz sind.